„Barrierefreiheit. Das ist ein Betätigungsfeld, das uns noch über Jahr(zehnte) begleiten wird“, sagt Dr. Eckart Bohn, Behindertenbeauftragter des Landkreises Ludwigsburg im Gespräch mit der BZ. Trotzdem ist er der Meinung, dass gerade das Thema barrierefreie Haltestellen im vergangenen Jahr einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht habe. Die Kenntnis über den Bedarf sei in den Kommunen angekommen und „es tut sich was“, so der Behindertenbeauftragte. Zumindest werde einiges für die Maßnahmen an den Haltestellen vorbereitet, in der Umsetzung gebe es allerdings noch gewaltige Unterschiede. „Es müssen sich erste Gruppen bilden, die sich die Sachkenntnis erwerben und daraufhin Stadt, Stadtverwaltung und Gemeinderat darauf hinweisen, was nötig ist“, sagt Bohn und hebt Bietigheims Verein „Barrierefreie Stadt Bietigheim-Bissingen“ als positives Beispiel hervor.

Im Falle von Baumaßnahmen wünscht sich der Kreis-Behindertenbeauftragte, dass im Vornherein darauf geachtet wird, auch aus finanzieller Sicht. Denn teurer müsse es dadurch nicht werden. Das Wort Barrierefreiheit werde automatisch mit Rollstühlen verbunden, vor allem mit Menschen mit einer Behinderung, sagt Bohn. Das sei jedoch eine eher kleine Gruppe innerhalb einer Gemeinde. Den größten Teil machen ältere Menschen aus und „wir werden alle älter“, so Bohn mit einem Augenzwinkern. Mit dieser stets wachsenden Gruppe könne man in den Kommunen in Sachen Barrierefreiheit am besten punkten.

Schwellen seien für wenig Geld einzuebnen, auch das Bad sei relativ kostengünstig umgebaut. Und dafür komme im Privatbereich die Pflegeversicherung auf. Bis zu 5000 Euro zahle diese, „damit kann man viel bewegen“, sagt Bohn. Der Vorteil für die Versicherung sei, dass ältere Menschen länger zu Hause bleiben könnten und die Kosten für Pflegeheime dadurch sinken würde. „Die Barriere jedoch, die liegt beim Gehbehinderten“, sagt der Behindertenbeauftragte provokant. Nicht selten höre er Sätze wie „Ich wohne schon 40 Jahre hier, ich bau’ nichts mehr um.“ Was den Kreis-Beauftragten besonders ärgert, sei, dass die Wohnung nach dem Auszug des Alten laut Aussagen der Architektenkammer dann wieder umgebaut werde. Da könne er sich nur an den Kopf fassen.

Im öffentlichen Raum sei ein Abschaffen der Schwellen nicht für alle ideal. Denn Sehbehinderte orientieren sich an den Schwellen. Daher sei ein Behindertenleitsystem beziehungsweise ein Leitliniensystem notwendig. Das sind beispielsweise weiße Noppen, die sich auch farblich vom dunklen Boden abheben, das sei von vielen Sehbehinderten noch wahrnehmbar.

Bohn ist im dritten Jahr der Behindertenbeauftragte des Kreises. Gerne vergleicht er die Bushaltestellen im Kreis mit jenen in Hamburg. In der Hansestadt habe man die Busse barrierefrei gestaltet, und nicht die Haltestellen. Dadurch falle das Problem weg, dass die Busfahrer nah an den Bordstein fahren müssten. „Das sind dort alles Niederflurbusse, die sich zusätzlich absenken und eine Rampe ausfahren können“, sagt Bohn. Besonders gefalle ihm in Hamburg, dass die Fahrgäste mithelfen beim Ausfahren der Rampe. Was das Bewusstsein für Barrierefreiheit angehe, sei der Norden weiter als der Süden.

Bis 2022 muss laut Personenbeförderungsgesetz die Barrierefreiheit landesweit umgesetzt sein. „Es müssen noch dicke Bretter gebohrt werden“, so Bohn.

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