Handwerksbetriebe befinden sich immer häufiger auf der verzweifelten Suche nach Fachkräften. Viele Firmen haben Probleme Auszubildende aber auch fertig gelernte Arbeiter zu finden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat das Wirtschaftsministerium und der Baden-Württembergische Handwerkstag in diesem Jahr das Projekt „Dialog und Perspektive Handwerk 2025“ mitsamt des Teilprojekts „Personaloffensive Handwerk 2025“ ins Leben gerufen.

Im Rahmen dieser Maßnahme fand am Dienstag ein Betriebsbesuchtag statt, bei dem drei Unternehmen aus der Region ihre Erfahrungen und Konzepte gegen den Fachkräftemangel präsentieren konnten. Neben Firmen aus Horrheim und Steinheim nahm auch die Schlosserei Pfeiffer aus Sachsenheim teil. Ziel war es, zu sehen wie sich die Firmen bewegen, welche Sorgen und Probleme, aber auch Chancen, sich ergeben und so den Kontakt zur Basis zu halten.

So versammelte sich am Dienstagvormittag eine Delegation im Foyer des Unternehmens. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, Dr. Markus Rösler, Landtagsabgeordneter der Grünen, Sachsenheims Bürgermeister Horst Fiedler, sowie Repräsentanten der Kreishandwerkerschaft Ludwigsburg und weitere Fachexperten.

Hohe Verantwortung

Die Firma Pfeiffer hat, was den Fachkräftemangel angeht, weniger Probleme als andere Unternehmen, auch wenn in diesem Jahr kein neuer Lehrling gefunden wurde. Denn: im nächsten Jahr sind sogar zwei in Aussicht. Die Geschäftsführer des Familienunternehmens, Matthias und Ulrich Pfeiffer, versuchen, direkt an Schulen für sich zu werben. Sie erklärten sich das Problem, Nachwuchs zu finden, mit der hohen Verantwortung, dem hohen Risiko sowie der Arbeitszeit. Dazu stehe man in Konkurrenz mit großen Unternehmen in der Region, wie etwa Daimler oder Bosch, die finanziell ganz andere Möglichkeiten hätten.

Matthias Pfeiffer betonte, dass die Auszubildenden bei ihnen auch übernommen werden. Bereits im Vorfeld werde aber genau geschaut, ob ein angehender Lehrling auch zum Unternehmen passe. Dazu würden sie auch die Eltern der Jugendlichen kennenlernen wollen.

Als Problem identifizierten sie unter anderem, dass Lehrlinge im ersten Lehrjahr den größten Teil in der Schule seien und dementsprechend auch kein Lehrlingsgehalt bekämen – was für viele junge Menschen abschreckend sei. Erfahrungsgemäß werben sich Auszubildende oft gegenseitig, man müsse  aber auch etwas bieten, um sie nicht an die Industrie zu verlieren, so Pfeiffer.

Guter Ruf

Den Vorzug ihrer Firma sehen die beiden Geschäftsführer darin, dass sie nur für Privatkunden und Architekten produzieren. Da man keine Massenware herstelle, würde es auch keinen Zeitdruck geben.

Der gute Ruf des Unternehmens, das bereits in dritter Generation geführt wird, sei ebenfalls von Belang. Dazu werden für die insgesamt 13 Beschäftigten regelmäßig Unternehmungen, wie etwa Bowling, Grillen, Kart fahren oder anderes veranstaltet. Außerdem habe man erst kürzlich ein Gesundheitsmanagement eingeführt und plant nun, die Themen Ernährung und Stressbewältigung anzugehen.

Thomas Hoefling erkundigte sich neben Personalfragen auch danach, welchen Mehrwert die beiden Geschäftsführer in ihrer Handwerksinnung, einer Interessengemeinschaft von Handwerksbetrieben, sehen. Die Harmonie in der Innung sei positiv, zudem könne man bei Bedarf Aufträge auslagern oder Arbeitsgemeinschaften bilden. Aber auch der Austausch über Probleme sei ein wichtiger Faktor.

Im Anschluss wurden die Gäste durch die Räume und Hallen der Schlosserei geführt.