Die Energiewende nach dem Vorfall in Fukushima 2011 hat die Kernwerksbetreiber wie EnBW kalt erwischt. Das erklärte Jörg Michels, Chef der EnBW-Kernkraftsparte, am Dienstag bei einem Pressetermin im Kraftwerk Neckarwestheim. Aus einer vorher angedachten Laufzeiverlängerung wurde nichts, stattdessen musste schleunigst ein Plan zum Rückbau gemacht werden. Emotional war die Geschichte bislang für Michels jedoch nicht: „Zum Lebenszyklus eines Kraftwerks gehört auch der Rückbau.“ Fast hat man den Eindruck, die Herausforderung einen Rückbau zu planen sei für die Ingenieure Entschädigung dafür, dass ihre Energiesparte vor dem Aus in Deutschland steht.

Für die Planung und Antragsstellung zum Rückbau von GKN I habe man ein bis zwei Jahre gebraucht, dann brauchen die Behörden laut Michels drei bis vier Jahre um den Antrag zu genhemigen. Deshalb konnte mit dem Rückbau erst im Februar 2017 begonnen werden. Der Rückbau soll 10 bis 15 Jahre dauern. Der andere Reaktor im GKN darf noch bis 2022 Strom produzieren.

Anlass für den Pressetermin war, zu zeigen wie es um den Rückbau derzeit bestellt ist. Die EnBW-Leute geben sich zufrieden. Man liege im Zeitplan. Vor allem die Arbeiten im Maschinenhaus, wo die Turbinen beheimatet sind, beziehungsweise waren, standen bei dem Termin im Fokus. Früher wurde von dort direkt in das Stromnetz eingespeist und auch Bahnstrom erzeugt. Nun wird derzeit dort alles demontiert. Mit Kranen werden die dutzende Tonnen schweren Einzelteile aus dem Weg geräumt. Mitte 2021 soll das Gebäudeinterior zurückgebaut sein.

Insgesamt müssen beim Rückbau von GKN I 331 000 Tonnen Material entsorgt werden. Das meiste kommt in den konventionellen Stoffkreislauf aber 3300 Tonnen sind radioaktiver Abfall. Der muss in Zwischen- und Endlager. Dafür hat man in Neckarwestheim ein Reststoffbearbeitungszentrum und ein Standort-Abfalllager gebaut,, die im vierten Quartal 2019 in Betrieb gehen sollen.

Sieben Milliarden Euro lässt die EnBW sich den Rückbau aller ihrer Kernkraftwerke kosten, 2 Milliarden sind schon ausgegeben. Genauere Zahlen will man nicht herausgeben. 750 Mitarbeiter gibt es derzeit noch in Neckarwestheim. Teilweise im Betrieb, teilweise im Rückbau und einige sind auch in beiden Bereichen  im Einsatz. Die soziale Komponente des Rückbaus und die Frage nach den Arbeitsplätzen beantwortet Michels mit dem Hinweis auf die noch lange Rückbaudauer. Durchschnittsalter in der Belegschaft sei 50 und so müsse man niemandem kündigen wegen des Rückbaus. Den Ende des Rückbaus wird der auch 51-Jährige wohl nicht mehr im Amt erleben. Er kündigte an, sich vorher zur Ruhe setzen zu wollen.