Schauspielbühnen „Die schönste Kunstform der Welt“

Axel Preuss.
Axel Preuss. © Foto: Volker Beinhorn
Stuttgart / Patricia Fleischmann 07.07.2018

Wer Axel Preuss, den designierten Intendanten der Schauspielbühnen in Stuttgart, derzeit besuchen möchte, muss erst einmal weg vom Alten Schauspielhaus in die Marienstraße schräg gegenüber. Nur einen Steinwurf von der Bühne entfernt, aber doch abseits. Hier hat der angehende Leiter bis August sein Interimsbüro.

Dezent und zurückhaltend wirken die Räume, dezent auch Axel Preuss in seinem schlichten weißen Hemd, das er ohne Krawatte trägt. Er kehrt mitnichten den Künstler nach außen. Formuliert seine Sätze präzise und eher sachlich: „Wir wollen ein attraktives Programm machen, das das Publikum anspricht und auch bindet.“ Schließlich geht es auf der Bühne zwar um Gefühle, dahinter jedoch ist für den Intendanten eines Theaters, das sich zu über 50 Prozent selbst finanziert, nicht zuletzt Rechnen gefragt: „Wir müssen maximal haushalten.“

Gelegentlich kommt er aber doch ins Schwelgen, bekennt „Für mich persönlich ist Theater die schönste Kunstform, die es auf der Welt gibt.“ Oder schwärmt von seinen Besuchen als Kind im Ohnsorg-Theater, damals noch mit Heidi Kabel. Später als Student begeisterte ihn Ulrich Tukur so sehr, dass er gleich fünf Mal in die Vorstellung von „Ghetto“ ging. Doch selbst die Frage, was Theater für ihn bedeute, beantwortet er so erst, nachdem er sich versichert hat, ob hier seine persönliche Einstellung gemeint ist oder die berufliche.

Preuss, in Hamburg-Barmbek geboren, scheint ein analytischer Mensch zu sein. Trennt das persönliche Empfinden von der beruflichen Aufgabe. In seiner Rolle als Intendant nämlich bedeutet Theater für ihn „viel Verantwortung für viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“ sowie „Verantwortung für ein Publikum“. Danach erst „die Erfüllung eines Traumes“.

Der 55-Jährige, zuletzt Schauspieldirektor am Badischen Staatstheater Karlsruhe, genießt die Gestaltungsfreiheit. Und macht mit einem imposanten Spielplan neugierig auf seine erste Saison. Schillers Trauerspiel „Maria Stuart“ eröffnet am Alten Schauspielhaus; in der Komödie im Marquardt sollen „Monsieur Claude und seine Töchter“ das Publikum zum Lachen bringen. „Hair“ steht als Musical auf dem Programm, gefolgt von Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“. In der Komödie geht es weiter mit der schwäbischen Fassung eines Ohnsorg-Klassikers „Tratsch em Treppahaus“, einem musikalischen Porträt über Hildegard Knef „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“ und der Filmadaption „Wir sind die Neuen“ – alles unter dem Thema „Familie“.

Eine thematische Klammer plant Preuss für sämtliche Spielzeiten, wobei er „Familie“ weit definiert, also auch selbst gewählte Familienbande wie in „Hair“ dazu zählt. Die Familie steht im Fokus, weil sie „eine Renaissance“ erlebe, „einen sicheren Hafen in unruhigen Zeiten“ biete.

Großer Unterschied zu den beiden Vorgängern Carl Philip von Maldeghem und Noch-Intendant Manfred Langner: Keine Uraufführungen, nicht einmal deutschsprachige Erstaufführungen. Keine Experimente unter den Produktionen, und das ist Kalkül. „Es gibt keine großen Stücke von jungen Autoren“, so Preuss. Und er will das Publikum nicht nur mit der „Kernarbeit“, den 13 Inszenierungen auf den zwei Hauptbühnen, begeistern.

Gleich fünf neue Projekte startet der baldige Intendant: Checker Tobi vom KiKA-Kanal darf seine Wissensshow auf die Bühne bringen, Mitmachen ist auch angesagt bei „Plötzlich Hotzenplotz!“ mit Jörg Pauly, Hermann Beil präsentiert den „Poetischen Sonntag“ und beim Theaterfest dürfen die Gäste hinter die Kulissen sowie auf die aktuelle Spielzeit blicken. Sofern die Fördermittel genehmigt werden, soll das große Mitmachprojekt „Familienbande“ in sieben Aufführungen im Großraum Stuttgart münden und zuletzt auch am Alten Schauspielhaus zu sehen sein.

Ein neues Design gehört bei neuen Chefs zum guten Ton, so auch bei Preuss. Eine Stuttgarter Agentur hat die Fassaden der beiden Häuser abstrahiert und ihnen damit ein eigenes Logo verpasst. Viel mehr springt am neuen Programmheft allerdings ins Auge, dass neben den Namen der Schauspieler, so sie bereits feststehen, auch ein Foto abgebildet ist. Eine verdiente Wertschätzung für die Mimen. Für Hobbies bleibt dem verheirateten Familienvater mit drei Kindern wenig Zeit. Entspannen kann er am besten beim Radfahren. Sagt‘s und schwingt sich auf sein Fahrrad.     

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