Sersheim "Ich bin dann mal weg": Chefankläger Pflieger im Ruhestand

Sersheim / CAROLINE HOLOWIECKI 26.06.2013
"Ich bin dann mal weg." So verabschiedet sich Klaus Pflieger aus dem Berufsleben - nach 38 Jahren. Der Generalstaatsanwalt ist ab dem 1. Juli Pensionär. Künftig will sich der Sersheimer auf seine Hobbys und die Familie konzentrieren.

Ein großer Fall ist offen geblieben. Der Mord an der Heidenheimerin Maria Bögerl ist bis heute nicht aufgeklärt. Klaus Pflieger hätte auch diesen Fall gern zum Abschluss gebracht. Es ist ihm nicht vergönnt. Der Stuttgarter Generalstaatsanwalt geht in Pension. Es ist seine letzte Arbeitswoche.

Eine spektakuläre Karriere endet. Der Name Klaus Pflieger ist untrennbar mit der RAF verbunden. Pflieger selbst nennt es seine "terroristische Vergangenheit", ist doch ein Großteil seiner juristischen Laufbahn mit der Rote Armee Fraktion verwoben - seit 1975. Da war Pfliegers erster Job Haftrichter in Stammheim. Die Untersuchung der RAF-Selbstmorde 1978, die Strafverfahren gegen Klaus Croissant und etliche RAF-Akteure: Dass er an daran mitarbeiten konnte, nennt der Sersheimer rückblickend "sensationell. Das hat die Nachkriegsgeschichte dominiert, die Gesellschaft bewegt". Zwei Bücher hat er übers Thema RAF geschrieben.

Mit dem, was der heute 66-Jährige in seiner Laufbahn gesehen hat, könnte er ganze Bibliotheken füllen. Der Heilbronner Polizistenmord, der Anschlag aufs Oktoberfest 1980, der Amoklauf von Winnenden, der Mordfall Tobias, die Ermittlungen gegen Ex-Ministerpräsident Mappus: Das alles lässt Pflieger nun hinter sich.

Jetzt heißt es Endspurt. Am Donnerstagabend wird er sich bei einem internen Fest, bei dem "Trauer verboten und Freunde angesagt" sind, von seinen Kollegen und Mitarbeitern verabschieden. Am Freitag räumt er sein Büro. Auch von seinen anderen juristischen Tätigkeiten will sich Pflieger bald verabschieden. So legt er nächstes Jahr sein Amt als Vorsitzender der Bewährungs- und Straffälligenhilfe nieder. "Das soll ein Aktiver machen."

Angst vor dem Freizeit-Blues hat er nicht. Die Ehefrau, die drei Kinder und die Enkel - Nummer zwei ist unterwegs - freuen sich auf den neuen Abschnitt als Familienmensch, und auch für den Pensionär ist es "schon eine Erleichterung", den Job hinter sich zu lassen. Die erste Reise ohne Urlaubsantrag steht an. Mit dem Wohnwagen wollen die Pfliegers von Sersheim aus starten. Das Ziel haben sie noch nicht festgelegt.

Info Am 11. Juli wird Klaus Pflieger ab 19 Uhr im Haus der Geschichte in Stuttgart für den "Verein gegen Vergessen - für Demokratie" und den Stuttgarter Richterverein einen Vortrag zum Thema "Oktoberfestanschlag, RAF, Mölln u.a. - ein terroristisches Berufsleben" halten.

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