Kreis Ludwigsburg Aufklärung nötig bei Biomüllentsorgung

Es haben inzwischen zwar mehr Haushalte im Kreis Biotonnen, jedoch wird der Abfall nicht immer richtig darin entsorgt.
Es haben inzwischen zwar mehr Haushalte im Kreis Biotonnen, jedoch wird der Abfall nicht immer richtig darin entsorgt. © Foto: dpa
Kreis Ludwigsburg / Uwe Roth 24.07.2018

Im Landkreis werden immer mehr Bioabfälle eingesammelt. 2017 waren es 30 225 Tonnen. Wie aus der Wertstoff- und Abfallbilanz hervorgeht, waren das 8000 Tonnen mehr als noch vor zehn Jahren. Eine Biogut-Sortieranalyse hat aber ergeben, dass in vielen Haushalten Küchenabfälle in Plastiktüten in der braunen Tonne entsorgt werden. Plastik im Biomüll gilt als Störstoff. Die Sorglosigkeit jedoch richtet mehr Schaden an, als die Verbraucher vermuten. Die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (AVL) geht davon aus, dass demnächst ein maximal vertretbarer Störstoffgehalt im Biogut gesetzlich festgelegt wird.

2,6 Prozent Störanteil

Die Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) nimmt an, dass dieser bei einem Gewichtsanteil von einem Prozent liegen wird. Bei der Sortieranalyse, bei der stichprobenartig braune Tonnen untersucht wurden, lag das Ergebnis bei 2,6 Prozent Störstoffanteil, also etwas mehr als das Zweieinhalbfache des erwarteten Grenzwerts. Lediglich bei einer Begrenzung auf ein Prozent ließen sich die erzeugten Komposte als hochwertiger Dünger gut vermarkten. Nur dann ließ sich eine Verschleppung von Plastikresten in die Umwelt verhindern. So die Überlegung des Gesetzgebers.

Das Umweltministerium des Landes hatte neben dem ländlich geprägten Schwarzwald-Baar-Kreis den Landkreis Ludwigsburg wegen seiner hohen Bevölkerungsdichte für einen Feldversuch ausgesucht. Jeweils zwei Tage im Juli und November vergangenen Jahres waren in den Ludwigsburger Stadtteilen Oßweil und Weststadt sowie in Vaihingen-Ensingen Prüfer unterwegs, um Proben zu ziehen. Dass der Grenzwert streng sein wird, zeigt das Ergebnis der Untersuchung: Die Qualität des im Landkreis eingesammelten Biogut sei „passabel“, aber es bestehe Handlungsbedarf, stellen die Prüfer fest. 97,4 Prozent der Tonnen war in Ordnung. Im Schnitt besteht Biomüll zur Hälfte aus Gartenabfällen und zu einem Drittel aus Küchen- und Nahrungsmittelabfällen. Dazu kommen nicht kompostierbare, aber natürliche Materialien wie Steine.

Der Müll aus der Küche wird in der Regel jedoch verpackt entsorgt – 80 Prozent in Kunststoff- und Papierbeuteln. Lediglich in 20 Prozent der untersuchten Tonnen wird Biomüll lose oder in Zeitungspapier umwickelt entsorgt. Die zuständige Fachfrau bei der AVL, Annette Ponton betont, dass vermeintlich recyclingbare Plastiktüten für den Müll kaum besser seien als normales Plastik. Folgendes ist des Prüfern besonders aufgefallen: Es gibt ein Stadt-Land-Gefälle bei der Art, wie der Biomüll beseitigt wird. In Ensingen war der Anteil des „Biobeutels“ mit 60 Prozent und der der lose entsorgten Mengen mit 37 Prozent am höchsten. In der dicht besiedelten Weststadt lag der Plastikbeutelanteil vor allem bei den großen Mehrfamilienhäusern bei 75 Prozent. Ossweil lag in der Rangliste dazwischen. Insgesamt zeigte es sich, dass in einem städtischen Umfeld wie in der Weststadt die Biotonne häufiger für Restmüll missbraucht wird. Manchmal dominierte sogar der Restmüll, stellten die Prüfer fest. Sie fanden Medikamente, Batterien, Katzenstreu und Windeln.

Werbekampagne war wirksam

AVL-Mitarbeiterin Ponton hat die Ergebnisse dem Aufsichtsrat vorgestellt. Mitglieder sind Kreisräte. 76 Prozent der Haushalte im Kreis haben eine Biotonne. Eine Werbekampagne im Jahr 2016 hat den Anschlussgrad massiv nach oben getrieben. Eine Leerung kostet je nach Größe des Behälters zwischen 50 Cent und einem Euro. Das ist nicht kostendeckend.

Der Landkreis subventioniert die Biomülleinsammlung mit jährlich drei Millionen Euro. Die Kreisräte sind nun am Zug, Vorschläge zu machen, wie die Kreisbürger zu einer größeren Sorgfalt gebracht werden können. In der Aufsichtsratssitzung machten sie deutlich, dass eine „Müllpolizei“, die gegebenenfalls Strafgebühren verhängt, wohl nicht in Frage kommt. Sie setzen viel mehr auf den Erfolg verstärkter Öffentlichkeitsarbeit. „Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung“, forderte Grünen-Kreistagsrätin Doris Renninger.

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