Ab 2020 will der Gasversorger „terranets bw“ eine neue Gashochdruckleitung von Wiernsheim bis südlich von Löchgau durch die Region bauen. Die Neckarenztalleitung soll laut „terranets bw“ die Versorgungssicherheit in Baden-Württemberg und insbesondere im Raum Ludwigsburg und im Enzkreis langfristig deutlich erhöhen.

In Vorbereitung auf das dafür notwendige Planfeststellungsverfahren, mit dem der grundstücksscharfe Trassenverlauf der Leitung festgelegt wird, verfeinere das Unternehmen nun den Trassenverlauf in enger Abstimmung mit den betroffenen Kommunen, Behörden, Verbänden und Bürgern. Ab Montag finden in Kommunen entlang des Trassenverlaufs Dialogmärkte statt, in denen „terranets bw“ über ihr Vorhaben informiert. Auf den Dialogmärkten können Interessierte  mehr über das Projekt, den aktuellen Planungsstand und den möglichen Verlauf der Leitung erfahren. Los geht es in Löchgau.

„In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Leistung, die wir bereitstellen müssen, in der Gasleitung um 20 Prozent erhöht“, sagt Projektleiter Christoph Kröhnert. Deswegen und weil durch die Abkehr von Kern- und Kohleenergie mit einem weiteren Leistungszuwachs zu rechnen sei, habe man seit 2016 an einer neuen Leitung geplant. Im Dezember 2018 habe sich dann das Regierungspräsidium Stuttgart für eine der vorher vorgestellten und 600 Meter breiten Trassenverläufe entschieden. Darauf basierend hat man nun eine genauere Trasse durch die Gemarkungen unter anderem von Vaihingen, Oberriexingen, Sachsenheim, Bietigheim-Bissingen und Löchgau ins Auge gefasst. Dies habe aber immer noch Spielraum, erklärt Kröhnert. Bei den nun anstehenden Infoveranstaltungen möchte das Unternehmen mit Grundstückseigentümern und anderen Bürgern dazu ins Gespräch kommen. „Wir wollen keine Rohre gegen den Willen der Grundstückseigentümer verlegen“, meint Planer Kröhnert weiter.

Konkret gehe man, nachdem weitere Planungsschritte und eine weitere Öffentlichkeitsbeteiligung abgeschlossen seien, dann so vor, dass 18 Meter lange Rohre vor Ort zusammengeschweißt werden und dann in den Boden gesetzt werden. „Durchschnittlich sind wir drei Monate auf einem Grundstück beschäftigt“, sagt der Projektleiter. Für die Eigentümer gebe es natürlich eine Entschädigung. Schon 2020 soll es mit den Vorarbeiten, unter anderem der Untersuchung auf Kampfmittel, losgehen. Der Bau der 29 Kilometer langen Gasleitung soll dann 2021 beginnen und auch im selben Jahr im Herbst abgeschlossen werden.

Enz- und Metter-Querung

Die rund 30 Meter breite Baueinrichtung für das Rohr wird allerdings an den Unterquerungen von Enz und Metter wohl nicht gehalten werden können, meint Kröhnert. Genaueres sei aber noch nicht bekannt. Die „terranets bw“ möchte im Südwesten der Trasse, also in Wiernsheim, beginnen. Kröhnert versichert, dass man versuche, den Lkw-Verkehr so gering wie möglich zu halten. Weil nur Rohre und Baugeräte angeliefert werden müssten, sei aber ohnehin nur mit „einigen wenigen Lkw“ zu rechnen, die dann auch meist über Arbeitswege an ihr Ziel gebracht werden sollen. „Vereinzelt wird es sich nicht vermeiden lassen, dass sie durch Ortschaften fahren“, sagt Kröhnert.

