Leider hat uns Herr Vahrenholt abgesagt“, erklärt Jürgen Schmiedel. Der Leiter der Schiller-Volkshochschule, die am Dienstag und Mittwoch in Bietigheim-Bissingen die 13. Akademietage veranstaltet, ist kurz angebunden. Für die Veranstaltung, die gemeinsam mit der Stadt Bietigheim-Bissingen und dem Dachverband Seniorenarbeit Bietigheim-Bissingen in Zusammenarbeit mit der BZ auf die Beine gestellt wird, ist das ein harter Schlag. Man versuche noch einen Ersatz zu organisieren. Die Zeit drängt, denn schon am Dienstag beginnen die Akademietage. Vahrenholts Vortrag wäre an diesem Tag um 14.15 Uhr an der Reihe gewesen.

Ganz bewusst hatten sich die Organisatoren um Eberhard Uhland bei der Planung im vergangenen Jahr zum Akademietage-Thema „Klimakatastrophe – Können wir sie noch verhindern?“ dafür entschieden, auch einen Kritiker der Erkenntnis des menschengemachten Klimawandels einzuladen. Der erhoffte Diskurs bleibt nun wohl aus, Grund soll eine Erkrankung Vahrenholts sein. „Mich hat am vergangenen Wochenende eine E-Mail seiner Sekretärin erreicht, in der steht, dass er wegen einer akuten Erkrankung wochenlang ausfällt“, sagt Eberhard Uhland vom Organisationsteam.

Die Veranstalter hatten erhöhte Sicherheitsbedingungen eingeplant, weil sich ein Bündnis bestehend aus Fridays for Future Ludwigsburg, Parents For Future Ludwigsburg, Attac Besigheim, Bürgerinitiative Anti-Atom Ludwigsburg und der IG-Metall Ludwigsburg in einem offenen Brief gegen die Einladung Vahrenholts ausgesprochen und sogar Protestaktionen angekündigt hatte. Das Bündnis wirft Vahrenholt vor Lobby-Arbeit für „Klimakiller wie Shell und RWE“ zu betreiben. In dem Brief heißt es unter anderem: „Man hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten! Herr Vahrenholt steht allerdings nicht für Fakten, er steht für Verdrehung, Vertuschung und Täuschung im Dienste einer ganz bestimmten Agenda, deren Profiteure nur allzu einfach zu entlarven sind.“ Dem widerspricht Uhland, denn Vahrenholt sei als ehmaliger Umweltsenator von Hamburg und diversen anderen Aktivitäten durchaus ein Experte.

Mit Sicherheitsdienst und einem verstärkten Polizeiaufgebot hatten die Veranstalter wegen der angedrohten Protestaktion geplant. „Den Sicherheitsdienst werden wir nun wohl nicht mehr brauchen“, sagt Schmiedel. Auch der Mitveranstalter, die Stadt Bietigheim-Bissingen bedauert die Absage Vahrenholts. Ebenso wie die VHS sei für die Stadt wegen der angekündigten Proteste eine Absage nicht zur Debatte gestanden. „Wir finden, dass man auch mit Menschen anderer Meinung reden sollte“, sagt dazu die Pressesprecherin der Stadt, Anette Hochmuth auf Nachfrage der BZ.

Wie es nun weitergeht, ist indes unklar. Schmiedel erklärt auf die Frage, was geschehe wenn man nun keinen Ersatz finde so: „Wir versuchen alles, um einen Ersatz zu finden, und hoffen einfach, dass uns das gelingen wird.“ Uhland bestätigt, dass er nach Ersatz suche, sich bislang aber schon zwei Absagen eingefangen habe. „Wir buchen die Referenten schon im Januar oder Februar, danach wird es schwierig, jemanden zu bekommen“, sagt Uhland. Er wünsche sich natürlich jemanden mit einem kritischen Ansatz als Ersatz, das sei aber nun kaum machbar. Noch sei nicht klar, was die Besucher ab 14.15 erwarte – nur so viel: „Wir werden die Leute nicht zum Einkaufen rausschicken“, scherzt Uhland.

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz