Börse Zu viel Obst? Hier kann man es verschenken

Am Paradiesbaum vor dem Pfarrhaus wird Obst vermittelt. Wer zuviel davon im Garten hat, kann hier seine Adresse hinterlassen, wer Obst oder Gemüse brauchen kann, sollte ebenfalls einen Zettel hinhängen. Das Pfarrerehepaar Kisser hatte diese Idee.
Am Paradiesbaum vor dem Pfarrhaus wird Obst vermittelt. Wer zuviel davon im Garten hat, kann hier seine Adresse hinterlassen, wer Obst oder Gemüse brauchen kann, sollte ebenfalls einen Zettel hinhängen. Das Pfarrerehepaar Kisser hatte diese Idee. © Foto: Sabrina Balzer
Herbrechtingen / Günter Trittner 07.09.2018

Der viel beredeten Dürre zum Trotz: Die Obstbäume brechen heuer fast unter der Last der Früchte zusammen. Es scheint, die Natur möchte das magere Obst-Jahr 2017 mit seinen Frösten vergessen machen. Auch das vor einem Jahr ins Pfarrhaus eingezogene Pfarrer-Ehepaar Daniela und Thorsten Kisser hat es feststellen müssen: Der Pfarrgarten auf dem Lindenberg gibt heuer mehr her als man essen, versaften oder zu Marmelade einkochen kann. Sogar, wenn man bis in die Nacht hinein das Obst verarbeitet.

Wohin mit den Früchten? Schließlich will man sie ja nicht verderben lassen. Kissers Idee war eine Börse. Seit Anfang dieser Woche steht bei der Kirche ein hölzerner „Paradies-Baum.“

Für Bedürftige und ganz normale Bürger

Hier kann mit einem angehefteten Zettel anzeigen, wer Obst oder Gemüse übrig hat hat oder bei sich im Garten ernten lässt. Genauso können „Bedürftige“ sich melden. „Nicht jeder hat ja einen Garten.“, weiß Kisser.

Zweierlei Hoffnung verbindet das Pfarrerehepaar mit der Aktion: Dass möglichst wenig Früchte verfaulen müssen, nur weil sie keinen Esser finden und dass sich die Menschen in Bolheim über den „Obsthandel“ besser kennenlernen. Deswegen wollten die Pfarrer auch keine anonymes Depot, wo das Überflüssige nur abgelegt wird. Geber und Nehmer sollen vielmehr persönlich in Kontakt miteinander treten.

Furcht vor einer leibhaftigen Schlange am Paradiesbaum braucht man nicht zu haben. Als Theologe weiß Kisser, dass es im Paradies zwei Bäume gab. Die Schlange schlängelte sich vom Baum der Erkenntnis. „Unser Baum ist der Gute, der Baum des Lebens.“

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