In Deutschland soll die Preisbindung bei Medikamenten aufgehoben werden, und Apotheker beäugen diesen Entschluss mit größter Sorge um den Fortbestand ihrer Apotheke.

„Wenn es wirklich so weit kommt, dann gibt es eine absolute Preisschlacht, die nur die Stärksten überleben.  Die Ärzte werden Empfehlungen, was die Medikamentenwahl angeht, machen, und die kleinen Apotheken werden untergehen“, befürchtet Apotheker Peter Olpp von der Ratsapotheke in Bönnigheim. In den letzten Jahren sei es mit den Umsätzen bereits zurück gegangen, denn die meisten Großpackungen im nicht-verschreibungspflichtigen Bereich wandern heute nicht mehr über den Ladentisch, sondern werden im Online-Versand bestellt“, beschreibt er die Marktsituation.

Es ist dramatisch

„Für uns ist es natürlich deshalb dramatisch, weil dann die Möglichkeit gegeben ist, dass ausländische Importeure, beziehungsweise Internetanbieter wie etwa Doc Morris, niedrigpreisiger verkaufen können. Die Gebühr für den Apotheker entfällt, was die Leute zunächst freut, doch Doc Morris macht auch keinen Apotheken-Notdienst. Das überlegen sich viele nicht. Die Gebühr für den Apotheker sichert nämlich seine Existenz“, ärgert sich Apotheker Oliver Bonczkowski aus Kleinsachsenheim. „Im Moment gibt es nur zwei Möglichkeiten: Man lässt alles so, wie es ist. Der europäische Gerichtshof  hat so entschieden und wir müssen uns dem beugen, aber es wäre ein Einbruch vor allem, wenn chronisch kranke Patienten ihre Rezepte ins Ausland schickten. Dann können die kleinen Apotheken im ländlichen Bereich sicher bald zumachen, denn vom Bonbon-Verkauf allein können wir nicht überleben.

Oder Möglichkeit Nummer zwei: „Der Gesetzgeber müsste jetzt eingreifen, um abzuwenden, dass mächtige Player sich an der Situation bereichern. Das erfordert ein Umdenken in der Politik zugunsten einer besseren Planungssituation für uns Apotheker“, wünscht sich Oliver Bonczkowski.
Susanne Yvette Walter