Mordprozess 25-Jähriger weist Schuld von sich

Asperg / Bernd Winckler 04.12.2018

In einer 65 Seiten umfassenden Erklärung versuchte der Angeklagte am gestrigen vorletzten Prozesstag, die Stuttgarter Schwurgerichtskammer davon zu überzeugen, dass seine 22-jährige Freundin nicht von ihm, sondern von einem angeblichen Freier getötet wurde.

Bisher hat der 25-Jährige zum Mordvorwurf an seiner Lebensgefährtin geschwiegen. Er soll die Frau in der Nacht zum 9. November letzten Jahres erst erdrosselt haben, dann verbrannt und schließlich den Torso auf einem Asperger Komposthaufen vergraben haben (die BZ berichtete).

Treffen mit Unbekanntem

Nicht er sei der Mörder, sondern einer von vier Männern, die er jeweils auch mit Vornamen nannte, und mit denen die Getötete ein sexuelles Verhältnis gehabt habe. Sie sei an jenem Abend letzten Jahres gegen 21.50 Uhr aus dem Haus gegangen, um sich mit einem der Unbekannten irgendwo zu treffen, während er auf ihre Rückkehr wartete. Die Polizei habe es versäumt, diese von ihm genannten möglichen potenziellen Mörder ausfindig zu machen. Man habe nur ihn als Mörder im Visier gehabt. Er jedoch habe mit diesem – nach seinen Worten „schrecklichen Geschehen“ nichts zu tun, nachdem auch die Mordkommission keinerlei tatrelevante Spuren bei ihm oder seinem Umfeld, wie Autos und Wohnung gefunden habe.

Die Anklägerin ließ den 25-Jährigen mit seiner Darstellung abblitzen: Nur er und kein anderer sei der Mörder des Opfers, sagte sie in ihrem Plädoyer. Es sei ein recht misslungener Versuch, diese Tat anderen anzulasten. Der Tatbestand, so die Anklägerin, sei durch ein von den Ermittlern festgestelltes vollkommenes und vollständiges Bewegungsprofil über das GPS-Gerät in seinem Fahrzeug und durch andere Spuren erwiesen.

Es handele sich hier um eine kaltblütige Planung und Ausführung eines Mordes aus niedrigen Beweggründen, weil der Angeklagte seine Freundin als „Eigentum“ sah und es durch die Tötung vermeiden wollte, dass sie, und nicht er, das Sorgerecht des gemeinsamen elf Monate alten Sohnes bekomme. Dafür sehe das Gesetz nur eine Sanktion: „Lebenslange Freiheitsstrafe“. Zusätzlich beantragte die Staatsanwältin die Feststellung der besonders schweren Schuld. In manchen Fällen bedeutet „Schuldschwere“ auch ein echtes lebenslänglich. Das Urteil soll am 13. Dezember gefällt werden.

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