Osmanen-Prozess Angeklagter Rocker will aussagen

Stuttgart / Bernd Winckler 05.10.2018

Knapp die Hälfte der Zeugen im Osmanen-Prozess sind vernommen. Für die Richter der 3. Großen Strafkammer am Stuttgarter Landgericht läuft nach sechsmonatiger Verhandlungsdauer im Stammheimer Hochsicherheitssaal alles wie geplant. Doch weitere Beweiserhebungen, vor allem betreffend Bluttaten in und um Ludwigsburg und ein neuer Prozess stehen noch aus. Der 35-jährige Vize Osmanen-Präsident Levent U. will nach seinem sechsmonatigen Schweigen eine Aussage machen, teilte jetzt sein Verteidiger mit.

Unterdessen sind erst kürzlich drei 19, 24, und 25-jährige Männer in Kornwestheim festgenommen wurden. Das ebenfalls zum Tross der Angeklagten zugeordnete Trio soll vor allem für den blutigen Angriff vom 19. Februar 2017 in Kornwestheim auf einen kurdischstämmigen Mann mit verantwortlich sein. Das Opfer soll damals mit Baseballschlägern, einer Machete und Messern lebensgefährlich verletzt worden sein.

Polizei findet Macheten

Bei der Festnahme habe die Ludwigsburger Ermittlungsgruppe unter anderem mehrere Macheten, Messer und eine Kleinkaliber-Waffe sicherstellen können. Zudem einen fünfstelligen Bargeldbetrag. Das Trio wird zu der  Rockergruppierung der Osmanen Germania BC gezählt und wartet jetzt auf eine Erweiterungsanklage vor der 3. Großen Strafkammer, die wird derzeit noch gegen den Osmanen-Präsident Mehmet Bagci und sieben seiner Getreuen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Mordes verhandelt. Doch es wird hierzu ein neues Verfahren geben, welches möglicherweise erst im kommenden Jahr eröffnet wird.

Unterdessen sind im Hauptverfahren weitere Zeugen vernommen worden, die den Vize-Präsident Levent U. und seinen Waffenmeister als einen der Mittäter beschuldigen, in einem Mietstreit in einem Mehrfamilienhaus in Wetzlar zusammen mit weiteren Rockern erschienen zu sein und gedroht zu haben, er werde alle „zerreißen“. Dann sei die Wohnung der Zeugen von dem Osmanen-Rollkommando verwüstet worden. Darauf sollen sich die Angeklagten aber nicht beschränkt haben. Man habe sich Respekt durch Fausthiebe verschafft, sagen die Zeugen. Im Gegenzug wirft ein Zeuge aus dem Osmanen-Lager der Polizei vor, sie hätten ihm Geld dafür angeboten, wenn er die früheren Weltvorstände Mehmet Bagci und Selcuk Sahin oder die Gruppe insgesamt belaste, was die Polizei jedoch bestreitet. In dem Prozess werden demnächst die  Sachverständigen das Wort haben. Es geht dabei um die Verletzungen der Opfer.

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