Mariä Himmelfahrt „Kräuterbuschen“ im Gottesdienst

Am 15 / Heidi Vogelhuber 15.08.2018

An diesem Mittwoch, 15. August, ist der katholische Feiertag Mariä Himmelfahrt. In Deutschland ist Mariä Himmelfahrt nur in zwei Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag: In Bayern und im Saarland. Dort wird der Tag mit festlichen Prozessionen gefeiert. Die katholische Gemeinde zieht durch die Straßen. Auffällig sind die in traditioneller Tracht gekleideten Mädchen mit Sträußen. „Im Raum Stuttgart finden keine Prozessionen statt“, weiß Sachsenheims Pfarrer Sunny Muckumkal der katholischen Kirchengemeinde Sankt Franziskus. In Sachsenheim gebe es aber an Mariä Himmelfahrt eine festliche Messe, sagt er.

Die Sträuße, die bei den Prozessionen getragen werden, gibt es auch im hiesigen Gottesdienst. Wie Pfarrer Muckumkal erklärt, handelt es sich dabei um die traditionelle Kräuterweihe. „Die Kräuter haben heute eine andere Bedeutung als früher“, sagt der Pfarrer. Traditionell bringen die Kirchengänger Kräuter mit, die dann gesegnet werden. Johanniskraut, Eisenkraut, Beifuß, Wermut, Schafgarbe und Tausendgüldenkraut sind Klassiker für die Kräuter-Sträuße oder „Kräuterbuschen“ wie sie in Bayern genannt werden. „Früher wurden die Kräuter gegessen oder als Tee getrunken“, sagt Pfarrer Muckumkal. Man schrieb ihnen eine besonders heilsame Wirkung zu. Heute werde der Kräuterstrauß in die Wohnung gestellt. Er soll Unglück fernhalten, man könne ihn mit den Palmzweigen an Palmsonntag vergleichen. Muckumkal sieht den Ursprung der Kräutersträuße in der christlichen Legende, aber es gebe noch eine zweite Interpretation, die sich auf Folgendes stütze: An Mariä Himmelfahrt wird die Aufnahme Marias in den Himmel gefeiert – und das bereits mindestens seit dem 5. Jahrhundert. Die leibliche Himmelfahrt ist in der Bibel nicht belegt, jedoch verkündete Papst Pius XII 1950 das Dogma, dass die Mutter von Jesus mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden sei, erklärt Pfarrer Muckumkal. In diesem Sinne steht der auferstandene Körper Mariens symbolisch für die Erlösung. Pfarrer Muckumkal vermutet, dass Papst Pius XII das Dogma so kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs erließ, weil viele Leichname, vor allem jüdische, nicht mehr auffindbar waren. „Der Leichnam sollte wieder als wertvoll angesehen werden“, so der Pfarrer. Man bedenke: Maria war auch Jüdin.

Für Muckumkal persönlich hat der 15. August eine weitere Bedeutung. Der Sachsenheimer Pfarrer stammt aus Indien und dort ist es ein „sehr lebendiges Fest“, sagt er. Die christliche Gemeinde sei zwar eine Minderheit in Indien, in seinem Heimatort sei Mariä Himmelfahrt aber gefeiert worden. „Der Prozessionszug führt an Reisfeldern und Kokosplantagen vorbei, die anstatt der Kräuter gesegnet werden“, sagt Muckumkal. Außerdem werde in Indien am selben Tag auch der Unabhängigkeitstag gefeiert, 1947 löste sich Indien von England. „Für mich ist es ein wunderbares Fest, daher feiere ich es auch hier in Sachsenheim sehr gerne“, sagt der Pfarrer.

Zur Legende Mariä Himmelfahrt

Am 15. August feiern die katholischen Christen die Aufnahme Marias in den Himmel.

Die Kräuterweihe geht auf die christliche Legende zurück, dass die Apostel, nachdem sie Marias Grab geöffnet hatten, keinen Leichnam vorfanden. Stattdessen war das Grab voller Blumen und Kräuter. Darauf geht das Binden der „Kräuterbuschen“ zurück, die aus zwölf, angelehnt an die zwölf Apostel, oder mehr Kräutersorten bestehen. hevo

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