Vaihingen "KZ-Gedenkstätte hat heute Schlüsselfunktion"

BZ 16.11.2015
Der Verein KZ-Gedenkstätte Vaihingen hat am Wochenende sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Bei einem Festakt wurde die Bedeutung hervorgehoben.

Seines 25-jährigen Bestehens hat der Verein KZ-Gedenkstätte Vaihingen am Samstagabend im Keller der Stadtbücherei gedacht. "Der Verein hält mit dem Betrieb der Gedenkstätte und ihren vielfältigen Angeboten die Erinnerung an das unmenschliche Geschehen im Konzentrationslager Vaihingen und an die Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft wach und sensibilisiert nachfolgende Generationen für das Thema. Er erfüllt damit eine Schlüsselfunktion in einer Zeit, in der es in Deutschland beschämenderweise zu Schändungen von jüdischen Friedhöfen und Ausbrüchen von Fremdenfeindlichkeit, insbesondere gegenüber Flüchtlingen, kommt", sagte Landrat Dr. Rainer Haas.

Der Chef der Kreisverwaltung erinnerte daran, dass der Verein "Initiative KZ-Gedenkstätte Vaihingen/Enz" im November 1990 unter Mithilfe der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft gegründet worden war. Das Ziel des Vereins sei von Anfang an gewesen, einen Abschnitt der Regionalgeschichte aufzuarbeiten, in dem das KZ Vaihingen ein Symbol für den Zivilisationsbruch in der deutschen Geschichte ist. In der Arbeit der Arbeitsgruppen, die gebildet wurden, hätten die Errichtung und der Betrieb einer Gedenkstätte von Anfang an eine zentrale Rolle gespielt.

Zu den weiteren Schwerpunkten des Vereins gehöre bis heute, Kontakte zu ähnlichen Gedenkstätten zu pflegen, die jährliche Gedenkfeier am Tag der Befreiung zu gestalten, didaktisches Material für Schulen zu erarbeiten und Publikationen zu veröffentlichen sowie mit den Überlebenden und ihren Angehörigen in Kontakt zu bleiben. Der Verein hat bisher dreimal - 2001, 2005 und 2015 - mit Unterstützung der Stadt Vaihingen Überlebende aus verschiedenen Staaten eingeladen. Haas hob auch die Gründung der Jugendgruppe "HiSTORIES" im Jahr 2006 hervor.

Das Konzentrationslager Vaihingen war zunächst ein Arbeitslager, dann ein sogenanntes Kranken- und Erholungslager. Mehr als 5000 Häftlinge aus mehr als 20 europäischen Nationen waren dort inhaftiert. Zwischen August 1944 und April 1945 starben in dem Lager rund 1700 Menschen aufgrund der unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen. Bei der Befreiung des Lagers am 7. April 1945 trafen die französischen Truppen noch 650 Überlebende an. Von 1956 bis 1958 wurde der Ehrenfriedhof angelegt, auf dem die nicht identifizierten Opfer beigesetzt wurden. 2005 konnte die KZ-Gedenkstätte in Anwesenheit von Überlebenden und ihren Angehörigen eröffnet werden. Jährlich besuchen mehr als 2000 Menschen und mehr als 60 Gruppen die Gedenkstätte.