Freiberg / Jörg Palitzsch  Uhr

Erich von Däniken gelingt es immer noch, Publikum ganz unterschiedlichen Alters anzuziehen. Der Autor, der mit seinem 1968 erschienen Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ zum Auflagenmillionär wurde, hielt am Montag in der voll besetzten Freiberger Diskothek Palazzo einen Vortrag, bei dem er sich in vielen Rollen präsentierte.

Däniken, der Star: Sein Ruhm mag etwas verblasst sein, seine Erfolge sind nicht zu bestreiten. Däniken hat mehr als 40 Sachbücher geschrieben, die in 32 Sprachen übersetzt wurden und eine Gesamtauflage von mehr als 60 Millionen erzielten. Dementsprechend wurde der Autor im Palazzo mit lautem Applaus auf der Bühne begrüßt, viele der Gäste hatten Bücher von ihm dabei.

Däniken, der Parawissenschaftler: Der Schweizer befasst sich mit der Prä-Astronautik, die außerirdische Intelligenz auf der Erde während der Steinzeit untersucht. Für Däniken zieht sich diese Parawissenschaft durch die gesamte Erd- und Lebensgeschichte. In Freiberg zeigte er unzählige Fotos von Steinplatten und -reliefs, die angeblich „Götter“ mit Helmen zeigen, die mit „Himmelsvögeln“ auf die Erde gekommen sind. Die „herniederfahrenden Götter“ seien hoch entwickelt auf eine unterentwickelte Gesellschaft gestoßen.

Däniken, der Bibelforscher: Nach 30 Minuten hat sich der 84-Jährige warmgesprochen. Seine Fans lauschen in aller Stille und hängen an seinen Lippen, auch als er auf den Propheten Henoch zu sprechen kommt. Dieser soll, so Däniken, zu Zeiten Babylons von den „Wächtern des Himmels“ in einem kleinen Zubringerraumschiff mitgenommen worden sein, um die Basis der Außerirdischen zu vermessen – und die Maße festzuhalten. In der Bibel stehe allerdings etwas ganz anderes. Dort sei von der „Herrlichkeit des Höchsten“, von Träumen, Geschichten und Visionen die Rede. Der Autor zeigt dann einen kleinen Film, wie Henoch mit den Außerirdischen in Kontakt kam. „Das war nicht Gott, den er gesehen hat“, so Däniken.

Däniken, der Datenermittler: Als das Wort Nazca fällt, nicken die Gäste wissend. Däniken schwenkt geschickt auf das interdisziplinäre und rund 200 000 Euro teure Forschungsprojekt ein, das eine große Aufgabe vor sich hat. Nazca in Peru gehört mit seinen Linien und Figuren im Wüstenboden zum Weltkulturerbe. Der Erich-von-Däniken-Stiftung geht es hauptsächlich um die breiten pistenähnlichen Linien im weiten Gelände, deren Geheimnis man mit der Ermittlung von belastbaren Daten lüften will. Gibt es dort Magnetfelder? Gibt es geochemische Verbindungen? Beteiligt, auch finanziell, sind an dem Projekt inzwischen mehrere Hochschulen. Zur Restfinanzierung fehlen noch 65 000 Euro. Däniken wirbt für das Projekt mit Handzetteln, die in der Diskothek verteilt sind.

Däniken, der Verschwörungstheoretiker: Irgendwann an diesem Abend kippt Däniken dann von seiner Rolle als Erklärer und Fragender in die Rolle des Verschwörungstheoretikers, der die alleinige Deutungshoheit beansprucht. So würde die Menschheit schon lange von Außerirdischen beobachtet „und es wimmelt von Ufo-Sichtungen“. Die Menschen seien „nützliche Idioten“, würden manipuliert und die Medien hätten kein Interesse. Das Thema Außerirdische – sein Thema – werde verschwiegen, weil die Gesellschaft nicht auf eine Begegnung vorbereitet sei. Komme es zu einem Zusammentreffen, würde Panik ausbrechen. Das Publikum nimmt diese Ausführungen wohlwollend zur Kenntnis, quittiert sie mit leisen Zwischenrufen und zustimmenden Äußerungen.

Däniken, der Visionär: Gegen Ende seines frei gehaltenen Vortrags erweist sich der weit gereiste Autor doch noch als Visionär. So würde es im Sonnensystem der Erde Millionen von erdähnlichen Planeten geben. Mit einem Generationenraumschiff käme die Besatzung in zehn Lichtjahren in 500 Erdjahren voran. An Bord des Raumschiffes könne es alles geben: „Es wird geboren, gelebt und gestorben“. Lande man dann auf einem der Planeten, könne man das nächste Generationenraumschiff bauen. So ließe sich die ganze Milchstraße kolonisieren. Am Ende gibt es viel Applaus seiner Anhänger. Erich von Däniken nimmt es in sich ruhend hin.