Weihnachtsmärkte „Sicherheit mit Augenmaß“

Kreis Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 05.12.2018

Seit zwei Jahren haben sich Deutschlands Weihnachtsmärkte verändert. Um zu den Weihnachtsständen mit Lebkuchen, Glühwein und Kunsthandwerk zu gelangen, muss man an Absperrungen vorbei. Grund dafür ist der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz, der am 19. Dezember 2016 von einem 24-Jährigen verübt wurde. Das kostete elf Menschen das Leben, 55 weitere wurden verletzt.

Die Organisatoren des Ludwigsburger Barock-Weihnachtsmarkts reagierten vor zwei Jahren schnell, sie versperrten die Zufahrten zum Marktplatz mit Einsatzfahrzeugen der Polizei und Feuerwehr.

Schnelles Reagieren gefragt

„Es war eine schnelle Lösung nötig“, sagt Heinz Mayer, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung der Stadtverwaltung Ludwigsburg. Die Fahrzeuge wurden aber bereits letztes Jahr durch Straßenbarrieren ersetzt, man sei dadurch flexibler, sagte Mayer. Inzwischen werden sogenannte Indutainer verwendet. Das sind Industriecontainer der gleichnamigen Firma, Faltbehälter, die als mobile Straßensperren genutzt werden.

Es stehen jeweils zwei Indutainer nebeneinander, die recht schlicht durch eine blaue Ummantelung sowie Tannenzweigen auf der Oberseite dekoriert sind. Ein Behälter fasst 1,3 Tonnen Wasser, pro Barriere sind es also rund 2,5 Tonnen, die Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit an der Zufahrt hindern. „Rettungsfahrzeuge kommen in Schrittgeschwindigkeit noch durch“, sagt Mayer. Versetzt aufgestellt, stehen die Indutainer an allen vier Zufahrten des Marktplatzes, der Oberen und Unteren Marktstraße sowie an der Eberhardtstraße und der Asperger Straße, die laut Mayer die einzige Zufahrt ist, wo hohe Geschwindigkeiten denkbar seien. „Es ist recht verwinkelt in Ludwigsburg. Das ist unser Glück“, sagt der Sicherheitsfachmann.

Auch in Bietigheim-Bissingen wird der Sternlesmarkt durch kleine Poller und Absperrungen an Anfang und Ende der Fußgängerzone, am Hiller- und am Kronenbergplatz, vor potenziellen Rasern geschützt. „Das ist seit zwei Jahren zum Standard geworden“, sagt Bietigheims Stadtsprecherin Anette Hochmuth auf Anfrage der BZ. In Bietigheim werde die Einbruchsicherheit nicht erst seit zwei Jahren groß geschrieben – gerade weil die Buden drei Tage geschlossen sind. Die Stände haben nur Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Ein Sicherheitsdienst bewache die Buden auch bei Nacht.

„Es gibt den Sicherheitsdienst des Betreibers, die Polizei und den städtischen Ordnungsdienst, die aufeinander abgestimmt, zu jeder Tageszeit patrouillieren“, erklärt auch Mayer. Das sorge für das Sicherheitsgefühl der Marktbesucher. Man müsse „für maximale Sicherheit sorgen, die Aufgabe jedoch mit Augenmaß angehen, um einen guten Mittelweg zu finden“, so der Fachbereitsleiter.

Die Polizei zur Sicherheit auf den Weihnachtsmärkten

Neben Sicherheitsdiensten patrouillieren auch Polizisten auf dem Bietigheimer und Ludwigsburger Weihnachtsmarkt – „sowohl in Uniform als auch zivil“, sagt Peter Widenhorn, Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg.

Die Polizeipräsenz stärke vor allem das subjektive Sicherheitsgefühl der Besucher, so der Polizeisprecher. Es gehe auch darum, das kriminelle Handwerk der Langfinger zu untergraben. „Auch Kollegen der Prävention ziehen ihre Runden“, sagt Widenhorn. Diese sprechen Marktbesucher auf offene Taschen und Rucksäcke an, um ein Verbrechen zu verhindern.

Mit den Standbetreibern sprechen die Polizeibeamten über Jugendschutz oder wie Falschgeld erkannt werden kann.

Nach den Vorkommnissen in Berlin waren die Kommunen gefordert, neue Sicherheitskonzepte zu entwickeln, so Widenhorn. „Die Besucher fühlten sich anfangs eher unwohler durch die erhöhte Polizeipräsenz, inzwischen ist es fast gegenteilig.“

In dieser Weihnachtsmarkt-Saison kam es laut Widenhorn weder in Bietigheim noch in Ludwigsburg zu nennenswerten Straftaten, dies bestätigten auch die Stadtsprecher und hoffen, dass es auch weiterhin so bleibt. hevo

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