Windkraft "Eine Nacht darüber schlafen"

An der Kreisstraße 1627 zwischen Kirchheim und Meimsheim plant die Kirchheimer Energiegenossenschaft ein Windrad. Der Standort wurde allerdings bei der Planungsausschusssitzung des Verbands Region Stuttgart am Mittwoch nicht als Vorranggebiet ausgewiesen.
An der Kreisstraße 1627 zwischen Kirchheim und Meimsheim plant die Kirchheimer Energiegenossenschaft ein Windrad. Der Standort wurde allerdings bei der Planungsausschusssitzung des Verbands Region Stuttgart am Mittwoch nicht als Vorranggebiet ausgewiesen. © Foto: Martin Kalb
Kirchheim / JÜRGEN KUNZ 17.09.2015
Bereit sein, wenn die Region "grünes Licht" gibt für ein Windrad am Standort "Ghäu" in Kirchheim. So sah die Strategie der Energiegenossenschaft Kirchheim und Umgebung aus. Nach der Entscheidung des Planungsausschusses ist man zunächst enttäuscht.

Insgesamt zehn Personen sind es, die die Energiegenossenschaft Kirchheim und Umgebung vorantreiben. Als Aufsichtsratsvorsitzender - der inzwischen gegründeten Genossenschaft, die kurz vor der Eintragung ins Genossenschaftsregister steht - fungiert Heinrich Blasenbrei-Wurtz. Der Besigheimer war schon maßgeblich beim Bau des ersten Windrads in der Region, dem "Grünen Heiner" auf dem Schuttberg auf der Gemarkungsgrenze zwischen Stuttgart-Weilimdorf und Korntal-Münchingen im Jahr 2000, dabei und ist auch am Ingersheimer Windrad beteiligt. Ziel ist es, auf der Feldflur "Ghäu" nahe der Kreisstraße 1627 zwischen Kirchheim und Meimsheim ein Windrad zu bauen.

Nach der eindeutigen Entscheidung des Planungsausschusses des Verbands Region Stuttgart (VRS) am gestrigen Mittwoch, den Kirchheimer Standort, ebenso den Bönnigheimer Standort "Roten Berg/Saukopf" nicht als Vorranggebiete für Windkraftanlagen auszuweisen, ist Blasenbrei-Wurtz, der bei der Ausschusssitzung in Stuttgart vor Ort war, enttäuscht. "Die Würfel sind gefallen, zu unseren Ungunsten. Jetzt müssen wir zunächst eine Nacht darüber schlafen", sagte er im Gespräch mit der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung. Ganz aufgeben will man bei der Kirchheimer Energiegenossenschaft aber noch nicht. "Es ist zunächst eine politische Entscheidung, mit großer schwarzer Mehrheit", so Blasenbrei-Wurtz. Man habe aber noch die Möglichkeit im Rahmen eines sogenannten Zielabweichungsverfahrens beim Regierungspräsidium einen Bauantrag einzubringen, dies müsse man sich allerdings gut überlegen, räumte er ein. "Doch wir haben auch noch einige politischen Möglichkeiten bis zum 30. September", betonte er. Dann wird die Regionalversammlung des VRS nach der Beschlussempfehlung des Planungsausschusses endgültig entscheiden.

"Eine moderne Maschine, mit einem Rotordurchmesser von 117 Metern", haben die Kirchheimer geplant. Mit einem erwarteten Jahresertrag von etwa sechs Millionen Kilowattstunden wäre die Kapazität etwa doppelt so groß wie die der Ingersheimer Windkraftanlage. Grundsätzlich seien an dem Kirchheimer Standort zwei Windräder möglich, die Energiegenossenschaft plane aber zunächst nur eine Anlage. Mit einer Investitionssumme von 4,2 Millionen Euro rechnet Blasenbrei-Wurtz. Nach seiner Einschätzung gebe es "unendlich viele Interessenten", die sich beteiligen wollen. Nach seinen Erfahrungen beim "Grünen Heiner" und dem Ingersheimer Windrad, "ist das kleinste Problem, das Investment zusammenzubringen".

Die Genossenschaft (in Gründung) sei gut aufgestellt, dem Vorstand gehören Jürgen Bothner, Rolf Riecker und Roland Gamnitzer, auf dessen Gelände das Windrad gebaut werden soll, an. Bisher habe man sich bewusst zurückhaltend in der Öffentlichkeit präsentiert, wollte abwarten, wie der Planungsausschuss des Verbands Region Stuttgart (VRS) und letztendlich die Regionalversammlung entscheide.

Seit rund einem Jahr laufen Untersuchungen darüber, wie sich eine Windkraftanlage am Kirchheimer Standort auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirken würde. "Die Artenschutzuntersuchungen sind kurz vor Abschluss, bisher gab es keine K.o.-Kriterien", so Blasenbrei-Wurtz im Gespräch mit der BZ. Außerdem gebe es vor Ort ein gut ausgebautes Feldwegenetz und eine Netzanschlussmöglichkeit in unmittelbarer Nähe.

Bei einem Treffen der Regionalrätin Regina Traub und des Landtagsabgeordneten Thomas Reusch-Frey mit Verantwortlichen der Energiegenossenschaft wenige Tage vor der Planungsausschusssitzung auf dem geplanten Kirchheimer Standort, bei dem auch kritische Stimmen zu hören waren, wie es sie etwa aus Lauffen gibt, gaben sich die Befürworter noch gelassen: "Die Sichtbarkeit des Windrades ist das einzige, was es substanziell gegen diesen Windkraftstandort einzuwenden gibt." Der SPD-Landtagsabgeordnete Reusch-Frey hatte sich zur Windkraftanlage in Kirchheim bekannt, denn schließlich " ist es bei bestem Willen nicht möglich, Energie mit unsichtbaren Anlagen zu gewinnen".

Die Kirchheimer motivieren, dass man dort den Strom herstellen könne, wo er gebraucht werde, so Blasenbrei-Wurtz, und er ergänzte: "Wir sind keine Freunde des Stromimports." Als Argument für die Windenergie in der hiesigen Region verwies er auf die in der vergangenen Woche erzielten Ergebnisse: "Ingersheim hat innerhalb von drei Jahren zehn Millionen Kilowattstunden erzeugt." Auch der "Grüne Heiner" habe die Zehn-Millionen-Kilowattstunden-Grenze überschritten, allerdings innerhalb von 15 Jahren.

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