Immer noch sind viele Ausbildungsstellen im Landkreis nicht besetzt. Die Agentur für Arbeit berät nicht nur Arbeitslose, sondern auch Schulabgänger.

Frau Festag, Sie sind die Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Ludwigsburg. Wie läuft eine Berufsberatung für Schulabgänger ab, die eine Ausbildungsstelle suchen?

Birgit Festag: Zunächst wird der aktuelle Stand des Jugendlichen erfasst und es werden seine Stärken und gegebenenfalls Schwächen erarbeitet. Dann steigen die Berater anhand der Stärken oder Interessen in die berufliche Orientierung ein. Unterstützend hierbei ist das Berufsinformationszentrum (BiZ), ein Eignungstest über unseren berufspsychologischen Dienst, verschiedene Praktika und Infoveranstaltungen des BiZ. Wurde für den Jugendlichen ein Beruf zuzüglich Alternativen gefunden, schlagen der Arbeitgeber-Service oder die Berufsberatung entsprechende Ausbildungsstellen vor.

Welche Jugendlichen kommen zur Beratung?

Zu uns kommen die unterschiedlichsten Jugendlichen: Die einen wissen schon ganz genau, was sie suchen und möchten nur noch Vorschläge für Ausbildungsstellen. Dann gibt es die, die unsere komplette Unterstützung von Beginn der Berufsorientierung an benötigen. Oder Studienabbrecher, die schnelle Hilfe suchen.

Was ist die größte Herausforderung für einen Berater im Umgang mit Jugendlichen?

Vor eine große Herausforderung stellen uns Jugendliche mit unrealistischen Berufswünschen – sei es, weil die Noten oder der Schulabschluss nicht zu den Anforderungen an die Ausbildung passen oder es keine Ausbildungsstellen für den Wunschberuf gibt. Häufig fehlen auch realistische Informationen zu den angestrebten Ausbildungsberufen – hier empfehlen wir immer, einen Blick auf unsere Homepage zu werfen, das BiZ zu besuchen oder ein Praktikum im Wunschberuf zu absolvieren.

Wie schaut es mit den Eltern aus?

Hin und wieder stellen uns auch Eltern vor große Herausforderungen – nämlich dann, wenn sie für ihr Kind einen weiteren Schulbesuch mit dem Ziel, einen höherwertigen Abschluss zu erlangen, einer Ausbildung vorziehen. Das mag dann ideal sein, wenn das Kind entsprechende Motivation und Noten hat. Doch manchmal ist der Weg über eine Ausbildung der bessere. Denn nach der Ausbildung ist noch nicht Schluss mit der Karriere. In Deutschland ist nicht nur das Ausbildungssystem richtig gut, sondern auch das Angebot an Fort- und Weiterbildungen. Wer sich fort- und weiterbildet, bleibt auf dem Laufenden und kann auch (ohne Studium) einen Karriereweg einschlagen, der nach oben offen ist.

Haben die Jugendlichen konkrete Vorstellungen?

Tatsächlich gibt es Jugendliche, die gut informiert mit realistischen Wünschen zur Berufsberatung kommen. Es gibt aber auch Jugendliche, die unrealistische oder aktuell noch nicht umsetzbare Wünsche und Zielen haben. Hier unterstützen wir mit unserem kompletten Portfolio: persönliche Gespräche, Berufswahl- und Eignungstest, Infoveranstaltungen und Workshops im BiZ (www.arbeitsagentur.de/bildung/was-passt-zu-mir).

Hat sich die Arbeit als Berater in den vergangenen Jahren verändert?

Nach wie vor beraten die Berufsberater alle Jugendlichen individuell, neutral und unabhängig. Unser Fokus richtet sich auf die Stärken, Schwächen und Wünsche der Ratsuchenden. Allerdings ist die Beratung an sich um einiges umfangreicher geworben, da es immer mehr weiterführende schulische Wege, Ausbildungsberufe und Studiengänge gibt als zum Beispiel noch vor zehn Jahren. Zudem gibt es zahlreiche Alternativen wie die unterschiedlichen Freiwilligendienste oder auch das berufspraktische Jahr. Wir müssen ein großes Spektrum an Fachwissen abdecken, um die Jugendlichen in der Beratung in ihrem Sinne bedienen zu können.

Warum bleiben immer noch Lehrstellen unbesetzt und gleichzeitig Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz?

Die angebotenen Ausbildungsberufe und die Berufswünsche der Jugendlichen sind nicht immer deckungsgleich. Bei beliebten Ausbildungsberufen gibt es häufig Bewerberüberhänge und bei Berufen, die zum Beispiel auf Grund der Arbeitsbedingungen bei Jugendlichen weniger beliebt sind, treten zunehmend Besetzungsprobleme auf.

Wie hoch ist die Vermittlungsquote bei Schulabgängern?

Im aktuellen Berufsberatungsjahr, das immer von Oktober bis Ende September geht, haben sich bisher rund 2600 Jugendliche bei der Berufsberatung gemeldet. Im Gegenzug haben die Unternehmen im selben Zeitraum rund 3120 Ausbildungsplätze gemeldet. Über Erfolgsquoten können wir erst nach Ablauf des Beratungsjahres im Oktober/November berichten.