Mundelsheim Baugebiet eine Runde weiter

Eine Luftaufnahmen von Mundelsheim. Oben rechst ist das Betonwerk Röser zu erkennen. Gegenüber zieht sich die Bebauung den Hang hinauf. Die rote Markierung ist die Fläche des neuen Baugebietes 
Seelhofen IV.
Eine Luftaufnahmen von Mundelsheim. Oben rechst ist das Betonwerk Röser zu erkennen. Gegenüber zieht sich die Bebauung den Hang hinauf. Die rote Markierung ist die Fläche des neuen Baugebietes Seelhofen IV. © Foto: Werner Kuhnle
Mundelsheim / Roland Willeke 13.10.2018

Das war eine lange Debatte, bis der Mundelsheimer Gemeinderat am Donnerstag nach mehr als zwei Stunden den vorgelegten Entwürfen für das neue Baugebiet Seelhofen IV zustimmte. Es schließt sich an das bestehende Baugebiet Seelhofen III an und erfüllt damit die Bedingungen des neu ins Baugesetzbuch eingefügten Paragraphen 13b.

Dieser sieht für einen begrenzten Zeitraum vor, dass Außenbereichsflächen in das beschleunigte Verfahren zur Ausweisung von Bauland einbezogen werden können, sofern sie weniger als 10 Hektar umfassen und sich direkt an „im Zusammenhang erstellte Ortsteile“ anschließen. Entsprechende Satzungsbeschlüsse müssen bis zum Jahresende 2021 gefasst sein.

In Mundelsheim sieht man das als Chance, relativ unproblematisch ein neues Baugebiet entwickeln zu können, nachdem in den letzten 15 Jahren kein neues Bauland mehr ausgewiesen wurde. Nicht alle sehen indes das Heil der Gemeinde in der Ausweisung eines Baugebiets Seelhofen IV.

Die jetzt vorgelegten Pläne der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH (KE) sehen auf einer Fläche von 2,4 Hektar rund 40 Bauplätze vor. Das Gelände wird im Westen und Süden vom Hartweg begrenzt, im Osten und Norden schließen sich landwirtschaftlich genutzte Flächen an.

Reihenhäuser nicht erlaubt

Die rund 40 neuen Bauplätze sollen durch eine Ringstraße mit einer Durchfahrtsbreite von 5,50 Metern erschlossen werden. Die auf der Außenseite des Rings liegenden Grundstücke sind für Einzelhäuser und das eine oder andere Doppelhaus vorgesehen, die im Innern des Rings liegenden Plätze sollen Doppelhäuser aufnehmen. Geplant ist eine Bebauung mit zwei Vollgeschossen. Die Gebäude - wahlweise mit Sattel-, Pult oder Flachdächern - sollen maximal 12 Meter breit und 12 Meter lang sein. Doppelhäuser können bis 16 Meter lang sein. Reihenhäuser sind nicht erlaubt. Der Bau von Einliegerwohnungen soll möglich sein, erläuterte KE-Projektleiterin Margarethe Stahl vor dem Gemeinderat.

Erschlossen wird das Gebiet vom Süden her über den Hartweg. Eine ursprünglich geplante so genannte Notausfahrt im Westen wurde auf Grund von Einwendungen der Anwohner nach Norden verlegt. Stattdessen soll es auf Vorschlag von Gemeinderätin Regine Zimmermann im Westen eine Fußgängerverbindung zur bestehenden Bebauung in Gestalt einer Treppe geben. Der an das Wohngebiet im Osten angrenzende Feldweg soll nach Süden verlängert werden. Durch beide Maßnahmen könnten sich die Grundstückszuschnitte und damit die Zahl der möglichen Bauplätze noch ändern, erklärte Margarethe Stahl.

 „Wir reden von Wohnbebauung. Das Ausmosten von Grundstücken soll verhindert werden“, unterstrich Bürgermeister Haist ein wesentliches Planungsziel. Das war auch Gemeinderat Dirk Breisig sehr wichtig. Mehrfach erkundigte er sich, ob man mit der vorgelegten Planung auf der sicheren Seite liege; denn das Wichtigste sei: „Keine Mehrfamilienhäuser.“ Forderungen aus dem Gemeinderat nach einem Gemeinschaftsplatz – gegebenenfalls mit Tisch zum Kaffeetrinken – oder nach einem Entwässerungsgraben an der Westseite anstelle der für jeden Bauplatz vorgeschriebenen Zisternen, fanden keine Mehrheit oder wurden aus technischen Gründen abgelehnt.

Graben am liebsten überdeckt

Gemeinderat Dr. Michael Wolf hätte den von ihm vorgeschlagenen Graben am liebsten mit einer Aussichtsplattform überdeckt. Das aber hätte den dort lebenden Zauneidechsen wenig gefallen; die Tiere mögen keinen Schatten, wie Bärbel Schlosser bemerkte. Sie ist Inhaberin der Heidelberger Gesellschaft für Landschaftsökologie und Umweltplanung Bioplan, die die artenschutzrechtliche Untersuchung im Gebiet Seelhofen IV durchgeführt hat. Dabei wurde ermittelt, dass im Süden und Westen des Plangebiets hochgerechnet 120 Zauneidechsen leben. Etwa 40 von ihnen müssen umziehen; die meisten Eidechsen können aber bleiben, weil das Baugebiet etwas vom Lebensraum der Tiere abgerückt wurde. Den Ausgleich für die im künftigen Baugebiet festgestellten Biotope sieht Bärbel Schlosser unter anderem in der Mundelsheimer Christbaumkultur in der Nähe der Autobahn.

Der Gemeinderat billigte die Pläne mit neun Ja-Stimmen bei einer Enthaltung. Der nächste Verfahrensschritt sind eine nochmalige Offenlegung und der sich daran anschließende Satzungsbeschluss. Er wird voraussichtlich im Januar gefasst werden können. Bis Ende 2019 soll das Areal erschlossen sein, so dass ab 2020 die ersten Häuser gebaut werden können.

Keine Mehrheit, um Seelhofen IV zu verhindern

Eine Bürgerinitiative, die die Weiterentwicklung des Orts lieber im Bereich Rozenberg, bei der Schule, gesehen hätte, erzwang im Sommer einen Bürgerentscheid, der aber nicht die erforderliche Mehrheit brachte, um Seelhofen IV zu kippen (die BZ berichtete). Für den scheidenden Bürgermeister Holger Haist „eine sehr schöne Rückendeckung“ für den Gemeinderat, der im November 2017 das Bebauungsplanverfahren Seelhofen IV gestartet hatte. will

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