Vaihingen Aktuelles Schauspiel "Nathan der Weise" in Vaihingen aufgeführt

Vaihingen / RUDOLF WESNER 24.06.2013
Aus Anlass des 500-jährigen Bestehens der Vaihinger Stadtkirche fand auf deren Treppe an der Südseite eine Theateraufführung statt. Das Ensemble des Theaterhauses wählte Lessings "Nathan der Weise".

Im Zentrum des vor 230 Jahren in Berlin uraufgeführten Werks steht der Menschheitstraum von religiöser Toleranz. Es weist gerade heute brennende Zeitnähe auf, weil in der berühmten Ringparabel, die der weise Nathan dem Sultan Saladin vorträgt, eindringlich verdeutlicht wird, dass Christen- und Judentum ebenso wie der Islam eine gemeinsame Wurzel haben und dass deshalb keine dieser Religionen den Anspruch erheben darf, die bessere, die gültigere zu sein.

Die Vaihinger Inszenierung von Florian Pechbrenner, der auch die Hauptrolle des jungen Tempelherrn übernahm, hielt sich an die ursprüngliche Diktion und deren Grundton, weshalb in der Aufführung, die am Freitagabend Premiere hatte, die Botschaft des Stücks glaubwürdig blieb.

Volker Kraft spielte die Titelrolle in einer unvergleichlich reifen Form. Die auf vielen Ebenen zum Ausdruck kommenden Eigenschaften der Nathan-Rolle vermochte Kraft mal mit leisen, mal mit nachdrücklichen, mal auch mit ironischen Tönen und dabei mit verhaltener Gestik wirkungsvoll zu artikulieren. An seiner Seite waren Rieke Busch als Daja sowie Sarah Weißschuh als Nathans Adoptivtochter Recha ebenbürtige Darstellerinnen.

Vor allem verkörperte die zum ersten Mal mitwirkende Sarah Weißschuh die aus dem brennenden Haus vom Tempelherrn gerettete Recha in ihrer mädchenhaften Schwärmerei für ihren Retter berührend. Florian Pechbrenner überzeugte als junger Tempelherr. Er stellte diese Figur zuweilen kalt und schroff dar, verwandelte diese jedoch zu einem von Liebe zu Recha geleiteten und von der Weisheit Nathans faszinierten sensiblen Feingeist.

Dem Sultan Saladin verlieh Lars Berberich Selbstherrlichkeit, der sich aber von den klugen und mit diplomatischem Geschick gewählten Worten Nathans zu Menschlichkeit und Toleranz führen ließ. Auch Claudia Zeller als Saladins kluge Schwester Sittah zeigte vielschichtige Ausdruckskraft.

Als Derwisch Al Hafi überzeugte voller urwüchsigem Komödiantentum Karl Södler. Der redselige, einfältige, aber grundehrliche, dem gestrengen Patriarchen von Jerusalem dienende Klosterbruder wurde von Gerhard Bach mit einem verschmitzten Unterton trefflich dargestellt. In Mario Bühring erschien der Patriarch als unerbittlicher Vertreter des Christentums in Jerusalem, der den Juden Nathan unbedingt brennen sehen wollte.

Nach rund drei Stunden Spieldauer wurde die Premiere mit kaum enden wollendem, tosenden Applaus regelrecht gefeiert.

Info Weitere Aufführungen: Freitag bis Sonntag 28. bis 30. Juni, jeweils um 20.30 Uhr. Bei schlechtem Wetter wird in der Stadtkirche gespielt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel