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BZ
Cleebronn / Frank Ruppert  Uhr

Ein Ausflug nach Tripsdrill ist für viele der Inbegriff von Freizeitspaß, aber wie geht es den Menschen, die da arbeiten, wo andere Ferien machen und sich vergnügen? Die BZ hat Jochen Maas begleitet. Er ist der Herr über den Tausendfüßler, der ältesten Achterbahn im Park.

Kurz nach 8 Uhr am Morgen: Der Erlebnispark erwacht langsam. Während die Tore für Gäste erst um 9 Uhr öffnen, trudeln nach und nach immer mehr Mitarbeiter am Verwaltungseingang ein. Als die Kassen-Mitarbeiter ihre Kassen packen und in Richtung Haupteingang marschieren, kommt Jochen Maas vom Mitarbeiter-Parkplatz hergelaufen. Ein kurzes Schwätzchen mit den Verwaltungsmitarbeitern, er ist bekannt und beliebt. Der Eppinger, der sein Alter gegenüber der BZ nur mit „Ü70“ angibt, steckt voller Elan und Lebensfreude. „Ich bin der Jochen und du?“, begrüßt er den Verfasser dieses Texts freundlich.

Jochen ist ein echtes Original: Erst nach der Rente, er arbeitete in einem ganz andere Zweig, hat er im Cleebronner Park angefangen. Seine Frau hatte vorher schon in Tripsdrill gearbeitet – so kam der Kontakt zustande. Im Eilschritt marschiert Maas in Richtung seines Arbeitsplatz, der Achterbahn Rasender Tausendfüßler. Die wurde bereits 1986 eingeweiht und ist damit die erste Achterbahn in Tripsdrill. Sie ist auch heute noch bestens in Schuss und gehört als Kinderachterbahn zu den beliebtesten und bekanntesten Attraktionen des ganzen Parks. Viele, die den Rasenden Tausendfüßler schon lange kennen, bezeichnen ihn liebevoll als „die Raupe“ oder „den Wurm“. Er fährt mit einer Geschwindigkeit von 36 Stundenkilometer.

An drei Tagen die Woche ist Maas der Herr über den Tausendfüßler. Schon vor 9 Uhr legt er los, reinigt die Fahrkabinen und auch den Wartebereich. Der Senior legt dabei ein zackiges Tempo an den Tag. Sein Geheimnis: Er macht regelmäßig Yoga. Das in Verbindung mit dem Job, halte ihn jung und fit. Ein bisschen wird auch sein fröhliches Gemüt damit zu tun haben. Mit dem Techniker, der wie jeden morgen die komplette Achterbahn noch einmal durchleuchtet und Schmiermittel anbringt, scherzt er. Zwischendurch, neben dem Fegen und Putzen, richtet sich Maas in seinem Kommandostand am Achterbahneingang ein. Proviant für den ganzen Tag hat er dabei, nur die Mittagspause verbringt er in der Kantine, dann wird er kurz abgelöst.

Neben einem Mikrofon für Durchsagen und einem Bildschirm zum Überwachen der Einstiegskante ist in seinem verglasten Kommandostand auch ein Brett mit verschiedenen Knöpfen angebracht, damit bremst er, gibt Gas, schaltet Lichter ein und bestimmt die Rundenzahl. Pünktlich um 9 Uhr ist die Achterbahn rausgeputzt und wartet auf Gäste. „Das dauert ein paar Minuten, bis die ersten hier ankommen“, sagt Maas. Dann ist Showtime: Mit seiner getönten Brille, die er wegen eines Augenleidens tragen muss, springt Maas aus der Kabine und animiert die Menschen gleich zur ersten Fahrt einzusteigen. „Kommt zu mir, die anderen Achterbahnen machen erst um 10 Uhr auf“, ruft Maas immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht und er ist erfolgreich: Jeder der vorbei kommt, spaziert voller Vorfreude zum Tausendfüßler. „Wenn die Leute in den Park kommen, sind es die Gäste von Fischers, wenn sie hierher kommen, sind es meine Gäste“, lacht Maas und zeigt wie sehr er sich mit seiner Attraktion identifiziert. Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick. „Am Beginn des ersten Tags dachte ich, das sei alles zu viel für mich. Am Feierabend schon, wollte ich aber gar nicht mehr woanders arbeiten“. Maas Art steckt an, alle Gäste lachen und wenn er in seinem Kommandostand die Hände in die Luft reißt, machen alle in ihren Sitzen mit.

Wer früh kommt, hat Glück, denn dann muss die Bahn noch warm gefahren werden und Jochen gönnt allen drei Runden, später sind es dann nur noch zwei. Dass er arbeitet, wo andere Freizeit verbringen, findet er nicht schlimm, im Gegenteil: „Es gibt doch nichts Schöneres, als in so einer Umgebung zu arbeiten und die Leute geben mir so viel zurück.“