Schwerpunkt Asyl und was sonst noch wichtig ist

Von Frank Ruppert 10.07.2018

Nach dem Ausscheiden der Nationalelf bei der Fußball-WM hat ein Thema Deutschland und die Region dominiert: Der Asylstreit zwischen CDU und CSU. Aber ist das wirklich das wichtigste Thema dieser Tage? Der Höhepunkt der Flüchtlingswelle liegt hinter uns und die Zahlen der Flüchtlinge halten sich aktuell in Grenzen. Die BZ fragt mit ihrem Wochenschwerpunkt, ob es nicht viel drängendere Fragen gibt, die eines genauen Blicks bedürften.

„Was die Flüchtlingszahlen in Bietigheim angeht, ist es ruhig bei uns“, sagt Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Stadt. 66 Menschen befänden sich derzeit in kommunalen Gebäuden zur Anschlussunterbringung, 49 in privaten. „Dadurch, dass wir 422 Plätze für die vorläufige Unterbringung durch das Landratsamt bereitstellen, erhalten wir keine neuen Flüchtlinge derzeit für die Anschlussunterbringung“, so Hochmuth weiter. Überhaupt kämen pro Monat nur 40 bis 60 Flüchtlinge im Landkreis an. Das sei sehr wenig im Vergleich zur Hochphase.

Insgesamt befinden sich im Landkreis Ludwigsburg in 114 Gemeinschaftsunterkünften 2600 Menschen in der vorläufigen Unterbringung. „Bis zum 30. Juni hat der Landkreis 419 Flüchtlinge aufgenommen. Für das zweite Halbjahr ist mit einem nochmaligen Rückgang zu rechnen“, so Andreas Fritz, Pressereferent des Landratsamts. Mit etwa 700 Flüchtlingen rechnet die Behörde für das gesamte Jahr 2018.

Zu wenig bezahlbarer Wohraum

Während bei den Flüchtlingszahlen der Scheitelpunkt überschritten scheint, ist von Entspannung auf dem Wohnungsmarkt noch lange nicht die Rede. Miete und Nebenkosten sind laut Statistischem Landesamt zwischen 2005 und 2016 von durchschnittlich von 702 auf 902 Euro pro Haushalt im Land gestiegen. In Ludwigsburg etwa sind im Zeitraum von 2013 bis 2017 die Mieten laut Mietspiegel um 10,9 Prozent gestiegen. Gleichzeitig stiegen die Kaufpreise für Eigentumswohnungen um 45 Prozent, wie eine Studie kürzlich zeigte. Auch in Bietigheim wird bezahlbarer Wohnraum knapp. Wie anderenorts hat man dort eine Richtlinie verabschiedet. Diese soll dazu führen, dass bei Mehrfamilienhäusern künftig 20 Prozent der Wohnfläche für bezahlbaren Mietwohnraum bereitgestellt wird. In anderen Städten liegt dieser Anteil schon bei 50 Prozent.

Sackgasse Berufsverkehr

In der Region Ludwigsburg pendeln laut einer Statistik der Arbeitsagentur 100 000 Menschen täglich zur Arbeit in einen anderen Kreis. Das sind oder 43,9 Prozent aller Beschäftigten (227 905). Gleichzeitig pendeln 69 776 Beschäftigte, die in einem anderen Kreis wohnen, in die Region Ludwigsburg (Einpendler). Die meisten pendeln nach Stuttgart (50 705) oder von Stuttgart in den Kreis (17 284). Das sind zu viele für die Straßen, weshalb sich der Verkehr oft kilometerlang staut. Eine Lösung lautet, den ÖPNV auszubauen. Die VVS hat vor, neben ihrem neuen Tarifzonen-System auch den Ringschluss im Landkreis zu schaffen. Gleichzeitig will Ludwigsburg den ÖPNV auf seine Weise ausbauen.

Wer pflegt die Alten?

Die Zahl der Pflegebedürftigen im Kreis steigt rapide an. Gab es laut Statistischem Landesamt 1999 noch 7757 Menschen, die im Kreis gepflegt werden mussten, so stieg die Zahl bis 2015 auf 14167. Der erhöhte Bedarf hat auch zu einem Anstieg der Pflegeheime geführt von 23 im Jahr 1999 auf 80 im Jahr 2015. 1999 waren in der stationären Pflege 2404 Plätze verfügbar, 2015 4438. Nach Angaben des Landes werden bis 2020 im Kreis rund 450 zusätzliche Pflegeplätze benötigt. Das entspräche gegenüber dem Bestand von 4379 Plätzen einem Zuwachs von gut zehn Prozent. Bis 2025 werden sogar annähernd 1100 weitere Pflegeplätze benötigt. Das eigentliche Problem wird sein, Pflegekräfte zu bekommen. Ein Erhebung zu Beginn des Jahres hat laut Landratsamt ergeben, dass 40 Prozent der Einrichtungen wegen Personalmangels Pflegeplätze zeitweise nicht belegen können.

Info: In einem Wochenschwerpunkt widmet sich die Bietigheimer Zeitung den Themen Pflege (Mittwoch), Wohnraumversorgung im Landkreis (Donnerstag) und Verkehr (Freitag).

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