Kreis Ludwigsburg / Gabriele Szczegulski

Mit fast 50 nochmal den Beruf wechseln: Für Helga Schuler und Martin Burger (beide sind jetzt 51 Jahre alt) war das schon eine Herausforderung. Sie nahmen das Angebot der evangelischen Landeskirche der „Berufsbegleitenden Ausbildung im Pfarrdienst“ (BiP) an. Martin Burger hatte am 31. März seine Ordination zum Pfarrer in Bönnigheim, Helga Schuler wurde am vergangenen Sonntag in Metterzimmern ordiniert.

Ins kalte Wasser

Neu sind sie deswegen keineswegs. Seit 18 Monaten arbeiten sie schon als vollwertige Pfarrer in den beiden Gemeinden. „Wir wurden ins kalte Wasser geworfen“, sagt Martin Burger. Die Gemeindearbeit war ihnen aber auch schon davor bekannt. Denn beide erfüllten alle Voraussetzungen zum BiP. Die Tübingerin Helga Schuler besuchte ein theologisches Seminar in der Schweiz und wurde zur Gemeindediakonin ausgebildet. Sie arbeitete zuletzt in dieser Funktion in Bernhausen auf den Fildern.

Martin Burger stammt aus Sachsenheim-Hohenhaslach, machte zuerst in Bietigheim bei Dürr Dental eine Ausbildung zum Industriekaufmann, bis er dann das Theologische Seminar Johanneum in Wuppertal besuchte und Jugendreferent wurde. Vor seiner Berufung zum Bönnigheimer Pfarrer war er Landesreferent für Jugendpolitik. „Ich habe nie daran gedacht, Pfarrer zu werden, wusste aber, ich möchte nicht bis zur Rente in der Jugendarbeit tätig sein“, sagt er. Genauso wie Helga Schuler wurde er darauf angesprochen, die Pfarrerlaufbahn einzuschlagen. „Als ich darüber nachdachte, spürte ich, das könnte meine Berufung sein“, sagt Burger. Helga Schuler war in ihrer Funktion in Bernhausen schon sehr in die Gemeindearbeit einbezogen, übernahm Aufgaben des Pfarrers. „Da war irgendwie klar, dass könnte meine neue Aufgabe sein“, sagt sie.

Sie mussten in ihren Heimatgemeinden Predigten und Religionsunterricht halten und erst nach einer positiven Begutachtung durch den jeweiligen Dekan durften sie zum 18-wöchigen theologischen Kurs nach Stuttgart-Birkach. Und wurden danach in die Gemeinden Bönnigheim und Metterzimmern geschickt. „Vom ersten Tag an mussten wir alle Aufgaben eines Pfarrers übernehmen – taufen, beerdigen, predigen und die Geschäfte führen“, erklärt Burger. „Ich habe da wirklich von meiner vorigen Gemeindearbeit profitiert“, so Schuler.

Gerüstet für die Gemeinde

„22 Berufsjahre geben jede Menge an Erfahrung mit, da ist man schon gerüstet für das Gemeindeleben“, sagt der Bönnigheimer Pfarrer, dem es vor allem wichtig ist, sich selbst in das Gemeindeleben einzugliedern. Er nimmt an Veranstaltungen teil, gründete eine Taekwondo-Kindergruppe in Hofen.  Er führte neue Gottesdienstformate ein und den „Schwätz auf em Bänkle“ am Sonntagnachmittag, für den dann auch der Gottesdienst entfällt. In ihren Gemeinden seien sie voll anerkannt und gewertschätzt, sagt auch Helga Schuler, die in Metterzimmern erst vor Kurzem eine Frauengruppe gründete.

Sie sprechen aber auch die Kritik an, die die berufsbegleitende Ausbildung immer wieder trifft, weil ihnen das Theologiestudium, wie es üblich für Pfarrer ist, fehlt: „Man sollte anerkennen, was wir in unserem Berufsleben alles gemacht haben“, sagt Burger und Helga Schuler ergänzt: „Die BiPs sind begrenzt, derzeit gibt es in der ganzen Landeskirche sechs“. Sie seien keine Konkurrenz zu den Pfarrern, die Theologie studierten. Sie empfinde ihr Amt als Herausforderung, auch über „den Kirchturm hinaus zu schauen“. Sie, so sagen beide Pfarrer, seien es gewohnt, kooperativ im Team zu arbeiten, das Miteinander zu fördern, das käme ihnen nun in den Gemeinden zugute.

Berufsbegleitende Ausbildung im Pfarrdienst

Die berufsbegleitende Ausbildung im Pfarrdienst ist ein Ausbildungsweg, auf dem bewährte und für den Pfarrdienst besonders geeignete hauptberufliche kirchliche Mitarbeiter für den pfarramtlichen Dienst in der Evangelischen Landeskirche vorbereitet werden.

Voraussetzung für die Berufsbegleitende Ausbildung im Pfarrdienst (BiP) ist eine abgeschlossene theologisch-pädagogische Ausbildung und eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung als Diakon oder Referent im Gemeindedienst. Grundvoraussetzung ist die Empfehlung des Dekans oder des Landespersonalreferenten der Landeskirche. Um als Bewerber in Betracht zu kommen, muss eine Prüfungspredigt und eine Lehrprobe gehalten und eine Anstellungsprüfung abgelegt werden. Danach kommen der 18-monatige  Pfarrdienst in einer Gemeinde und ein begleitendes Seminar.

Die Absolventen werden dann in den „unständigen Pfarrdienst“ versetzt. Eine Festanstellung gibt es erst in einer weiteren Pfarrstelle. Als Gründe für die Schaffung dieses zweiten Weges zum evangelischen Pfarrer nennt Dekan Eberhard Feucht den Pfarrermangel, aber auch, dass theologisch ausgebildeten Menschen „eine weitere Berufsperspektive gegeben wird“. Ein Theologiestudium  werde aber immer noch von der Kirchenleitung bevorzugt. Deshalb würden die BiP-Stellen auf einige wenige eingeschränkt. sz