Tag der Patientensicherheit „Wenn Schweigen gefährlich ist“

Aufkleber auf den Böden der Kliniken der RHK zeigen den Weg zum Desinfektionsmittelspender.
Aufkleber auf den Böden der Kliniken der RHK zeigen den Weg zum Desinfektionsmittelspender. © Foto: Martin Kalb
Kreis Ludwigsburg / Rena Weiss 21.09.2017

Wenn Schweigen gefährlich ist“ – das ist das Thema des 3. Internationalen Tag der Patientensicherheit (ITPS). Gemeint ist damit die Kommunikation im Gesundheitswesen – nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch zwischen Patienten und Personal. Doch was wird diesbezüglich vor Ort getan, beispielsweise im Bietigheimer Krankenhaus?

Der Internationale Tag der Patientensicherheit wurde 2015 unter anderem vom Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) ins Leben gerufen und war bereits am 17. September. Doch die landesweiten Aktionen und Veranstaltungen dazu – rund 100 in ganz Deutschland – finden die ganze Woche noch statt. So auch in den Häusern der Regionalen Kliniken Holding (RKH): In den Eingangsbereichen der jeweiligen RKH-Krankenhäusern, so auch in Bietigheim-Bissingen, zeigen deren Quali­täts­managements ab diesem Donnerstag, 14 Uhr, einen eigens für den ITPS produzierten Animationsfilm. „Der Film soll Patienten animieren, sich aktiv an der eigenen Sicherheit und der des Krankenhauses zu beteiligen“, sagt Ale­xander Tsongas, Pressesprecher der RKH.

Das Thema Patientensicherheit umfasse dabei nicht nur die Hygiene, die so oft in den Vordergrund gestellt werde, sondern eben auch die Kommunikation, sagt Tsongas. „In den Kliniken der RKH sollen die Patienten selbst aktiv werden, Bedenken äußern, Fragen stellen und sich einbringen.“ Denn beim Thema Sicherheit könne der Patient mithelfen: Die eigene Mobilität und Lungenfunktion fördern, indem der Patient aufsteht und das Fenster zum Lüften öffnet, sei ein Beispiel. „Wichtig dabei sind Schuhe oder Stoppersocken, um die Sturzgefahr zu reduzieren“, erklärt Tsongas. Auch beim Thema Wundliegen sei die Verantwortung nicht allein beim Krankenhauspersonal. Wer sich als Patient, aber auch als Angehöriger bemerkbar machen kann, solle dies tun – in allen Bereichen, erklärt der Pressesprecher weiter.

Denn etwa 43 Millionen Schadensfälle ereignen sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich weltweit im Gesundheitswesen – statistisch gesehen sind davon 28,6 Millionen auf menschliche Fehler zurückzuführen, wären also vermeidbar. Davon werden wiederum 7 bis 23 Millionen durch schlechte Kommunikation verursacht, so die WHO weiter. Deswegen widmet sich der diesjährige ITPS dem Thema. „Unter dem Motto ‚Wenn Schweigen gefährlich ist’ sind Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und weltweit rund um den Aktionstag aufgerufen, zu zeigen, wie eine sichere Kommunikation im Gesundheitswesen funktionieren kann“, sagt Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des APS.

Im Bietigheimer Krankenhaus sowie in den anderen Häusern der RKH werde diesbezüglich eine eigens entwickelte Patienten-Safety-Card ausgegeben. „Von heute an bekommt jeder Patient diese Karte“, so Tsongas. Auf ihr stehen die genannten Tipps, aber auch noch weitere Punkte, mit denen sich die Patientensicherheit erhöhe, hofft Tsongas.

Erfolge konnte der Klinikverbund bereits beim Thema Hygiene erzielen: Vor rund einem Jahr wurden weitere Desinfektionsspender in den Krankenhäusern angebracht und diese mit Markierungen am Boden gekennzeichnet. Das werde von allen Seiten gut angenommen. Festzustellen sei dies unter anderem an der Häufigkeit des Nachfüllens der Spender. Die habe seitdem deutlich zugenommen. „Das ist ein Erfolg“, sagt Tsongas, „und ein aktiver Beitrag, der den Patienten hilft.“ Denn über die Hände werden die meisten Erreger verbreitet, so das Robert-Koch-Institut, das auch die Hygienevorschriften in Krankenhäusern prüft.

Warum gibt es den Aktionstag?

Der ITPS wurde 2015 vom Aktionsbündnis Patientensicherheit (hier ist die RKH Mitglied), der österreichischen Plattform Patientensicherheit und der schweizer Stiftung für Patientensicherheit ins Leben gerufen.

Das Thema Kommunikation wurde gewählt, weil Kommunikationsdefizite im Gesundheitswesen häufig zu Behandlungsfehlern führen und die Patientensicherheit stark einschränken, so eine Mitteilung des Aktionsbündnisses. Zeitmangel erschwere die Kommunikation.

Der Aktionstag findet laut Aktionsbündnis statt, um Aufmerksamkeit für das Thema Patientensicherheit zu schaffen. rwe

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