Die 20 jungen Frauen, die ihr Pflegeexamen an der Schule für Pflegeberufe im Klinikum Ludwigsburg abgelegt haben, gehören aktuell zu den begehrtesten Fachkräften der Republik, denn in der Pflege herrscht seit langem akuter Personalnotstand und nichts deutet darauf hin, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändert. Ein Umstand, auf den Träger und Pflegeeinrichtungen zu Tag der Pflege einmal mehr hinweisen.

Dass die Probleme in der Pflege nicht neu sind, zeigt die Tatsache, dass der Mottotag seit 1967 international begangen wird und diesmal unter dem Leitsatz „Mach Freunde zu Kollegen“ steht. So sollen Quereinsteiger für den Beruf gewonnen werden. Es ist ein Versuch, dem chronischen Desinteresse an den Pflegeberufen beizukommen. Bisher aber erzielten alle Werbemaßnahmen eher überschaubare Ergebnisse. Mitunter grenzen die Aktionen an Verzweiflungstaten, etwa wenn sich Kliniken mit Kopfprämien gegenseitig Mitarbeiter abluchsen. Oder wenn beim „Boy’s Day“ der Agentur für Arbeit Schüler im Bus von einer zu nächsten Pflegeeinrichtung gekarrt werden in der Hoffnung, dass dabei so etwas wie Interesse geweckt wird. Die Realität sieht anders aus: Bei den Praktikumsplätzen in den Pfingstferien der Aktion „Firmensommer“ des Landkreises erweisen sich die Pflegeangebote als Ladenhüter.

Altenpflege besonders betroffen

Besonders ausgeprägt ist der Notstand in der Altenpflege. Die Kleeblatt-Pflegeheime mit ihren 26 Einrichtungen im Landkreis haben derzeit 51 Vollzeitstellen ausgeschrieben. „Faktisch sind es sogar um die 100“, erklärt Geschäftsführer Stefan Ebert. Ihn verwundert es nicht, dass der Aktionismus für die Pflege bei Jugendlichen nicht greift. „Ich kann verstehen, wenn sich ein junger Mensch für eine Ausbildung bei Bosch entscheidet. Die Konditionen dort sind attraktiver“, sagt Ebert. Jugendliche in der wirtschaftlich starken Region hätten nun mal die freie Auswahl.

Dabei will er den Pflegeberuf nicht schlecht reden, im Gegenteil: Die Arbeit mit Menschen, die Vielfalt der Tätigkeit, die Verantwortung und die Dankbarkeit der Bewohner mache die Altenpflege zu einem attraktiven Job. Wenn da nicht die Rahmenbedingungen wären. Die passen nach Einschätzung Eberts nicht zu dem, was die Beschäftigten in den Einrichtungen leisten. Ein großes Thema war das bei den jüngsten Tarifauseinandersetzungen im öffentlichen Dienst. Auch die Kleeblatt-Pflegeheime zahlen nach Tarif. Eine Fachkraft geht dort mit rund 2900 Euro brutto am Monatsende nach Hause. Selbst nach der Tariferhöhung wird die Bezahlung ein Streitpunkt bleiben, da ist sich der Geschäftsführer sicher. Die Einrichtungen stehen unter Wettbewerbsdruck. „Der Verdienst für Pflegekräfte ist gar nicht so schlecht, aber er ist eben niedriger als bei Daimler.“

Viel schwerer wiegt zudem der Belastungsdruck. Der ist immens, gerade weil die Häuser nicht alle Stellen besetzten können. In der Konsequenz bedeutet das, dass Mitarbeiter immer häufiger einspringen müssen. Da baut sich der Frust schneller auf als das Überstundenkonto.

Attraktives Umfeld

Seitens der Politik vermisst der Pflegechef jeglichen Willen, etwas zu ändern. Bis 2025 fehlten 100 000 Stellen. Angesichts dieser Entwicklung seien die vom Bund zugesagten 8000 zusätzlichen Stellen nicht der Rede wert. Ebert hat ausgerechnet, dass die Kleeblatt-Häuser mit einer halben Stelle profitieren würden. „Ganz davon abgesehen, dass ich diese Stelle möglicherweise gar nicht besetzen könnte.“

Und die Lösung? Ebert glaubt schon, dass sich über die Vergütung „etwas erreichen lassen“ würde. Im Moment aber würden die Lasten letztlich auf die Heimbewohner umgelegt. Ebert und seinen Kollegen bleibt daher nur, mit den Qualitäten in den Häusern zu werben. „Wir bieten Gesundheitsmanagement an, gehen auf Teilzeitwünsche ein und unternehmen alles, um den Beschäftigten ihr Arbeitsumfeld so attraktiv wie möglich zu gestalten.“ Doch wenn die Politik nicht endlich den Pflegeberuf aufwerte – auch und vor allem mit Geld – müssten die Kleeblatt-Pflegeheime weiter offenen Stellen ausschreiben, ist sich Ebert sicher.

Pflegeberufe: Sie wagen den Einstieg


20 junge Frauen haben nach dreijähriger und inzwischen hoch komplexer Ausbildung in Theorie und Praxis ihr Krankenpflege-Examen an der Schule für Pflegeberufe am Klinikum Ludwigsburg absolviert (Gruppenbilder auf dieser Seite). Ihr Krankenpflege-Examen bestanden haben laut einer Kliniken-Mitteilung: Mizgin Aslan, Celine Blankenhorn, Sara Bruno, Isabell Doering, Zekiye Isik, Regina Knoll, Carmen Löw, Nina-Marie Riede, Jasmin Scheuler, Lea Wenzler.

Ihr Examen zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflege haben am Klinikum Ludwigsburg bestanden: Venja Diehl, Kathrin Hartenbauer, Maren Hertner, Stephanie Kullen, Dinah Küstner, Amelie Landenberger, Pia Lange, Lea Mörk, Raphaela Nitsche, Kathrin Steinhardt. bz