„Da die Trasse auch über die Markung unserer Stadt verläuft, sind natürlich auch die Eigentümer der betroffenen Grundstücke betroffen“, erklärt Anette Hochmuth, Sprecherin von Bietigheim-Bissingen. In welchem Ausmaß Grundstückseigner betroffen seien, könne „terranets“ erläutern. Allerdings gebe es noch keine feststehende Liste an Eigentümern, da die Grundstücke noch nicht endgültig ausgewählt seien. „Der jetzige Trassenverlauf ist noch immer ein Korridor, der gewissen Spielraum lässt“, sagt Hochmuth.

Westumfahrung einplanen

Die Stadt habe zum Projekt Stellung genommen an das Regierungspräsidium Stuttgart, das als zuständige Behörde für das Verfahren agiere. „Wir haben vor allem darauf hingewiesen, dass es sinnvoll ist, die neue Trasse mit der bereits bestehenden Leitung der NetzeBW zu koppeln, um die Beeinträchtigungen zu minimieren. Die Trasse geht westlich an Metterzimmern vorbei, dort verlaufen auch die Planungen für eine eventuelle Westumfahrung“, erklärt Hochmuth. Zudem würde mehr Abstand zur Wohnbebauung, etwa beim Haslacher Weg, erreicht. Auch auf die Belange des Naturschutzes bei der Querung der Metter habe die Stadt aufmerksam gemacht. Ebenso gelte es, bei der Querung von Radwegen und Straßen die Beeinträchtigungen zu minimieren.

Auch durch Oberriexingen soll die Trasse verlaufen. Dort muss die Enz unterquert werden. „Wir wissen nicht, wie viele Grundstückseigentümer betroffen sein werden, Widerstand ist uns bislang zumindest nicht bekannt. Zur Unterquerung der Enz kann ich nur sagen, dass die Vorgaben besagen, dass die Leitung 1,5 Meter unter der Flußsohle liegen muss“, sagt die Oberriexinger Hauptamtsleiterin Sarah Mannhardt. Bei den Infoveranstaltungen würden auch Agrarexperten informieren, weil die Trasse zu großen Teilen über landwirtschaftliche Fläche verlaufe.

Info Dialogmärkte finden jeweils von 19 bis 21 Uhr statt: Montag, 11. März, Gemeindehalle Löchgau; Dienstag, 12. März, Stadthalle Vaihingen; Donnerstag, 21. März, Kelter Oberriexingen, und Montag, 25. März, Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen.


Bekannt ist die neue  Stromautobahn „Südlink“ von der Nordsee in den Kreis Heilbronn. Ab 2030 soll zusätzlich eine Trasse von Hamm durch den nördlichen Landkreis in Richtung Stuttgart führen. Von Uwe  Deecke

 

Der Kurs der Bundesregierung in Richtung erneuerbarer Energien hat eine zusätzliche Planung nötig gemacht. Zusätzlich zu der bereits bekannten neuen  Stromtrasse „Südlink“ von der Nordsee in den Kreis Heilbronn, soll ab 2030 eine weitere Trasse von Hamm durch den nördlichen Landkreis Ludwigsburg in Richtung Stuttgart führen.

 

Mehr erneuerbare Energie

 

„Wir haben nun deutlich mehr erneuerbare Energien zu integrieren“, erklärt Transnet-Sprecherin Regina König auf Anfrage der BZ. Von 50 Prozent auf 65 Prozent erneuerbarer Energie sei das Ziel angehoben worden, und man sei gehalten, so zu planen, dass diese Ziele erfüllt werden, so die Sprecherin weiter. Erreichen will Transnet BW dies mit einer fünften  Stromautobahn, die von Hamm in Nordrhein-Westfalen zum EnBW-Kohlekraftwerk Altbach südlich von Stuttgart führt. Der Trassenverlauf im vorgelegten zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans betrifft dabei sowohl das Kraichgau als auch den Kreis Ludwigsburg. Über Brackenheim, Bönnigheim, Besigheim, Ingersheim bis nach Mühlhausen bei Ludwigsburg würde die Trasse „DC 23“ in gerader Linie verlaufen, um dann in den südlichen Raum Stuttgart zu führen.