Heldenfingen Zwisstex: Umzug ist für Spätsommer geplant

Rund 11 000 Quadratmeter umfasst der Zwisstex-Neubau mit Produktions- und Verwaltungsfläche. Bis zum Jahresende soll der Rohbau mit Dach stehen.
Rund 11 000 Quadratmeter umfasst der Zwisstex-Neubau mit Produktions- und Verwaltungsfläche. Bis zum Jahresende soll der Rohbau mit Dach stehen. © Foto: Geyer-Luftbild
Heldenfingen / Christine Weinschenk 05.11.2018
Der Zwisstex-Neubau liegt voll im Zeitplan. Der Umzug von Gerstetten nach Heldenfingen soll im Spätsommer beginnen. Das Unternehmen investiert rund 19 Millionen Euro.

Beeindruckend ist nicht nur die Größe der Baustelle. Imposant ist auch, wie schnell das Gebäude im Unteren Feld in Heldenfingen in die Höhe und Breite wächst. „Es geht in der Tat schnell voran“, freut sich Marc Lorch, seit fast vier Jahren Geschäftsführer der Zwisstex GmbH. Man liege sowohl im Zeit- als auch im Kostenplan.

Stahlbau ist fast fertig

Über rund 11 000 Quadratmeter wird sich das zweistöckige Gebäude (Höhe: etwa neun Meter) mit Produktions- und Verwaltungsfläche erstrecken. Baustart war im Juli, jetzt ist der Stahlbau fast fertig und wird im Moment verkleidet. Bis zum Jahresende soll der Rohbau mit Dach stehen. „Das Ziel ist, dass das Gebäude bis Dezember so abgedichtet ist, dass innen gearbeitet werden kann“, sagt Lorch.

In den neuen Standort investiert das Unternehmen rund 19 Millionen Euro. Neben den Mitarbeitern der Dr. Zwissler Holding AG und der Zwisstex GmbH werden sich auch die Verwaltung und Produktion von Gertex, derzeit noch in Gerstetten beheimatet, einfinden.

Der Umzug von Gerstetten nach Heldenfingen wird Zug um Zug stattfinden: zunächst soll im Spätsommer 2019 die Produktion verlegt werden, der Umzug der Verwaltung ist für Herbst geplant. „Auch wenn es nur sechs Kilometer sind, ist das eine Herausforderung“, sagt Lorch. Man werde unterstützt von professionellen Unternehmen. In der Produktion müssten etwa 45 Wirkmaschinen auf- und abgebaut werden. Eine Wirkmaschine stellt textile Flächen her und ist etwa fünf Meter lang und gut 2,5 Meter hoch.

Eine textile Fassade

Da sich bei Zwisstex alles um Textilien dreht, wollte man diese auch im Neubau eingesetzt wissen. Das Verwaltungsgebäude wird eine Außenhülle aus einem Glasgewebe mit Polytetrafluorethylen (PTFE) erhalten. „Textilien ersetzen oder ergänzen immer häufiger klassische Baustoffe“, sagt Lorch. Rund 1500 Quadratmeter dieser Glasgewebefaser werden verwendet. Die Vorteile einer Stoffmembran: „Die Fassade ist sehr langlebig. Wir rechnen mit einer Lebensdauer von 50 Jahren“, sagt Lorch. „Außerdem ist der Stoff extrem leicht und bietet auch geschlossen Sicht nach draußen, aber nicht nach innen.“ Zudem nehme die Konstruktion keinen Schmutz auf und agiere als Sonnen- und Sichtschutz. Raffstores oder Jalousien seien nicht zusätzlich notwendig. Und: „Es soll natürlich auch optisch etwas ganz Besonderes sein.“

Der Architekt und Professor an der Universität Stuttgart, Dr. Werner Sobek, hat die textile Fassade entworfen, die das Verwaltungsgebäude einhüllen wird. Sobek arbeitet seit vielen Jahren mit diesen Baustoffen und hat etwa auch den mit PTFE eingehüllten Testturm von Thyssenkrupp in Rottweil realisiert. Der Turm ist mit rund 246 Metern eines der höchsten Bauwerke Deutschlands und dient der Erprobung von Hochgeschwindigkeitsaufzügen.

Selbst hergestellt hat das Unternehmen den Hightech-Stoff allerdings nicht. „Dafür hätten wir mehr Entwicklungszeit gebraucht, die wir leider nicht zur Verfügung hatten“, sagt Lorch. Aber man beschäftige sich mit diesem Thema und sei auch Partner des von Sobek initiierten Lehrstuhls für textiles Bauen an der Universität Stuttgart.

Energiekreislauf geplant

Auch im Hinblick auf Folgekosten habe man laut dem Geschäftsführer bei der Planung des Neubaus auf Energieeffizienz Wert gelegt. So ist zwischen den zukünftig gegenüberliegenden Unternehmen Gertex und Zoeppritex eine Art geschlossener Energiekreislauf angedacht. Produziert wird der benötigte Strom größtenteils selbst – über Blockheizkraftwerke und Gasturbinen. „Und je nach Bedarf können die beiden Unternehmen den Strom dann untereinander austauschen“, so Lorch. Wie die Zufahrt zum Neubau genau gestaltet wird, ist laut Gemeindeverwaltung noch immer nicht abschließend mit dem Regierungspräsidium abgeklärt. Geplant sei jedoch zeitnah eine Infoveranstaltung für Bürger.

Das Unternehmen

Die Zwisstex GmbH entwickelt, produziert und veredelt Textilien – unter anderem für Automobilhersteller. Mit Standorten in Deutschland, Mexico, China, den USA und Frankreich ist das Unternehmen weltweit vertreten. Zwisstex gehört zur Dr. Zwissler Holding AG und vereint im Wesentlichen die Firmen Gertex Textil GmbH und Zoeppritex Verbundstoffe GmbH mit über 125 Jahren Erfahrung. Stammsitz ist derzeit noch Gerstetten, mit Fertigstellung des Neubaus wird es Heldenfingen. Weltweit beschäftigt die Dr.-Zwissler-Gruppe rund 600 Mitarbeiter, etwa 270 davon arbeiten derzeit in Gerstetten und Heldenfingen.

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