Dürre „Ziel der Hilfen muss Existenzsicherung sein“

Eberhard Zucker ist Chef des Kreisbauernverbands.
Eberhard Zucker ist Chef des Kreisbauernverbands. © Foto: Pangerl Helmut
Kreis Ludwigsburg / Frank Ruppert 23.08.2018

Auf die Ankündigung der Bundeslandwirtschaftsministerin Juli Klöckner den Bauern wegen der Dürre unter die Arme zu greifen (siehe Berichte auf den Seiten 1 und 17) hat Eberhard Zucker, Vorsitzender des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg, positiv reagiert: „Es ist grundsätzlich gut, wenn die Politik Hilfe für betroffene Bauern anbietet“, sagte Zucker der BZ. Dass die vorgestellte Lösung mit bis zu 170 Millionen Euro vom Bund und nochmal der gleichen Höhe von den Ländern, die vom Bundesbauernverbandschef ausgerufene Summe von einer Milliarde Euro an Hilfen nicht erreicht wird, überrascht Zucker wenig.

„Wenn er 300 gefordert hätte, wären wahrscheinlich nur 50 herausgekommen“, sagte Zucker halb im Scherz. Ganz im Ernst seien die Schäden der Landwirte natürlich viel höher als eine Milliarde Euro, ist sich Zucker sicher. Schon allein Niedersachsen habe 900 Millionen und die Länder im Osten 600 Millionen Euro Schäden gemeldet. Insgesamt belaufe sich der Schaden sicherlich auf zwei bis drei Milliarden Euro. „Es geht aber nicht darum den Bauern die Schäden voll zu ersetzen“, stellt der Landwirt klar. Ziel der Hilfen aus der Politik müsse sein, die Existenz der Bauern zu sichern. Gerade solche Landwirte sollten Geld erhalten, die ohne die Unterstützung nicht weitermachen können, findet Zucker.

Dass es eine der schlechtesten Getreideernte seit Jahrzehnten gegeben habe, komme heute nicht mehr so beim Verbraucher an wie noch früher. Damals hätte eine solche Ernte zu Hungersnöten geführt, erklärt Zucker die Bedeutung der Dürre.

Ob auch Bauern aus der Region so schwer betroffen sind, dass sie Geld vom Staat erhalten, könne er schwer einschätzen, so Zucker. Gehe es nur um das Gesamtbetriebsergebnis und die geforderten 30 Prozent Einbußen dort, dauere es lange, bis das klar sei. „Unser Jahresabschluss ist immer am 30. Juni. Also müssten die Bauern bis nächstes Jahr warten“, sagt Zucker. Wenn auch schon eine 30-prozentige Einbuße bei einzelnen Anbausorten ausreiche, gebe es in der Region mit Sicherheit Landwirte, die betroffen seien. Generell habe er seine positive Sicht auf die diesjährige Ernte einbüßen müssen, erklärt Zucker. Zunächst habe es gar nicht so schlimm ausgesehen, weil beim Getreide vergleichsweise geringe Verluste eingefahren wurden. „Aber für alles was jetzt kommt, wie Zuckerrüben und Futtermittel, sehe ich schwarz“, sagt der Chef des regionalen Bauernverbands.

Seit sechs Wochen wachse bei ihm auf dem Hof nichts mehr, weil es nicht mehr langanhaltend regne. Das werde zunehmend zum Problem für Viehhalter, weil das Futter knapp und damit teuer werde.

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