Sie werden schon lange erwartet, heute ist es endlich so weit. Die Beamten des Polizeipräsidiums Ludwigsburg erhalten Bodycams“, sagte Staatssekretär im Innenministerium Julian Würtenberger am Montag bei der offiziellen Übergabe von 100 Videokameras im Polizeirevier Ludwigsburg. Die Bodycams, die so heißen, weil sie die Polizisten am Körper tragen, werden auf die zehn Reviere des Polizeipräsidiums in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen aufgeteilt. „Wir versprechen uns davon eine Eindämmung der Gewalt gegen Polizeibeamte“, sagte Burkhard Metzger, Polizeivizepräsident in Ludwigsburg. Metzger ist ab Juni Nachfolger von Polizeipräsident Frank Rebholz, da diese in Ruhestand geht.

Die Gewalt gegen Polizisten steigt an (die BZ berichtete). Metzger hatte Zahlen parat: „2018 sind beim Polizeipräsidium Ludwigsburg 355 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte registriert worden. Weil oft mehrere Beamte beteiligt waren, sind 850 Beamte dabei angegriffen worden“. 145 Ordnungshüter wurden verletzt, davon einer schwer. Alle zweieinhalb Tage werde ein Beamter des Polizeipräsidiums angegriffen.

200 Euro pro Kamera

Metzger nannte neben den Zahlen auch zwei ganz konkrete Fälle, die deutlich machen sollten, wie wichtig es ist, etwas für den Schutz der Beamten zu tun. Ein Fall, der derzeit das Gericht beschäftigt, sei jener in Marbach, bei dem die Polizei zu einer Ruhestörung gerufen und der damit endete, dass ein Polizist mit einem Schlagstock schwer am Kopf verletzt wurde. Erst vor einer Woche sei es in Leonberg zu einem Zwischenfall gekommen, als eine Personenkontrolle ausartete und ein Mann versucht habe, einem Polizisten die Waffe zu entwenden. Schlimmeres habe dabei verhindert werden können. Bei solchen Vorfällen sollen die neuen Kameras, die jede Streifen mitführe, für Abschreckung sorgen.

Alle Dienstgruppenleiter im Präsidiumsbereich wurden von Jasmin Rebmann, Dienstgruppenleiterin im Revier Ludwigsburg, im Umgang mit den Kameras geschult. „Jede Streife nimmt sie im ausgeschalteten Zustand mit“, erklärte die Polizistin am Montagnachmittag. Die Kamera ist an der Schutzweste befestigt. Wenn es in den Einsatz geht, wird die Kamera aktiviert, sie nimmt auf, löscht aber nach 60 Sekunden wieder und überschreibt mit den nächsten 60 Sekunden. Wird es brenzlig, kündigt der Polizist an, dass nun aufgezeichnet wird und drückt auf die Kamera. Ein lautes Piepsen ertönt. Die 60 Sekunden vor dem Auslösen werden nicht gelöscht. „So kann erkannt werden, wie es zur brenzligen Situation gekommen ist“, erklärte Metzger. Neben der Abschreckung, könne so auch später die polizeilichen Handlungen überprüft werden.

Die rund 200 Euro teuren Kameras werden nach Dienstende in eine Dockingstation gesteckt, die die gespeicherten Sequenzen auf einem lokalen Server speichert. Dort bleiben sie, bis das Strafverfahren abgeschlossen ist. Metzger erklärte, dass er sich wünsche, die Kameras auch bei Streitigkeiten in Wohnungen einsetzen zu können. Das sei bislang noch nicht möglich, Würtenberger nahm die Anregung aber mit.

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz