Kreis Ludwigsburg AVL: Der eingelagerte Müll ist nicht radioaktiv

Ein Verdichter macht seine Arbeit auf der Deponie Burghof in Horrheim indem er den Müllberg festgestampft und befestigt.
Ein Verdichter macht seine Arbeit auf der Deponie Burghof in Horrheim indem er den Müllberg festgestampft und befestigt. © Foto: Helmut Pangerl
Kreis Ludwigsburg / BZ 26.08.2015
Bereits seit 2008 sollen Deponien im Kreis leicht radioaktiven Müll annehmen. Die Grünen-Fraktion des Kreistags kritisieren die AVL, weil einige Räte nicht informiert worden seien. Jetzt äußert sich die AVL.

Kürzlich wurde bekannt, dass auf den Kreisdeponien in Horrheim und Schwieberdingen schon seit 2008 schwach radioaktiv belastetes Material, sogenannter "freigemessener" Bauschutt, angenommen wurde. Deshalb hat die Grünen-Fraktion eine Aufklärung von der AVL verlangt. In einer Mitteilung der AVL Ludwigsburg heißt es nun, dass die Abfälle des Forschungszentrums Karlsruhe und der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe nicht radioaktiv seien. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass das Umweltministerium Baden-Württemberg (UM) 2006 vier Deponiebetreiber, darunter auch die AVL, angefragt habe, ob sie kleinere Mengen Bauschutt und Bodensaushub aus dem Forschungszentrum Karlsruhe (FZ) übernehmen können, weil der Kreis Karlsruhe über keine entsprechenden Deponiekapazitäten verfüge.

Seit der Genehmigung durch das UM Ende Februar 2007 wurden geringe Mengen an Betonbruch, Bauschutt, Straßenaufbruch und Bodenaushub vom Forschungszentrum und seit dem Bescheid des UM vom April 2009 auch aus der Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe (WAK) auf den Deponien "Burghof" in Horrheim und "Am Froschgraben" in Schwieberdingen angenommen, teilt die AVL mit. Für beide Deponien seien zwischen 2007 und 2015 weniger als 50 Tonnen pro Jahr eingelagert worden. Das UM habe als Atomaufsichtsbehörde die Materialien jeweils vorab geprüft und die Freigabe als unter Strahlenschutzaspekten unbedenklich und damit als regulärer Bauschutt erteilt, ist der Mitteilung weiter zu entnehmen. Die AVL habe für das Material aus FZ und WAK die üblichen Listenpreise für Bauschutt erhoben. Daraus hätten sich zwischen 2007 und 2015 insgesamt Einnahmen von rund 6800 Euro ergeben. Da es sich um normalen Bauschutt handle, sahen Geschäftsführung und Technische Leitung der AVL keine Veranlassung für besondere Sicherheitsmaßnahmen oder die Notwendigkeit, die Standortgemeinden, den Landrat oder die zuständigen Gremien mit einzubinden. Die Anlieferungen aus Karlsruhe wurden von der Geschäftsleitung der AVL im März dieses Jahres beendet. Grund sei die Erarbeitung einer Handlungsanweisung für die freigemessenen Abfälle, die 2017 aus dem Rückbau des Kraftwerks Neckarwestheim angeliefert werden sollen, teilt die AVL mit. Bei den Verhandlungen hierzu waren Landrat Dr. Rainer Haas und die AVL an der Ausarbeitung eines strengeren Kontrollverfahrens beteiligt, das der gestiegenen Sensibilität im Zuge des Rückbaus der Kernkraftwerke Rechnung trage. Weiter heißt es, dass die Einlagerung des Bauschutts und des Bodenaushubs auf klarer rechtlicher Grundlage und ohne Eingehung von Umweltrisiken erfolgt. Die eingelagerten Stoffe seien im Sinne der Strahlenschutzverordnung nicht radioaktiv und auch nicht "schwach radioaktiv".

Info
Freigemessene Abfälle sind Abfälle, deren eigene Strahlung unbedenklich ist und auf Deponien abgelagert werden dürfen, wenn sie den Grenzwert von zehn Mikro-Sievert pro Jahr nicht überschreiten.