Ingersheim / Jörg Palitzsch

Am kommenden Mittwoch sollen bei einer Zweckverbandsversammlung in Bietigheim-Bissingen Satzungen über Bauvorschriften und planungsrechtliche Festsetzungen für den Ingersheimer Bebauungsplan Gröniger Weg West (1. Änderung) beschlossen werden. Nach einem bereits erfolgten Beschluss im Ingersheimer Gemeinderat ein Schritt für die weitere Bebauung des Gewerbegebietes in westlicher Richtung – die zügig erfolgen soll.

Da Ingersheim nur zwei Gewerbestandorte hat – Talstraße und Gröninger Weg – könne eine Erweiterung gewerblicher Fläche nur im Zusammenhang mit einem dieser Standorte erfolgen, ist in der Begründung nachzulesen.

Die Erweiterung im Gröninger Weg umfasst rund einen Hektar, von dem wiederum nur 60 Prozent bebaut werden darf. Die Fläche liegt rechts der Bertha-Benz-Straße und zum Teil unter Hochspannungsleitungen. Um den Betrieb der Masten dauerhaft sicherzustellen, soll das  Gelände bis zu einem Abstand von rund 20 Metern von nächstliegenden Mastfundament nicht bebaut werden.

 Die Fläche wird Gewerbebetrieben zur Verfügung gestellt. Ziel sei es, die Zahl der Arbeitsplätze in der Gemeinde zu halten oder besser noch zu erhöhen. Derzeit gibt es drei Interessenten, die sich die Fläche teilen, so Bürgermeister Volker Godel. Der erste Betrieb könne schon im Sommer mit dem Bau beginnen.

Aufgrund der weiteren Flächenausweisung hat das Büro BS Ingenieure eine Stellungnahmen zu der Teilerweiterung erarbeitet und dabei ein zusätzliches Aufkommen von rund 50 Kfz-Fahrten pro Tag ermittelt.

Freiberg: „Nicht akzeptabel“

Die Stadt Freiberg teilt in einer Stellungnahme mit, die „punktuelle Betrachtung“ der Arrondierungsfläche und die daraus resultierende Mehrbelastung beim Verkehr sei „nicht akzeptabel“, da es sich um eine Teilfläche des künftigen Gewerbeschwerpunktes handle. Es sei zu befürchten, dass der Lkw-Verkehr auf der Landesstraße L 1113 am westlichen Rand von Freiberg-Geisingen „erheblich steigt“. Im Zusammenhang mit den Lkw-Durchfahrtsverboten, wie in Ingersheim, sei von „massiven Beeinträchtigungen“ auszugehen. Ein Verkehrsgutachten, das sich nur auf ein Teilstück des Gewerbegebiets beziehe, sei nicht akzeptabel.

In der Antwort auf diese Einwände verweist das federführende Stadtentwicklungsamt von Bietigheim-Bissingen, die mögliche Vollaufsiedlung sei nicht Thema des Bebauungsplanes Gröniger Weg West.

Eine seitens Freiberg vorgeschlagene Zusammenarbeit für eine gemeinsame Lösung nehme man „zur Kenntnis“. Zudem sei nachgewiesen, dass die Verkehrs-Mehrbelastung gering und die Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte auch weiterhin gewährleistet sei.

Bürgermeister Godel bezeichnet die Kritik aus Freiberg unterdessen als ein „unfreundliches Verhalten“ des Nachbarn. Im umgekehrten Fall würde Ingersheim so nicht reagieren, obwohl der Ziel- und Quellverkehr aus und in Richtung Freiberg auf der L 1113 nicht geringer sei.

Vom Landratsamt kommt der Hinweis, dass die Überbauung zu einer Minderung der örtlichen Grundwasserneubildung führe. Deshalb wird im Bebauungsplan eine extensive Dachbegrünung festgesetzt, überschüssiges Niederschlagswasser kann über einen Regenwasserkanal abgeleitet werden.

Im Plangebiet selbst befindet sich ein Rohstoffvorkommen von Lösslehm. Bei Baumaßnahmen anfallender Lehm soll dann auf seine Eignung als Ziegeleirohstoff geprüft und entsprechend genutzt werden. Als Abnehmer kommt das Ziegelwerk Schmid in Bönnigheim in Frage.

Ausgleich: Ein Waldrefugium

Als Ausgleichsmaßnahmen für die Bebauung gibt es in Kleiningersheim einen Oberbodenauftrag auf einer Fläche von 9990 Quadratmetern. Ebenfalls auf der Gemarkung Kleiningersheim wird in Verbindung mit dem Alt- und Totholzkonzept auf 20 399 Quadratmetern ein Waldrefugium ausgewiesen und in Großingersheim 30 Quadratmeter Trockenmauern saniert.

Mit der Ausweisung der Fläche in westlicher Richtung ist im Gröninger Weg noch nicht Schluss. So will Volker Godel die nächsten zwei Hektar in südlicher Richtung „schnell entwickeln“. Die Planungen sollen noch in diesem Jahr, das Bebauungsplanverfahren dann im nächsten Jahr auf den Weg gebracht werden.

Die weitere Fläche im Gewerbegebiet soll den produzierenden und dienstleistenden Gewerbe vorbehalten bleiben. Einzelhandelsbetriebe mit „nicht zentrenrelevanten Sortimenten“, wie etwa Möbel, Baustoffe, Kfz oder Pflanzen, sind als Ausnahmen zulässig.  Einzelhandelsgroßprojekte sind durch die geplante Festsetzung als Gewerbegebiet ausgeschlossen.