Ludwigsburg „Migranten können helfen, die Situation zu verbessern“

Ulrich Achilles leitet das Johanniter-Haus in Pleidelsheim. Die drohende Abschiebung einer seiner Mitarbeiterinnen versucht er gemeinsam mit Arbeitskreis Asyl zu verhindern.
Ulrich Achilles leitet das Johanniter-Haus in Pleidelsheim. Die drohende Abschiebung einer seiner Mitarbeiterinnen versucht er gemeinsam mit Arbeitskreis Asyl zu verhindern. © Foto: Helmut Pangerl
Landkreis Ludwigsburg / Frank Ruppert 12.09.2018

Der Fall von Nana K. aus Georgien, die als Asylbewerberin eine Ausbildung zur Altenpflegerin im Pleidelsheimer Johanniter-Haus macht, hat durch einen Beitrag in der ZDF-Sendung Frontal 21 für bundesweites Aufsehen gesorgt. Die BZ hat den Leiter der Einrichtung zu Nana K und der aktuellen Situation befragt. Ulrich Achilles berichtet von guten Erfahrungen und einer ausgezeichneten Auszubildenden auf der einen Seite und hohen bürokratischen Hürden bei der Beschäftigung von Migranten.

Seit wann arbeitet Nana K bei Ihnen? Wann hat ihre Ausbildung begonnen und wie lange dauert diese noch?

Ulrich Achilles: Nana K. arbeitet seit September 2017 als Auszubildende im Johanniter-Haus Pleidelsheim. Vorab hat sie ein Schnupperpraktikum zum Kennenlernen des Pflegeberufes bei uns gemacht. Nana K. befindet sich aktuell im ersten Ausbildungsjahr und wird die Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin voraussichtlich im Herbst 2021 erfolgreich abschließen.

Wie kam es damals zur Einstellung von Nana K.?

Zur Einstellung von Nana K. kam es über den Arbeitskreis Asyl in Pleidelsheim. Zwei sehr engagierte ehrenamtliche Mitarbeiter im Team des Vereins haben den Kontakt zwischen dem Johanniter-Haus Pleidelsheim und Nana K. vermittelt. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Arbeitskreises begleiten und unterstützen Nana noch immer.

Wie ist die aktuelle Situation für ihre Mitarbeiterin?

Nana K. ist im Asylverfahren. Durch den Ausbildungsvertrag mit uns und der Mathilde-Planck Schule in Ludwigsburg ist sie für die Zeit der Ausbildung vor einer Abschiebung geschützt.

Wie gehen Sie als Arbeitgeber mit der Situation und der drohenden Abschiebung für Nana K. in Deutschland um?

Wir geben Nana K. eine Chance zur Ausbildung, weil sie alles mitbringt, was für die Ausbildung in der Altenpflege wichtig ist. Dazu gehören intellektuelle Voraussetzungen, ebenso Empathie, Engagement und Teamgeist. Wo wir können, helfen wir im Umfeld mit. Wir agieren aus einer christlich geprägten Grundhaltung heraus, sind den Menschen zugewandt, sowohl was unsere Bewohnerinnen und Bewohner als auch Menschen, die Asyl suchen, betrifft.

Was halten Sie von dem sogenannten „Spurwechsel“, der es Flüchtlingen in Arbeit erlauben soll, länger in Deutschland zu bleiben?

Der „Spurwechsel“ ist neben anderen Lösungsansätzen aus meiner Sicht eine gute Antwort auf die Gesamtproblematik in Bezug auf die Asylpolitik und den anhaltenden Fachkräftemangel.

Wie wichtig ist Nana K. für Ihren Betrieb?

Nana K. ist wichtig für unsere Arbeit, weil sie alles mitbringt, was entscheidend für den Beruf ist. Wir freuen uns, sie in unserem Team zu haben.

Was haben Sie als Arbeitgeber unternommen im Kampf für einen Aufenthaltstitel für Nana K.?

Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Asyl in Pleidelsheim haben wir immer wieder in kleinen Schritten und mit viel Geduld versucht, gemeinsam die bürokratischen Hürden zu überwinden. Wir begleiten Nana K. zu Terminen beim Ausländeramt und haben uns gemeinsam um die Anmeldung zum Sprachkurs gekümmert. Die notwendigen unterschiedlichen Bescheinigungen und Nachweise als Beleg, dass Nana K. das Schnupperpraktikum bei uns abgeleistet hat, „angekommen“ und integriert ist, haben wir entsprechend ausgestellt und weitergeleitet. Unterstützt haben wir ebenfalls bei der Suche nach einer geeigneten Altenpflegeschule mit Integrationscharakter. Auch persönlich versucht unser Mitarbeiter-Team Nana K. zu unterstützen und ihr Halt zu geben.

Wie beurteilen Sie als Vorgesetzter Nana K‘s Arbeit?

Sie ist eine ausgezeichnete Auszubildende. Ihre Leistungen sowohl in der Schule als auch in der praktischen Arbeit sind hervorragend. Notendurchschnitt 1,0! Sie arbeitet vorbildlich, ist empathisch und freundlich.

Wie kommt Nana K. mit den Bewohnern aus und wie reagieren die auf sie?

Nana K. ist bei den Bewohnern sehr beliebt und gern gesehen. Nana ist nicht die einzige Nicht-Deutsche bei uns. Ihre Arbeit ist daher für uns keineswegs ungewöhnlich. Grundsätzlich unterscheiden wir nicht nach Deutsch oder Nicht-Deutsch, sondern fragen nach Talent und Freude an der Betreuung von alten Menschen.

Haben Sie noch anderen Flüchtlingen die Chance einer Beschäftigung gegeben?

Aktuell gibt es noch einen Praktikanten, der in unserem Johanniter-Haus in den Beruf des Altenpflegers „schnuppert“ und so herausfinden möchte, ob der Bereich für ihn passt und ob wir in ihm und mit ihm eine gemeinsame Zukunft sehen.

Sehen Sie Migranten als Chance den Pflegenotstand in Deutschland etwas zu lindern?

Migranten können helfen, die gegenwärtige Situation zu verbessern, nicht aber grundsätzlich zu lösen.

Was erhoffen Sie sich nun von der Politik?

Der aktuell diskutierte „Spurwechsel“ kann neben anderen Lösungsansätzen eine Chance sein. Ich wünsche mir aber zusätzlich den Abbau von bürokratischen Hemmnissen, zum Beispiel die raschere Anerkennung von Zeugnissen sowie mehr und kostenfreie Sprachkurse.

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