Kreis Ludwigsburg An Grundschulen sind Lösungen schwieriger

Lehrerin Sabine Hagernlocher von der Sandschule beim Unterricht mit Zweitklässlern.
Lehrerin Sabine Hagernlocher von der Sandschule beim Unterricht mit Zweitklässlern. © Foto: Martin Kalb
Kreis Ludwigsburg / Von Mathias Schmid 12.02.2018

Der Lehrermangel an Grundschulen könnte zu einem ernsthaften Problem werden. Für das bevorstehende Schuljahr 2018/19 klafft landesweit eine Lücke von 500 Stellen an Grundschulen. Das Land will nun verstärkt mit Gymnasiallehrern gegenlenken. Für Grundschulen im nördlichen Landkreis ist das grundsätzlich eine Möglichkeit. Für Quer- beziehungsweise Seiteneinsteiger, aus anderen Berufen mit denen vor allem an Berufsschulen Lücken geschlossen werden, gibt es von befragten Schulleitern sowie dem Kultusministerium aber eine klare Absage.

Baden-Württembergs Kultusministerium unter Susanne Eisenmann (CDU) will Gymnasiallehrer, die nach der Ausbildung an eine Grundschule gehen, für später eine Einstellungszusage als verbeamtete Gymnasiallehrer an Grundschulen einsetzen. Bereits dafür gab Kritik vom Verband Bildung und Erziehung (VBE). Die Einarbeitungszeit von einem Jahr sei zu kurz. Das zeigt: Besonders an Grundschulen ist Sensibilität gefragt.

„Deutlich unterversorgt“

„Wir sind dieses Jahr deutlich unterversorgt“, klagt Rektorin Jso Steigelmann von der Schule im Sand in Bietigheim-Bissingen. „Vor einigen Jahren hatten wir noch 110 Prozent Versorgung. Da konnten wir Elternzeiten und andere Ausfälle auffangen. Wenn wir jetzt bereits anfangen mit 95 Prozent Versorgung, wird das zum Problem.“ In Primar- und Sekundarstufe zusammen hätten in den vergangenen Wochen stets bis zu 100 Stunden gefehlt.

Dennoch spricht sich die Schulleiterin gegen Quereinsteiger aus: „Die erste Staatsprüfung ist wirklich das absolute Minimum. Zufriedenstellend ist das aber auch nicht.“ Lehrpersonal ohne pädagogischen Hintergrund könnten in der Grundschule nur bei Sprachklassen und der Ganztagsbetreuung eingesetzt werden – „Sachen, die außerhalb vom Pflichtunterricht stattfinden“, fasst die Rektorin zusammen. An der Sandschule seien beispielsweise auch Erzieher in Sprachklassen eingesetzt worden. „Aber die können einen qualifizierten Fachunterricht in der Klasse nicht leisten.“

Ähnlich sieht das Rainer Graef von der Kirbachschule in Hohenhaslach. Er verweist aber auf den Einzelfall: „Es ist schwer, ein allgemeines Urteil zu fällen. Natürlich gäbe es mit Sicherheit Quereinsteiger, die das gut hinbekämen.“ Es gebe beispielsweise Ehrenamtliche, die „großes Talent“ bewiesen. Auf der anderen Seite käme auch manch ausgebildeter Lehrer an seine Grenzen.

Kaum Extra-Förderung

Derzeit sei die Sachsenheimer Schule noch gut aufgestellt. „Die Versorgung ist bei knapp 100 Prozent. Wir konnten das noch gut kompensieren. Aber das kann sich schnell ändern“, sagt Rainer Graef, „Dann sind Notlösung besser als gar keine.“ Der Pflichtbereich sei ordentlich abgedeckt. „Wir haben Vollversorgung, aber ohne Luxus. Wenn niemand krank ist, ist es in Ordnung. Viele Sprünge mit Extra-Förderung können wir nicht machen.“ Ehrenamtliche Lernbegleiter kümmern sich um einzelne Schüler, aber vor allem oberhalb von Klasse vier.

Christine Sattler, Sprecherin des Kultusministeriums, betont auf BZ-Nachfrage: „Obwohl wir einen Bedarf an Lehrern haben, lehnen wir an Grundschulen Quereinsteiger bewusst ab.“ Hier habe „die pädägogische Ausbildung eine besonders hervorgehobene Stellung“. Neben dem Programm für Gymnasiallehrer setzt das Kultusministerium auf weitere Maßnahmen. Unter anderem würden erfolgreich Teilzeitkräfte dazu bewegt, aufzustocken. Laut Statistischem Landesamt hatten an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2016/17 nur rund 46 Prozent der Lehrer einen vollen Lehrauftrag. „Wir haben ein wahnsinniges Potenzial an Köpfen“, sagt  die Kultusministerium-Sprecherin. Neue Teilzeitanträge werden in der Zwischenzeit „sehr kritisch geprüft“. Auch Versetzungen von gut an schlechter versorgte Schulen sind eine Lösung. Das ändere aber nichts am Grundproblem, sagt Sattler: „Wir brauchen weiterhin händeringend Lehrer. In den nächsten Jahren entsteht ein hoher Ersatzbedarf durch Lehrer, die in Ruhestand gehen.“

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