Ab Sonntag, 9. Juni, wird nicht mehr die Deutsche Bahn den Schienenpersonennahverkehr im Kreis Ludwigsburg betreiben, sondern, wie die BZ berichtete, zwei private Unternehmen. Die niederländische Abellio Rail übernimmt künftig das Stuttgarter und Neckartalnetz, während die britische Go-Ahead Verkehrsgesellschaft die Zugverbindungen nach Baden und ins Frankenland abdecken soll. Die Fahrplanänderungen erfolgen laut Anbieter stufenweise und sollen eine bessere Infrastrukturabdeckung im Kreis gewährleisten.

Stuttgarter Netz/Neckartal

Wie das Unternehmen Abellio Rail Baden-Württemberg GmbH mitteilte, werden die bisherigen sechs Regionallinien des Stuttgarter Netzes übernommen werden, und hierfür in drei Stufen den Betrieb aufnehmen. Startschuss fällt am 9. Juni mit der Übernahme der bisherigen Regionallinien RB 17a, 17b (Stuttgart-Heidelberg) und 17c (Stuttgart-Bruchsal). Um 0.23 Uhr startet dann am 9. Juni der erste Abellio Zug vom Stuttgarter Hauptbahnhof über Mühlacker nach Pforzheim. Ab dann wird die Strecke zwischen Bietigheim und Mühlacker halbstündlich bedient. Im Dezember 2019 werden die Züge dann Richtung Mannheim/Osterburken übernommen werden, die den nördlichen Landkreis abdecken soll. Ab Juni 2020 gibt es auch Verbindungen von Stuttgart nach Tübingen. Insgesamt, so Abellio Rail, gebe es nur geringfügige Änderungen an den Fahrplänen, welche schon jetzt über die Homepage der Deutschen Bahn oder den DB Navigator einzusehen sind.

Für die Kundenbetreuung des neuen Bahnanbieters sollen insgesamt vier selbstbetriebene Abellio Rail Center eröffnet werden, nämlich in Stuttgart, Heilbronn, Mühlacker und Tübingen. Die bisher von der Deutschen Bahn unterhaltene Mobilitätszentrale des Verkehrsverbundes Pforzheim-Enzkreis (VPE) soll fortgeführt werden.

Rems-Fils-Netz

Die Tochtergesellschaft der britischen Go-Ahead Gruppe wird die Strecken nach Baden und ins Frankenland abdecken: Am 9. Juni nimmt Go-Ahead um 0.20 Uhr die erste Fahrt von Stuttgart nach Aalen auf. Grundsätzlich, so das Unternehmen, bleibe es beim heutigen Konzept, jedoch sei geplant, die IRE-Verbindungen von Stuttgart nach Karlsruhe zu verdichten sowie eine neue IRE-Verbindung zwischen Stuttgart und Aalen im Zweistundentakt zu schaffen. Bei letztere Verbindung entfalle der Umstieg in Aalen, da der Zug in Richtung Crailsheim weiterfährt. Künftig sei auch die Fahrt mit dem InterRegio Express (GA) Stuttgart-Karlsruhe ganze 25 Minuten kürzer als bisher.

Verbesserte Ausstattung

Für den Betrieb wird das Eisenbahnverkehrsunternehmen Abellio Rail 52 neue Züge – je 26 Drei- und Fünfteiler – einsetzen, die über 163 beziehungsweise 273 Sitzplätze verfügen. Wie auch die Go-Ahead Gruppe verspricht, erwarte die Pendler durchgängige Barrierefreiheit, WLAN, Klimaanlagen und Fahrradmitnahmemöglichkeiten. Darüber hinaus ist geplant, die Abellio-Fahrten ständig mit Kundenbetreuern zu begleiten. Zusammen mit Videoüberwachungsanlagen und Notsprechstellen sollen die Kundenbetreuer für mehr Sicherheit beim Zugfahren sorgen.

Pünktlichere Züge versprechen zwar beide Unternehmen, allerdings sind auch sie auf das althergebrachte und teils marode Schienennetzwerk angewiesen. Daher versuche man, so Abellio Rail, Verspätungen durch bessere Wartung an den neuen Zügen zu vermeiden.

Ticketpreise regelt der Verband

Wie die zuständigen Pressestellen der Unternehmen mitteilten, bringe der Betreiberwechsel keine Änderung der Ticketpreise. Diese werden von den Tarifverbänden beschlossen. Lediglich beim Verkauf ändert sich etwas: Abellio erklärte, dass sie 89 eigene Fahrkartenautomaten aufstellen und betreiben wird, sowie eigene Kundencenter. Das Konzept von Go-Ahead sei bislang noch in Arbeit.

Selbstverständlich könne man, wie bisher, seine Fahrkarten für den Landkreis auch an Automaten und in Kundencentern kaufen, die von der DB betrieben werden. Darüber hinaus sollen 16 „personenbediente“ Verkaufsstellen im Stuttgarter Raum geschaffen werden, beispielsweise in Kioske oder Buchhandlungen in Bahnhofsnähe.

Wie die Abellio Rail auf BZ-Nachfrage mitteilte, würden durch die Übernahme insgesamt 300 langfristige Arbeitsplätze in Baden-Württemberg geschaffen.