Veranstaltungen abgesagt, Reisen und Buchungen für Hotels, Restaurants und Catering-Unternehmen storniert, Neubuchungen bleiben aus: Auch im Landkreis Ludwigsburg ist die Corona-Krise in der Branche deutlich spürbar. Laut einer aktuellen Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Baden-Württemberg, an der sich 1889 gastgewerbliche Betriebe des Landes beteiligt haben, meldeten drei Viertel der Unternehmen deutliche Umsatzrückgänge.

„Die Auswirkungen im Landkreis Ludwigsburg sind mindestens so gravierend wie im Landesdurchschnitt“, so Daniel Ohl, Pressesprecher der DEHOGA Baden-Württemberg. „Wir erleben im Hotel- und Gaststättengewerbe gerade die größte Krise überhaupt.“ Daniel Ohl rechnet mit weiteren Einbrüchen im hohen zweistelligen Bereich. Gerade im Landkreis Ludwigsburg mit seinen Industrieunternehmen gebe es ein starkes Firmengeschäft im Hotel- und Gaststättengewerbe. Mit Absagen von Messen, Tagungen und Firmenveranstaltungen breche die Branche massiv ein. Der Faktor Zeit spiele jetzt eine wichtige Rolle, so Ohl: „Wenn wir jetzt noch lange auf eine Nothilfe durch die Politik warten müssen, ist es für viele Betriebe schon zu spät.“

Ein absolutes Muss

Ein politisches Nothilfeprogramm durch schnell wirkende Liquiditätshilfen für betroffene Unternehmen, die Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent und eine auf die Branche angepasste Kurzarbeiterregelung seien jetzt absolut notwendig. „Uns brechen sonst Strukturen weg, die wir nicht wieder hinbekommen werden“, so Daniel Ohl. „Wenn ein kleiner Betrieb erst einmal zugemacht hat, macht er auch nicht wieder auf.“

In Stuttgart gebe es bereits erste Entlassungen, vor allem von Minijobbern, denn die Betriebe können jetzt erst einmal nur am schnellsten an Personalkosten sparen. „Das ist bitter“, meint Dieter Ohl. Die Branche habe gerade in den letzten Jahren einen Aufschwung erfahren und nach qualifizierten Kräften gesucht, in Umbau und Personal investiert.

Im Landkreis Ludwigsburg sind zirka 4400 sozialversicherte Arbeitnehmer und zirka 5100 geringfügige Beschäftigte im Hotel- und Gaststättengewerbe tätig. „Die werden jetzt kurzfristig nicht mehr benötigt“, so Daniel Ohl. Dazu kommen noch die vielen Familienbetriebe und Zulieferer. „Zirka 12 000 Menschen sind im Kreis Ludwigsburg in der Branche tätig.“ Da auch Neubuchungen ausbleiben, mache sich eine große Unsicherheit breit, wie es weitergehen solle. „Uns hat die Corona-Krise mit einer Heftigkeit und Plötzlichkeit innerhalb weniger Tage getroffen, das ist für viele Betriebe nicht mehr ausgleichbar.“

Schnelle, unkomplizierte Hilfe der Politik sei deshalb dringend nötig. Hilfen zur Bewältigung der Krise, die vornehmlich auf die in der Industrie tätigen Großfirmen zugeschnitten sind, würden im Gastgewerbe nur bedingt greifen. „Es gibt für das Hotel- und Gaststättengewerbe fast keine Kompensationsmöglichkeiten“, weiß Daniel Ohl. „Uns trifft es voll, Hotels, Gastbetriebe und Caterer. Bereits budgetierte Umsätze lösen sich praktisch im Nichts auf, das ist die Dramatik.“

Auch beim 3B-Tourismusverband in Bietigheim rechnet man mit rückläufigen Zahlen. Pressesprecherin Anette Hochmuth weiß, dass es bereits Privatvermieter gibt, die vorerst für ein halbes Jahr schließen, weil die Gäste ausbleiben. „Bei unseren Stadtführungen merken wir momentan noch keine Auswirkungen“, aber auch in Bietigheim-Bissingen werden bereits geplante Veranstaltungen abgesagt. „Wir hoffen alle, dass sich die Lage bis zum Sommer beruhigt und alles in einem erträglichen Maß bleibt“, so Anette Hochmuth.

Die wichtigsten Ergebnisse der DEHOGA-Umfrage:


74,6 Prozent der Umfrageteilnehmer aus Baden-Württemberg verzeichnen seit Beginn der Corona-Krise im Februar Umsatzeinbußen. Der Durchschnitt liegt bei 28 Prozent.

88,9 Prozent verzeichnen Rückgänge bei Neubuchungen.

39 Prozent beträgt der Durchschnitt der gemeldeten Buchungsrückgänge unter den Teilnehmern. nowa