Bietigheim-Bissingen Barrierefreies Bietigheim-Bissingen im Fokus

Rollstuhlfahrer am Samstag auf dem Weg zum Bu?rgergespra?ch mit OB Kessing über ein barrierefreies Bietigheim-Bissingen.
Rollstuhlfahrer am Samstag auf dem Weg zum Bu?rgergespra?ch mit OB Kessing über ein barrierefreies Bietigheim-Bissingen. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / MICHAELA GLEMSER 11.07.2016
Bis Bietigheim-Bissingen behindertengerecht ist, gibt es einiges zu tun. Dies ist das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Behinderten und Stadtverwaltung.

Rund 50 behinderte Menschen und ihre Begleitpersonen hatten am Samstag die Einladung zum gemeinsamen Mittagessen von Oberbürgermeister Jürgen Kessing angenommen. Im Anschluss tauschten sie sich mit Oberbürgermeister Jürgen Kessing und Mitgliedern der Stadtverwaltung darüber aus, wie behindertengerecht die Stadt ist.

 Vor allem die Umbauarbeiten am Bahnhof Bietigheim standen im Zentrum des Interesses. Mehrere Menschen mit einem Handicap machten sich beispielsweise für Behinderten-WC-Anlagen im neuen Bahnhofsgebäude stark, deren Nutzung jederzeit möglich sein solle. Rathauschef Kessing versprach, bei einem  Gespräch mit einem Vertreter der Deutschen Bahn AG auf dieses Anliegen noch einmal gezielt hinweisen zu wollen.

Auch das neue mobile Fahrgastsystem vor dem Bahnhof war Thema. Blinde Besucher erkundigten sich, ob diese Informationsmöglichkeit auch mit einer Sprachansage ausgestattet werden könne. Danach will sich der Leiter des Hoch- und Tiefbauamts in Bietigheim-Bissingen, Claus-Dieter Jaisle, erkundigen. Er verwies darauf, dass in diesem und im kommenden Jahr sieben Ampelanlagen in der Stadt mit einer entsprechenden Akustik zur Blindensignalisierung ausgestattet werden sollen. Dies verursacht Kosten von rund 100.000 Euro. Auch der von sehbehinderten Bürgern monierte falschen Anbringung der Blindenleitlinien vor dem Einkaufszentrum am Kronenplatz will der Bietigheimer Bauamtsleiter auf den Grund gehen. Für Blindenleitlinien am S-Bahnsteig am örtlichen Bahnhof will sich Oberbürgermeister Kessing im Gespräch mit der Bahn stark machen.

Gehbehinderte Menschen in der Stadt haben immer mehr mit fehlenden barrierefreien Zugängen in Geschäften und anderen öffentlichen Gebäuden zu kämpfen. Zur Sprache kamen nicht nur einige Geschäfte in der Bietigheimer Innenstadt, sondern auch ein Café im Herzen Bissingens sowie das Ärztehaus neben dem Krankenhaus. Das Café in Bissingen soll nach einem Umbau bald barrrierefrei zugänglich sein, machte Jaisle deutlich. OB Kessing erinnerte daran, dass topografisch in der Altstadt einige Geschäfte einen barrierefreien Zugang oftmals überhaupt nicht umsetzen könnten, um die Gefällstrecke nicht zu steil werden zu lassen.

Aber auch Lob gab es für die Verantwortlichen der Stadtverwaltung für die prompte Umsetzung der Anregungen aus den Behindertengesprächen der vergangenen Jahre. So wurden beispielsweise die Bushaltestellen in den Mühlwiesen, im Ellental in Richtung Japangarten sowie am Berufsschulzentrum barrierefrei gestaltet, und mit einem Blindenleitsystem ausgestattet. Weitere Haltestellen werden im Zuge von Bauarbeiten zur Erneuerung behindertengerecht umgebaut. Dies ist beispielsweise schon an der Haltestelle im Gröninger Weg erfolgt, die von vielen Bewohnern des Stadtteils Buch genutzt wird.

Gehbehinderte Bürger aus dem Buch bemängelten die fehlende Hilfsbereitschaft bei einigen Busfahrern in der Stadt. Aufgrund fehlender Busverbindungen aus dem Stadtteil Buch in die Innenstadt am Wochenende seien behinderte Menschen  aus dieser Ecke zudem in ihrer Freizeitgestaltung sehr eingeschränkt.

Jaisle will gemeinsam mit Oberbürgermeister Kessing künftig mit einem Vertreter der Behindertenorganisationen in der Stadt wieder eine jährliche Rundfahrt durch Bietigheim-Bissingen unternehmen, um mögliche Gefahrenstellen für gehandicapte Menschen in Augenschein nehmen zu können.

Zum Abschluss des diesjährigen Gesprächs stellte sich im Enzpavillon auch der neue ehrenamtliche Behindertenbeauftragte des Landkreises Ludwigsburg, Dr. Eckart Bohn, vor. Sein erstes Projekt, alle Wahllokale mit barrierefreien Zugängen zu versehen, wird derzeit in Bietigheim-Bissingen schon intensiv geprüft. Bei einigen Wahllokalen in der Stadt fehlen für einen behindertengerechten Zugang allerdings die baulichen Voraussetzungen.

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