Rockerprozess Asperger Schütze vor Gericht

Kreis Ludwigsburg / Bernd Winckler 08.08.2018

Seit Dienstag geht es in einem Prozess am Stuttgarter Landgericht erneut um gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten nationaltürkischen und kurdischen Gruppen im Landkreis Ludwigsburg. Auf der Anklagebank sitzt ein mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestraftes 24-jähriges mutmaßliches Mitglied der Osmanen Germania BC aus Asperg. Er soll in Tötungsabsicht am 25. Februar letzten Jahres Schüsse in eine von Kurden besuchte Shisha-Bar in Asperg abgefeuert, dabei Menschen gefährdet, und dann später in Ludwigsburg-Eglosheim auf ein Fahrzeug geschossen haben. Der Fall gibt neue Einblicke in den regionalen Bandenkrieg der Rockergruppierungen.

Tat war vielleicht ein Racheakt

Die Anklage gegen den 24-Jährigen lautet auf ein Verbrechen des versuchten Totschlags, der gefährlichen Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz. Vier Wochen vor der jetzt angeklagten Asperger Schießerei soll laut den Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft der Angeklagte in seiner damaligen Wohnung von Mitgliedern einer kurdischen Rockergruppe überfallen und dabei durch Stockschläge, Pfefferspray und Messerstiche schwer verletzt worden sein. Einer der Täter konnte damals ermittelt und verurteilt werden. Der 24-Jährige sagt, dass es sich um mindestens 15 bis 20 Leute der Rockergruppe Red Legions gehandelt habe.

Plante der 24-Jährige einen Racheakt? Die Stuttgarter Richter werden dies zu klären haben. Am 25. Februar soll er sich bewaffnet in die Bahnhofstraße nach Asperg begeben haben und dort drei Mal auf den Eingang einer Shisha-Bar geschossen haben. Verletzt wurde niemand. Die Schüsse sollen dem Inhaber des Lokals gegolten haben, der spielte angeblich eine Rolle bei dem Überfall.

In einer anderen Strafsache wurde der 24-Jährige später festgenommen. Er ist inzwischen vom Landgericht Hechingen wegen der Verabredung zum Mord und der Bereitschaft zur Beschaffung von Kriegswaffen zu sechs Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Dabei habe er bei einer Racheaktion mitgeholfen. Als Jugendlicher soll der 24-Jährige zudem bei einer Massenvergewaltigung teilgenommen haben und sei auch entsprechend bestraft worden, heißt es in der Vorstrafenliste. Der Asperger Shisha-Bar-Wirt befindet sich im Zeugenschutzprogramm des Landeskriminalamts. Insgesamt acht Prozesstage sind angesetzt. Ein Urteil gegen den 24-Jährigen, der übrigens gleich gestern bekannt gab, dass er kein Mitglied mehr der Osmanen-Rockergruppe sei, soll am 16. September verkündet werden. 

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