Wer in Freiberg morgens in die Bahn steigt, der hat sich längst an den Anblick gewöhnt: Absperrgitter und Baumaterialien prägen das Bild. Seit fast zwei Jahren wird gebaut, zwar hat sich seitdem einiges getan, der Bahnhofsvorplatz an der Nordseite hat ein neues Gesicht bekommen, vom alten Grau ist nichts mehr übrig. Auch die Fahrbahn wurde verengt, damit Autos nicht mehr so rasen, sie schleichen nun durch die Bahnhofsstraße.

Es läuft nicht alles glatt

Schleichend geht es auch mit der Sanierung voran. An manchen Stellen wird sogar bereits Fertiges wieder aufgerissen. „Das war so geplant“, versichert der erste Beigeordnete, Stefan Kegreiß. Die Stadt wollte auch während der Bauphase sicherstellen, dass der Bahnhof einigermaßen einladend aussehe. Deshalb wurden Bodenplatten verlegt, obwohl klar war, dass ein Teil davon nun wieder herausgerissen werden muss, um Fundamente für eine Überdachung zu gießen. An der gleichen Stelle entstehen derzeit auch ein Kiosk, und eine Toilette. Aber: Es sei trotzdem nicht alles glatt gelaufen.

Der Treppenabgang sei ein Problem gewesen, ursprünglich hatte die Stadt mit einem neuen Aufzug an der Südseite des Bahnhofs geliebäugelt. Der war aber zu teuer, die Bahn wollte sich nicht beteiligen. Also wurde ein Treppenlift installiert, der seither schon mehrmals defekt war. Dass die Bushaltestelle wegen der Bauarbeiten öfter verlegt wurde, sei auch nicht optimal gewesen, sagt Kegreiß. Eine Weile mussten die Leute auf der Südseite in den Bus einsteigen, weil die Bahnhofsstraße komplett gesperrt war, als sie wieder offen war, drängten sich die Wartenden auf einem schmalen Gehweg.

Beim Bau des Kiosks sei man auf den künftigen Pächter angewiesen gewesen, sagt ein Stadtrat. Deshalb habe man sich die Entscheidung darüber, wie das kleine Lädchen aussehen soll, nicht leicht gemacht. „Wir haben viel und lange geplant“, sagt Kegreiß zum neuen Bahnhof. Seit 2007 haben sich Verwaltung und Gemeinderat immer wieder damit beschäftigt. Natürlich wäre es auch der Stadt lieber, wenn es ein bisschen flotter vorangehen würde, „aber wir können nur so bauen, wie wir die Fördermittel bewilligt bekommen“, sagt Kegreiß.

Fünf Millionen Euro

Am Ende wird die Neugestaltung des Bahnhofs wohl um die fünf Millionen Euro verschlingen, 3,25 Millionen sind Fördermittel. Seit 2011 wurde die Summe fünfmal aufgestockt. Das sei aber nicht unüblich, heißt es aus dem Regierungspräsidium (RP) in Stuttgart. „Ich glaube, man hatte eine Zeit lang Angst, dass man trotzdem nicht rechtzeitig fertig wird und die Gelder dann nicht mehr zur Verfügung stehen“, sagt ein Gemeinderat. Diese Sorge ist die Stadt aber seit der letzten Verlängerung los – die Gelder können jetzt bis zum 31. April 2020 abgerufen werden.

Im Normalfall bewilligt das Regierungspräsidium Fördermittel für städtebauliche Projekte für einen Zeitraum von acht Jahren. Im Freiberger Fall wurde wohl mehr als ein Auge zugedrückt: Der Zeitraum wurde auf 13 Jahre gestreckt. Ein Gemeinderat unkt, dass es damit zusammenhängen könnte, dass Bauprojekte auch anderswo im Kreis nicht vorangingen und deshalb die Fristen pauschal verlängert wurden. Dem widerspricht das RP. „Eine Verlängerung ist nur in begründeten Fällen möglich. Dabei erfolgt stets eine Betrachtung des Einzelfalls“, heißt es in einer Stellungnahme.

Viele Firmen ausgelastet

Viele Handwerksfirmen sind ausgelastet. „Es gibt überall einen Mangel, egal ob im privaten oder öffentlichen Bereich“, sagt Stefan Kegreiß. Es gehe „nicht vorwärts“, so eine Stadträtin.

Einer ihrer Kollegen spricht von einer „unglücklichen Situation – für Bürger und Verwaltung“. So kritisch sehen es aber längst nicht alle Freiberger Stadträte. Einige finden, es laufe „relativ rund“. Die Stadt indes hofft, dass die Arbeiten im Frühjahr abgeschlossen sind.

Zumindest für diesen Teil des Bahnhofs. Aber gleich nebenan beim alten Güterschuppen droht eine neue Baustelle. Er soll einem Hotel weichen. Der Investor will demnächst mit dem Umbau beginnen.