Gerade aus dem Urlaub zurück ist die 77-jährige Dietlinde Krauss, fit und sonnengebräunt. Ihr Terminkalender ist schon wieder voll, denn Dietlinde Krauss ist seit fast zehn Jahren ehrenamtlich in der Seniorenarbeit im Karl-Ehmer-Stift und im Haus am Schöllbach tätig. „Meine Freundinnen fragen mich oft, warum tust du dir das an“, erzählt sie schmunzelnd.

„Aber mir macht das sehr viel Spaß und ich wüsste nicht, was ich sonst den ganzen Tag machen sollte, ich kann ja nicht immer nur putzen.“ Durch eine Freundin aus der Chorgemeinschaft ist sie zur ehrenamtlichen Seniorenarbeit gekommen. Angefangen hatte es mit der Organisation der Spielrunde im Karl-Ehmer-Stift. „Da spielen wir mit den Bewohnern Scrabble oder Fragespiele nach alten Schlagern, die sie noch kennen.“

Einmal im Monat ist „Rolli-Ausgang“ durch Ingersheim. Mit den Rollstuhlfahrern werden Spaziergänge oder kleine Besorgungen im Ort gemacht. In dem Zusammenhang hat Dietlinde Krauss auch ein Anliegen an die Gemeinde: „Die Bordsteine sind in Ingersheim für Rollstuhlfahrer viel zu hoch, da sollte man wirklich mal was machen.“

Bei Essensausgabe geholfen

Viele Jahre hat die rüstige Rentnerin auch regelmäßig mittags bei der Essensausgabe im Karl-Ehmer-Stift mitgeholfen. Bei den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstfesten ist sie ebenso dabei wie bei Weihnachtsfeiern im Heim. Selbst eine mobile Kegelbahn wurde in Eigenregie für die Bewohner von den ehrenamtlichen Helfern gebaut. „Die Bewohner spielen im Rollstuhl, das macht ihnen richtig viel Freude.“ Einmal im Monat nimmt Dietlinde Krauss auf Einladung des Landratsamts an Lehrgängen teil, die sich mit Themen wie Demenz oder dem Umgang mit Rollstuhlfahrern beschäftigen.

Persönliche Beziehungen

Im Haus am Schöllbach hilft Dietlinde Krauss beim Mittagstisch. In den Jahren sind auch persönliche Beziehungen zu den Heimbewohnern entstanden. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis untereinander, alle helfen sich gegenseitig“, so Dietlinde Krauss. „Mir macht das unheimlich viel Freude und die Bewohner freuen sich, wenn man kommt.“ Ingersheim sei mit Ehrenamtlichen „gut bestückt“, auch wenn es mit den Jahren immer weniger werden.

Ursprünglich kommen Dietlinde Krauss und ihr Mann aus Siebenbürgen. 1984 ist sie mit ihrem Mann erst nach Kleiningersheim, ein paar Jahre später nach Großingersheim gezogen. Das Ehepaar hat zusammen in einer Firma gearbeitet, viele Jahre sind sie dafür nach Backnang gependelt. „Wir haben uns immer als Ingersheimer gefühlt“, meint Dietlinde Krauss. „Ich habe noch nie Heimweh gehabt.“ Das Ehepaar hat zwei erwachsene Söhne und inzwischen vier Enkel, drei Jungen und ein Mädchen, im Alter von 17 bis 25 Jahren, für die Dietlinde Krauss auch immer da ist. Die meiste Zeit ist sie mit dem E-Bike im Ort unterwegs, mit dem sie in diesem Jahr schon 890 Kilometer zurückgelegt hat. Fit hält sich Dietlinde Krauss außerdem mit Gymnastik. „So lange ich das alles machen kann, mache ich weiter“, strahlt die sympathische Frau.