Backnang Asylbewerberheim: Blick auf Hohenhaslach - die Stadt Backnang als Positivbeispiel

Nicht überall sind Flüchtlinge willkommen. Dabei sind die Vorurteile oft unbegründet, wie man beim AK Asyl in Backnang erfährt.
Nicht überall sind Flüchtlinge willkommen. Dabei sind die Vorurteile oft unbegründet, wie man beim AK Asyl in Backnang erfährt. © Foto: dpa
Backnang / DOMINIQUE LEIBBRAND 11.05.2013
Die Aufregung in der Bevölkerung in Verbindung mit der Suche nach einem Standort für ein Asylbewerberheim in Hohenhaslach ist groß. Doch ein Beispiel aus Backnang zeigt: Die Ängste sind unbegründet.

In Fellbach gehen Anwohner gerichtlich gegen die Nutzung eines Gebäudes als Asylbewerberheim vor. In Waiblingen warnen Nachbarn vor Überfällen, Vergewaltigungen und Rauschgiftdelikten, sollte im Industriegebiet "Ameisenbühl" eine Unterkunft für Flüchtlinge eröffnet werden. Das sind nur zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit, die zeigen: Die Vorbehalte in Hohenhaslach gegen ein Asylbewerberheim (Bericht auf dieser Seite) sind nicht ortsspezifisch.

Günther Flößer vom Arbeitskreis Asyl in Backnang weiß das nur zu gut. Seit über zehn Jahren engagiert sich der Ruheständler für Flüchtlinge, verfolgt die aktuelle Berichterstattung - auch über Hohenhaslach. Immer wieder trifft er dabei auf dieselben Vorurteile und Ängste. "Das ist ein Mix aus Fremdenhass und Unkenntnis." Doch die Ressentiments ließen sich widerlegen, betont er.

Flößer weiß, wovon er spricht. Als es im Jahr 2001 galt, in Backnang einen Standort für eine neue Unterkunft zu finden, brach sich auch dort der Widerstand Bahn. In einem Industriegebiet mit angrenzender Wohnbebauung sollte eine alte Lederfabrik umgebaut werden. In den politischen Gremien wurde diskutiert, Anwohner waren dagegen. Sie befürchteten, der Wert ihrer Häuser könne sinken, und vor allem: mehr Kriminalität. Auch "scheinheilige Gegenargumente" habe man damals gehört, nach dem Motto: Wenn man die Ausländer auf engem Raum zusammenpferche, schüre das die Gewaltbereitschaft, erzählt Flößer.

Bewahrheitet hat sich von alledem jedoch nichts, sagt das AK-Asyl-Mitglied. Nachdem die Sache schließlich beschlossen, das Heim eröffnet worden sei, sei alles ruhig geblieben. "Bis heute sind mir keine massiven Probleme bekannt", sagt Flößer. Damit seien die Gegenstimmen irgendwann verstummt. Und auch, als die Unterkunft nach einem Hochwasser 2011 umziehen musste - sie befindet sich nun im Umkreis dreier Schulen -, sei das so geblieben, sagt Flößer. Ohnehin gingen die Flüchtlinge - für etwa 120 gibts in der Unterkunft Platz - im Ort so gut wie unter. Stünden ihnen doch immerhin 35.000 Backnanger gegenüber.

Flößer hat überdies erfahren: "Die Flüchtlinge haben ganz andere Sorgen als kriminell zu werden." Fern der Heimat, manchmal gefoltert oder unter Zwang von der Familie getrennt, seien viele traumatisiert und wollten nur eins: hier integriert werden. Ein Eindruck, der sich mit der Einschätzung von Polizei und Rathaus in Backnang weitestgehend deckt. Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagt: "Am Anfang gab es Vorbehalte und Ängste. Das ist im Lauf der Jahre aber abgeebbt. Man kann zudem klar sagen, dass das Heim kein Kriminalitätsschwerpunkt ist." Ein Sprecher der Waiblinger Polizei bestätigt das. Vereinzelt habe man freilich Straftaten registriert, auch werde man hin und wieder zu der Unterkunft gerufen. Jedoch nicht in einem auffälligen Ausmaß.

Als die Backnanger 2001 gegen die Asylbewerberunterkunft auf die Barrikaden gingen, schlossen sich Vertreter der Diakonie, der Caritas und der Kirchen zusammen, um die ablehnende Haltung aufzubrechen - die Geburtstunde des örtlichen AK Asyl. Wichtig sei gewesen, dass auch der damalige Oberbürgermeister Jürgen Schmidt (SPD) hinter dem Ganzen gestanden habe, sagt Flößer. "Wenn die politischen Entscheidungsträger herumeiern, ist das kontraproduktiv."

Wichtig findet der Flüchtlingsexperte zudem, dass ausreichend Sozialarbeiter zur Betreuung der Ausländer zur Verfügung stehen. "Die Leute sind hilflos, wenn sie herkommen." Außerdem sollte es für alle Sprachkurse geben, fordert Flößer. Bislang haben nur jene ein Recht darauf, deren Asylantrag bewilligt wurde. Die Sprache sei jedoch der einzige Zugang zur Gesellschaft, sagt Flößer. Sei Kommunikation aber erst mal möglich, merke man schnell: "Das sind auch nur Menschen wie du und ich."

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