Ich wollte wieder in den Kreis ziehen. Dass ich jedoch an genau diese Schule gekommen bin, war Zufall“, sagt Andrea Mjörnell. Die 57-jährige Lehrerin unterrichtet seit 1996 vor allem Sport und Deutsch an der Realschule Tamm. Von 1972 bis 1975 war sie selbst Schülerin an der damals noch jungen Tammer Schule, die dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

„1969 ging’s hier los“, sagt Mjörnell. Es habe damals eine Übereinkunft zwischen den Nachbargemeinden gegeben: Tamm bekam die Realschule und Asperg das Gymnasium. Die Schulen seien immer noch miteinander verbunden. Morgens etwa merke man das: „Unterrichtsbeginn war in Tamm schon immer 7.30 und in Asperg 7.45 Uhr“, sagt die Lehrerin. Das liege an den Bussen, die erst die eine und dann die andere Schule anfahren. Mjörnell muss es wissen, denn nach ihren drei Jahren in Tamm besuchte sie das Asperger Gymnasium, um daraufhin zu studieren und dann als Lehrerin nach Tamm zurückzukehren.

Veränderungen über die Jahre

Ob sich viel geändert habe über die Jahre? Zu ihrer Zeit seien gut 40 Schüler in einer Klasse gewesen, heutzutage seien es zwischen 20 und 29 Schüler. „Das ist schon sportlich für die heutige Zeit“, sagt sie. Jedoch habe sich auch das Unterrichten an sich verändert. Als sie Schülerin in Tamm war, habe es noch Sitzreihen gegeben und vor allem „viel viel Frontalunterricht“. Heutzutage werde viel selbständig erarbeitet von den Schülern, die Klassenzimmer sind mit Tischgruppen ausgestattet. Insgesamt sei das Lernen sehr individuell geworden. Aber auch die Aufgaben der Lehrkraft hätten sich gewandelt. Neben mehr Nachmittagsunterricht und dem Ganztagsangebot, müsse wesentlich mehr Erziehungsarbeit geleistet werden. Der Lehrer sei nicht mehr „nur“ für den Unterrichtsstoff zuständig. „Wir sind auch in Familiendramen involviert. Es ist ein Balanceakt zwischen nicht zu viel Nähe und nicht zu distanziert und kalt sein“, sagt die Lehrerin mit 30 Jahren Berufserfahrung. Es sei ein Drahtseilakt. „Auch der Ton hat sich geändert“, sagt Mjörnell. Er sei heftiger geworden. Von den Schülern, aber auch den Eltern. „Der Lehrer ist nicht mehr in dem Umfang wie früher eine Respektsperson“, sagt die 57-Jährige. „Wenn ich in der Schule Mist gebaut hatte, habe ich zu Hause nochmal eins auf den Deckel bekommen“, erinnert sich die heutige Lehrerin und lacht. Das sei heutzutage nicht mehr unbedingt der Fall. Von den Eltern werde wesentlich mehr Beratung gefordert. Das solle aber nicht heißen, dass alles schlechter sei als früher. „Viele Eltern helfen toll mit“, sagt die Lehrerin.

„Ich fordere und fördere meine Schüler“, sagt Mjörnell, die sich selbst als streng bezeichnet. „Es ist wichtig, gerecht, fair und authentisch zu sein, dann respektieren einen die Schüler auch“, sagt sie aus eigener Erfahrung. Wenn es erforderlich sei, nehme sie Schüler auch mal in den Arm, „best friend bin ich aber nicht“, betont Mjörnell.

Das musikalische Angebot

„Jedoch bin ich mit den Ehemaligen freundschaftlich verbunden“, sagt sie weiter und schwärmt vor allem vom musikalischen Angebot der Schule, das schon immer rege genutzt werde. Bereits als Schülerin sei sie in den Chor, geleitet von Volker Berner, eingetreten, den sie immer noch unterstützt, wo sie kann. In ihren 23 Jahren in Tamm habe sie 20 Musical-Aufführungen gehabt. „Herr Berner und noch ein paar andere Kollegen, die mich noch als Schülerin kannten, waren noch da, als ich als Lehrerin hier anfing“, erinnert sich Mjörnell. „Es war wie nach Hause kommen und doch war’s irgendwie komisch. Für manche bin ich immer die Schülerin geblieben“, sagt die 57-Jährige und lacht. Berner habe sie gleich in die musikalischen Angebote integriert und dabei sei sie geblieben. In diesem Jahr habe sie eine Ehemaligengruppe, unter anderem eine ehemalige Schülerin, die Musical und Vocalcouch studiert hat, beim Musical unterstützt, schwärmt Mjörnell. Teile daraus wurden bei der Jubiläumsfeier und dem Sommerfest am Wochenende aufgeführt.

„Schüler erinnern sich immer noch vor allem an die außerschulischen Aktivitäten ihrer Schulzeit, wie eben die Musicals oder Schullandheimaufenthalte“, sagt die Lehrerin. Und noch etwas hat sich nicht verändert über die Jahre: Auf den Tafeln oder modernen Whiteboards werden immer noch die „Hausis“ notiert.