Neresheim Zweiwege-Fahrzeug: ein Lkw auf dem Schättere-Gleis

Testfahrt für einen Zweiwege-Lkw auf dem Gleis der Härtsfeld-Museumsbahn bei Neresheim. Von diesem Prototyp sollen weitere gefertigt werden, um in Südafrika eingesetzt zu werden.
Testfahrt für einen Zweiwege-Lkw auf dem Gleis der Härtsfeld-Museumsbahn bei Neresheim. Von diesem Prototyp sollen weitere gefertigt werden, um in Südafrika eingesetzt zu werden. © Foto: Werner Kuhn
Neresheim / hz 27.03.2018
Bei der Härtsfeld-Museumsbahn wurde ein Zweiwege-Fahrzeug getestet.

Ein Auto, das wie bei James Bond auf einem Zug-Gleis fährt? In den vergangenen Wochen war dies bei der Härtsfeld-Museumsbahn Realität, denn es fanden auf den Gleisen Erprobungsfahrten mit einem weiß lackierten Lastkraftwagen statt. Das Fahrzeug hat in dieser Zeit 700 Kilometer anstandslos zurückgelegt.

Das ungewöhnliche Auto wurde von der Firma Zweiweg International für Kunden aus Schwellenländern entwickelt. Es handelt sich dabei um den Prototyp eines straßen- und schienentauglichen Lkw mit mechanischem Fahrantrieb der Schienenräder.

Etwa 200 solcher Fahrzeuge sind aktuell für Südafrika vorgesehen. Sie entstehen aus einem spartanisch ausgestatteten Serienfahr- zeug des Herstellers Isuzu. Dieser robuste Typ wurde gewählt, damit im harten Einsatz möglichst keine Schäden auftreten. Die Montage der Fahrzeuge soll vor Ort erfolgen. Die dortige Spurweite beträgt 1067 Millimeter, ein in Deutschland nicht angewandtes Maß. Für die Probefahrten mussten deshalb eigens die Radsätze auf die Spurweite von 1000 Millimeter angepasst werden.

Die Herstellerfirma sitzt in Leichlingen bei Köln. Da der Projektleiter Michael Kübler im Raum Crailsheim wohnt, kam er auf die Idee, die Erprobung auf den Gleisen der Härtsfeld-Museumsbahn vorzunehmen. Mit ausgiebigen Probefahrten sollte die Zuverlässigkeit des Systems als Ganzes und des mechanischen Antriebsstranges als Spezielles getestet werden. Hauptsächlich ging es um die Erprobung des Antriebs in Bezug auf Standfestigkeit beim Beschleunigen bis etwa 60 Stundenkilometer und Beharrungsfahrten mit dieser Geschwindigkeit. Der etwa 1,5 Kilometer lange Streckenabschnitt Steinmühle – Sägmühle im Egautal bot hierzu gute Voraussetzungen, denn die nahezu ebene Strecke ohne Bahnübergänge war ausreichend für diesen Zweck.

Das Aufgleisen des Fahrzeugs erfolgte in Neresheim. Von dort ging es mit Lotse über eigens gesicherte Bahnübergänge das Egautal hinab. Die automatische Halbschrankenanlage bei Neresheim musste dazu abgeschaltet werden, da der Lkw diese gestört hätte.

Mehrere irritierte Beobachter

Wesentliche Mängel traten nicht auf. Während der Fahrten kam es allerdings zu mehreren Anfragen. So meldete sich jemand mit der scherzhaften Anmerkung, dass er sich ja durchaus vorstellen könne, weiße Mäuse oder Elefanten zu sehen, aber bei einem weißen Lkw auf Schienen würde er schon etwas an seinem Verstand zweifeln. Die Herstellerfirma Zweiweg blickt auf eine über 70-jährige Firmengeschichte zurück. 1960 wurde erstmals ein handelsübliches Automobil für den Rangierbetrieb auf der Schiene umgerüstet. Seit 1969 wird das System immer mehr verbessert. Dazu wurden der Firma zahlreiche Patente erteilt. Bekannteste Produkte sind sicher Bagger, die auf Gleisbaustellen zum Einsatz kommen. Aber auch beispielsweise für die Kölner Feuerwehr wurde ein Fahrzeug ausgestattet, um bei Bedarf auf Straßenbahnschienen den Brandort erreichen zu können.

Mit den Probefahrten wurde ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Härtsfeldbahn fortgeschrieben: Zwischen 1954 und 1969 fanden mehrfach solche Erprobungen mit Fahrzeugen verschiedener Hersteller statt. Die Härtsfeldbahn ist dafür geradezu ideal. Am Albaufstieg bei Aalen konnte das Verhalten der Fahrzeuge in Steigungen und engen Kurven erprobt werden. Auf den geraden Streckenabschnitten im Donauried waren Schnellfahrten möglich.