Osmanen-Prozess Aussagen der Zeugen bleiben vage

Ludwigsburg / Bernd Winckler 15.09.2018

Etwa 20 bis 25 vermummte Männer stürmten am Abend des 21. November 2017 in der Karlsstraße in Ludwigsburg auf einen 26-jährigen Mann zu, von dem sie offensichtlich wussten, dass er zu ihren Feinden, nämlich der Bahoz-Gruppe, gehört. Es setzte Schläge mit dem Holzprügel, Tritte und Messerstiche. Das Opfer landete auf der Intensivstation des Ludwigsburger Klinikums.

 Am 26. Verhandlungstag gegen die acht Mitglieder der Osmanen Germania BC, unter ihnen Welt-Präsident Mehmet Bagci und sein Stellvertreter Levent Uzundal, im Stammheimer Mehrzweck-Gerichtssaal, standen sich die Beschuldigten und dieser Zeuge, der unter besonderem Schutz steht, nach eineinhalb Jahren wieder gegenüber. Die Ludwigsburger Prügel-Attacke gegen den Zeugen rangiert in der Anklageliste gegen die acht Beschuldigten auf der ersten Seite: Man habe sich damals bereits in Stuttgart getroffen und beschlossen, brutal gegen Bahoz-Mitglieder vorzugehen, so die Anklage. Der Befehl vom Osmanen-Präsidium habe gelautet: „Der darf nicht wieder aufstehen!“

Zahllose Schläge

Mehrere Freundinnen des Opfers haben die brutale Attacke miterlebt und berichteten vor Gericht, dass es erst einen Schlag auf den Kopf des 26-Jährigen setzte, danach habe die Gruppe wahllos, „mit großem Schwung und immer wieder  ohne Pause“ den Mann malträtiert. Er sei übel zugerichtet gewesen, sagte eine Joggerin, die an diesem Novembertag zufällig in der Karlstraße unterwegs war. Das Opfer selbst weiß nicht mehr viel.

Wer von den Angeklagten hat die Strafaktion befohlen? Die Täterbeschreibungen kommen von den Zeugen nur vage: Einer habe eine Stoffmaske getragen, die anderen Sturmhauben. Mustafa Kilinc, der Mann, der bis Ende letzten Jahres das Waffendepot der Osmanen Germania BC in Stuttgart und den Filialen in Heilbronn und Ludwigsburg verwaltete, soll den Angriff befohlen haben. Oder war es Mehmet Bagci? Kilinc hatte sich bereit erklärt, als Entlastungszeuge zum Prozess einzureisen und es sich dann  doch anders überlegt (die BZ berichtete). Auf welche Art nun eine Aussage des geflüchteten Kilinc erfolgen soll, ist unklar. Möglich wäre eine Video-Vernehmung, gegen die aber das türkische Ministerium ist.

Nach der gestrigen Zeugenvernehmung wurde der Prozess auf den 18. September vertagt.

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