Mit Milliardenbeträgen setzen deutsche Autobauer jetzt unisono auf Elektromobilität. Dabei galt Autogas vor zehn Jahren noch als echte Antriebsalternative.

Kfz-Meister Matthias Breier verkauft in seiner OMV-Tankstelle in Bietigheim-Bissingen neben seiner Werkstatt in der Stuttgarter Straße auch Autogas. Denn er hat lange Zeit daran geglaubt, dass dies eine echte Alternative unter den Antriebsmöglichkeiten für Pkw sein könnte: Weil Autogas  schadstoffarm und weniger Lärm verursacht und dazu noch billiger ist als herkömmliches Benzin. Allerdings nur auf langen Strecken, denn für Hausfrauen zum Einkaufen sei dies nix, sagt Breier, „da kommt der Motor nicht mal auf die nötige Betriebstemperatur zum Umschalten von Benzin auf das Autogas.“

Aufpreis für Neuwagen

Denn Autogas ist ein unter Druck verflüssigtes Gemisch aus Propan und Butan, das bei der Erdöl- oder Erdgasförderung oder auch in den Raffinerien anfällt und wird LPG (Liquid Petroleum Gas) genannt. Nicht zu verwechseln mit CNG (Compressed Natural Gas), also Erdgas (Methan), das eher weniger verkauft wird. Allerdings muss man für Neuwagen einen Aufpreis bezahlen und auch die Nachrüstung sei nicht ganz billig, warnen Kenner. „Erst rechnen, dann kaufen“ sagen sie.

Denn auf alle Fälle rechnet sich zumindest auf langen Strecken der Aufwand. Denn auch Breier verkauft in seiner Tankstelle derzeit den Liter Gas für 61,9 Cent, also etwa die Hälfte des Preises für einen Liter Benzin. Und der Bundestag hat bereits Mitte 2017 nach langer Debatte die Frist für mildere Steuersätze, die eigentlich nur bis zum Jahresende 2018 enden sollten, äußerst moderat weiter laufen lassen.

Die Steuervergünstigungen werden jetzt bis zum 1. Januar 2023 Zug um Zug angehoben: Von 9,74 Cent (2018) auf 22,09 Cent. Also kann sich jeder Nutzer ausrechnen, wann sich die Mehrpreise bei der Anschaffung eines Serienmodells (2000 bis 3000 Euro) oder der Nachrüstung eines bereits gekauften Wagens (1800 bis 3500 Euro) für ihn lohnt. Zumal durch die sauberere Verbrennung im Gasbetrieb der Motor auch noch länger  hält.

23 Tankstellen im Kreis

Dennoch halten sich die Zulassungen von Autos mit Gasantrieb im Kreis Ludwigsburg in Grenzen: Lediglich 2398 Fahrzeuge sind im Landratsamt gemeldet bei insgesamt 432 575 amtlich registrierten Pkw und Nutzfahrzeugen. Und das, obwohl es deutschlandweit inzwischen etwa 900 Tankstellen gibt, die Autogas oder Erdgas verkaufen. Im Kreis Ludwigsburg sind es 23 Tankstellen zwischen Affalterbach und Vaihingen.

Matthias Breier verkauft natürlich auch noch Autogas, doch dem Hype für diese Autos ist Nüchternheit gewichen. Breier hält  heute den Zug aller Autohersteller für die E-Mobilität für verfehlt. „Denn wo soll denn der Strom für die Autos herkommen?“ fragt er.

Und seine Vorstellungen gehen so weit, dass er im Geiste Autofahrer sieht, die nach der Arbeit alle zugleich in der Garage die Batterien aufladen wollen – und ein Blackout droht. Für ihn ist auf alle Fälle Wasserstoff die ideale Antriebsquelle, weil der leicht zu beschaffen und  wirklich schadstoffarm ist, wenn er verbrannt wird.