Wenn Harald Leibrecht mit Studenten in den USA spricht, dann muss er schon mal Fragen wie diese beantworten: „Warum dürfen die Menschen in Deutschland keine Waffen tragen?“ Typisch amerikanisch eben. Leibrecht beobachtet aber auch, dass Studenten in Amerika – entgegen der landläufigen Meinung – gut über Europa und Deutschland informiert sind. „Sie  wissen um die internationale Bedeutung Europas und um den Stellenwert Deutschlands innerhalb der Union. Sie erkennen an, dass Deutschland eine verlässliche Regierung und eine starke Kanzlerin hat, vor allem wenn sie dies mit der Wahlkampfrhetorik in den USA vergleichen“, sagt der langjährige FDP-Bundestagsabgeordnete und Beauftragte der Bundesregierung für die transatlantischen Beziehungen.

Leibrechts Kontakte in die USA sind nach wie vor sehr intensiv. Seit Jahren bemühen sich er und seine Frau Ulrike erfolgreich  mit ihrer CEPA Foundation darum,  jungen Amerikanern einen Studienaufenthalt in Europa zu ermöglichen. Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich die gemeinnützige Stiftung zu einem bedeutenden transatlantischen Studienprogramm mit Kontakten zu rund 100 Universitäten in den USA.

Einmal im Jahr tourt Leibrecht durch die Hörsäle der USA, hält Vorträge und stellt die CEPA Foundation vor. Vor kurzem erst ist er von einer Vortragsreise zurückgekehrt und hat ein gespaltenes Land im Wahlkampf erlebt.  Ein Wahlkampf, der von Widersprüchen gekennzeichnet ist. „Viele Menschen in den USA sind gegen Donald Trump, aber sie sind nicht unbedingt für Hillary Clinton“, sagt Leibrecht, der auch Republikaner erlebt hat, die Clinton verhindern, aber auch Trump nicht haben wollten. „Das Problem der Republikaner sind deren vielen, zum Teil extremen Strömungen. Das hat es möglich gemacht, dass Donald Trump als Kandidat nach oben geschwemmt wurde, ohne zuvor eine Favoritenrolle gehabt zu haben.“

Es sei erstaunlich, dass vor allem weiße, männliche Amerikaner ohne höheren Schulabschluss Trump unterstützten. Menschen aus einem sozialen Milieu, das von einem Wahlsieg Trumps programmatisch gar nicht profitieren würde. „Donald Trump hat nichts von sich gegeben, das einem Arbeiter oder Arbeitslosen eine Perspektive bieten würde. Trump tritt für Raubtierkapitalismus ein, er glaubt, die USA  wie ein Unternehmen führen zu können“, so Leibrecht.

Genau das macht ihm in Bezug auf die transatlantischen Beziehungen Sorge. Auch wenn das Verhältnis „schon mal besser“ gewesen sei, die USA stellten nach wie vor den wichtigsten Handels- und Sicherheitspartner Europas dar. Der diplomatisch erfahrenen Hillary Clinton sei dies bewusst,  bei Trump sehe das anders aus. „Der republikanische Präsidentschaftskandidat spricht sich gegen internationale Handelsverträge aus. Würde er die Wirtschaftsbeziehungen zu Europa zurückdrehen, hätte dies fatale Folgen für Europa, aber auch für die USA“, ist sich Leibrecht sicher. Das Freihandelsaufkommen TTIP auf den Weg zu bekommen sei angesichts der Widerstände auf beiden Seiten überaus schwierig, bei einem Wahlsieg Trumps hätte es wohl gar keine Chance mehr. Leibrecht glaubt aber nicht, dass sich deutsche Unternehmen unabhängig vom Wahlausgang Sorgen um ihr US-Geschäft machen müssen. „Die Amerikaner kaufen gern deutsche Produkte, sie werden sich nicht abschotten wollen.“

Und was den Wahlkampf angehe: Leibrecht beobachtet eine gewisse Müdigkeit in den USA: „Ich hatte den Eindruck, dass viele des Skandal-Wahlkampfs überdrüssig sein. Es wird Zeit, dass jetzt gewählt wird.“

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz