Gabriele Szczegulski  Uhr

Ministerpräsident Winfried Kretschmann lud zu einer Dialekttagung unter dem Motto „Daheim schwätzen die Leut“ und 200 Vertreter aus Kunst, Kultur, Politik, Schule kamen. Kretschmann sieht den Dialekt im Land, das Schwäbische, das Alemannische, das Fränkische, bedroht, vor allem aber sieht er Dialektsprecher im Alltag diskriminiert. Dagegen will er etwas tun. Aus dem Landkreis war nur eine Vertreterin eingeladen: die Besigheimer Kabarettistin Sabine Essinger, zweite Vorsitzende des Vereins „Schwäbische Mund.art“. Leider, so Essinger, „wurde zwar viel Sinnvolles geschwätzt, aber es kam keine tatsächliche Lösung auf, hoffentlich passiert das bei der nächsten Tagung“.

Mit ihr lud der Ministerpräsident solche Dialektverteidiger wie Wolfgang Wulz, Vositzender von Essingers Verein, SWR-Senderdirektorin Stefanie Schneider, Sprachforscher Werner König, Travestiekünstlerin Wommie Wonder, Albin Braig von der Mäulesmühle, die Kabarettisten Mathias Richling, Uli Keuler, Dodokay, das Theater Lindenhof und viele weitere ein.

Dialekt im Alltag

Einen Tag lang diskutierten die Experten über den Verfall des Dialektes. Vor allem darum, so Sabine Essinger, „dass der schwäbische Dialekt im Alltag und in der Öffentlichkeit immer als dümmlich verdackelt wird“. Schwäbisch würde als der Dialekt der „Dummen“ diskriminiert und deshalb auf Amtsstuben und in den Medien nicht verwendet. Die Forderung kam auf, dass in Zeitungen, dem Radio und dem Fernsehen schwäbische Formate mehr Gewicht bekommen. „Schwäbisch wird immer noch als Bauerntheaterdialekt verwendet, wirklich ernsthafte Unterhaltung findet man nicht auf Schwäbisch“, so die Besigheimerin unisono mit dem Ministerpräsidenten.

In den Schulen, so ein Fazit, müsse man beginnen, das Schwäbische populär zu machen. „Die Sprache muss wieder in den Alltag, nachdem sie uns jahrzehntelang regelrecht abtrainiert wurde“, sagt Sabine Essinger und zitiert damit ein Fazit der Dialekttagung. Auf den Ämter müssten sich die Angestellten „trauen“ in ihrem Dialekt zu reden, genauso wie in den Vorstandetagen der Firmen.

Aktive Ideen

Für Claus Stöckle, Rektor der Realschule im Aurain in Bietigheim-Bissingen, steht die Dialektförderung „auf keinen Fall auf Platz eins meiner Prioritätenliste“. „Aber wenn der Ministerpräsident die Befürchtung hat, dass der Dialekt verschwindet, dann gibt es sicher Betätigungsfelder an einer Schule, da müsste aber das Kultusministerium aktiver werden“, so der Pädagoge. Das, so Sabine Essinger, wäre gut. „Der Verein Schwäbische Mund.art hat das Programm Mundart in der Schule, aber leider ist das viel zu wenig bekannt, im Landkreis gab es keine Anfragen von Schulen im letzten Jahr.“

Stöckles Meinung nach ist das Grundproblem, dass „80 Prozent unserer Schüler den Dialekt gar nicht mehr mitbringen, weil sie ihn von zu Hause gar nicht kennen, und oft sind es sogar Migrantenkinder, die ihn sprechen“. Natürlich, so Stöckle, wäre es schön, wenn der Dialekt an Schulen einen höheren Stellenwert bekäme, wenn das Ministerium Initiativen unterstütze. Er jedenfalls hindere niemanden, weder Schüler noch Lehrer, daran, Dialekt zu sprechen.

Initiativen, Künstler und Institutionen für das Schwäbische

„Mundart in der Schule“ ist eine Initiative des Vereins „Schwäbische Mund.art“. Auf Kosten des Vereins gehen Künstler der Region in die Schulen und halten auf Schwäbisch eine Unterrichtsstunde. Schulen können sich einfach anmelden.

www.mundart-in-der-schule.de
www.mund-art.de.

Theaterensembles, die meist oder zum Teil auf Schwäbisch spielen, sind die Schwabenbühne in Asperg, das Theater unter der Dauseck Oberriexingen, das Theater Fleckabutzer aus Löchgau.

www.schwaben-buehne.de
www.theater-dauseck.de
www.theater-fleckabutzer.de

Mit dem Café Bricklebrit in Walheim gibt es das wohl einzige Schwäbische Lieder- und Geschichtenhaus, in dem regelmäßig schwäbische Veranstaltungen stattfinden. Bei „Aufspielen beim Wirt“ wird auch schwäbisch gesungen, das Bricklebrit-Kneipenquiz gibt es  mit „Dr. Schorsch“  der Bietigheimer Zeitung auf Schwäbisch.

www.cafe-bricklebrit.de

Bei Mundartstammtischen im Grünen Baum in Erligheim wird Schwäbisch gschwätzt. sz

www.gruenerbaum-erligheim.de