Solange es Treppenhäuser gibt, wird vermutlich auch der Tratsch darin nicht aufhören. Theatermann Jens Exler hat die menschliche Eigenschaft in seinem Stück „Tratsch im Treppenhaus“ aufs Korn genommen, nun in der schwäbischen Fassung und mit Monika Hirschle in der Komödie im Marquardt zu sehen. Die Premiere war am Freitag.

Streit unter Mietern

Zankäpfel gibt es bekanntlich genug unter Mietern, sei es zu laute Musik, seien es nicht gefegte Flure oder illegal untervermietete Kammern. So auch zwischen Ernst Brummer und Hanne Knopf, die vis-à-vis im dritten Stock logieren.

Dabei könnten sich die zwei ganz gut verstehen, sitzen sie doch im gleichen Boot und müssen kurzfristig junge Leute bei sich aufnehmen. In jedes gute Treppenhaus gehört aber auch eine echte Klatschbase, wie sie Monika Hirschle alias Frau Boldinger voller Inbrunst rüberbringt. Sie lauscht von ihrem Horchposten aus und beteuert: „Ich bin nicht neugierig, ich zeige Anteilnahme.“

Muränengleich schießt die betagte Dame im Kittelschurz und mit neuem Halbwissen bewaffnet aus dem Treppenhaus hervor, klingelt hier Sturm, redet dort nach dem Mund und kassiert fremde Lorbeeren ein. Doch das nicht genug: Was sie aus ihrem Versteck eine halbe Treppe tiefer nicht ganz versteht, das reimt sich die schwäbische Schwertgosch selbst zusammen und bringt dann sogar Falschnachrichten von unehelichen Kindern und liederlichen Vätern in Umlauf. Zeit, dass sich die Hausgemeinschaft wehrt und der Tratschtante vom zweiten Stock das Handwerk legt – übrigens mit Rose Kneissler, Norbert Abele, Reinhold Weiser, Jörg Pauly und, neu in der Komödie, Antonia Leichtle passend besetzt. Bekannt geworden durch die Silvester-Live-Übertragung 1960 vom Ohnsorg-Theater mit Heidi Kabel, setzt der Evergreen unter den Schwänken seinen Erfolg fort. Leif-Erik Heine gelingt es mit einer fast symmetrisch aufgebauten Bühne, den passend altbackenen Treppenhausmief atmen zu lassen. Monika Hirschle hat Exlers dezent aktualisierten „Sluderkram in‘t Treppenhus“ mit links und umso radikaler ins schwäbische „Tratsch em Treppahaus“ übersetzt.

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