Verkehrserziehung „Unmodisches Accesoire“ rettet Leben

Kreis Ludwigsburg / Ifigenia Stogios 16.08.2018

„Es fahren viele Schüler ohne Helm, doch die Mehrzahl trägt einen.“ Das behauptet die Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Jutta Kuhn. Die Kreisverkehrswacht organisiert Verkehrsschulungen, an denen rund 3300 Kinder pro Jahr teilnehmen. Allerdings fällt Kuhn schon bei Vorschulkindern auf, dass Eltern nicht immer die beste Vorbildfunktion aufweisen.

Auf die Frage „Haben Mama und Papa einen Helm an?“, lautet die Antwort der Vorschulkinder oft „nein“. Obwohl Kuhn sich für die Verkehrserziehung von Kindern engagiert, ist sie sich sicher: „Nicht ich oder die Lehrer sind die Vorbilder, sondern die Eltern“. Aus diesem Grund müssen diese immer zum Helm greifen und auch von sich aus mehr Aufklärungsarbeit bezüglich des Radfahrens leisten.

Auf spielerische Art und Weise

Mit der Verkehrserziehung könne man nicht früh genug beginnen. Der Kindergarten Mobile in Sachsenheim zum Beispiel sorgt dafür, dass alle Vorschulkinder – von eins bis sechs – über Verhalten im Verkehr  aufgeklärt werden. „Das ist der einzige Kindergarten im Kreis, bei dem sogar Einjährige an der Verkehrserziehung teilnehmen dürfen.“ Auf spielerische Art und Weise – sie krabbeln im Slalom – kommen die Kleinen, wenn auch nur für eine Viertelstunde mit dem Begriff Verkehr in Kontakt.

Zwar herrscht gesetzlich keine Helmtragepflicht, doch ein Helm kann vor schlimmen Verletzungen schützen. Das betont Dr. Ulrich Gronwald von der Notfallstation des Krankenhauses Bietigheim-Vaihingen. Täglich behandelt er junge Patienten, die „das unmodische Accessoire meiden“.

„Der Anteil der Kinder, die ohne Helm fahren, ist wirklich alarmierend.“ Zahlreiche Schüler an der Schule seiner Tochter fahren ohne. „Das Ausmaß der Verletzung kann durch das Tragen eines Helms geringer werden.“ Statt eines Schädelbruchs oder einer Blutung komme es mit Helm eben eher zu einer Schädelprellung oder Gehirnerschütterung, weiß der Allgemeinchirurg.

Damit Jugendliche begreifen, wie wichtig das Tragen eines Helms ist, gibt es das Projekt „Schütze dein Bestes“. Es handelt sich um eine Kampagne der Verkehrssicherheitsaktion „Gib acht im Verkehr“. Die Botschaft lautet „Achte auf deinen Kopf!“ Radprofis begleiten die Kinder und zeigen ihnen Videos von Unfällen erzählt Kuhn, um sie aufmerksam auf die Notwendigkeit eines Helms zu machen.

Laut Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Ludwigsburg haben sich im vergangenen Jahr  173 Unfälle ereignet, an denen Kinder beteiligt waren, 2016 kam es zu 182. 99 Unfälle und somit 57 Prozent haben die Kinder selbst verschuldet. Dabei waren sie 65 Mal mit dem Fahrrad und 34 Mal als Fußgänger unterwegs. Sie hatten mit dem Fahrrad am meisten beim Abbiegen Probleme und verursachen dabei zu zwölf Prozent einen Unfall. Die positive Nachricht ist: Die Anzahl der schwer verletzten Kinder ist um ein Drittel gesunken und der leicht verletzten um zehn Prozent. „Im Schuljahr 2016/2017 machten 8500 Kinder ihren Fahrradführerschein.“ 2014/2015 waren es 8 148. 

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