Einrichtung Ziel: trotz Behinderung berufstätig sein

Erhält eine neue Aufgabe: die Pistoriusschule in Herbrechtingen.
Erhält eine neue Aufgabe: die Pistoriusschule in Herbrechtingen.
Herbrechtingen / GÜNTER TRITTNER 25.02.2014
Die Pistoriusschule erhält eine neue Aufgabe. Sie soll Kindern mit geistiger Behinderung und nicht ausbildungsreifen Förderschülern den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen.
Die Pistoriusschule erhält eine neue Aufgabe. Erledigt wird diese in Heidenheim. Dort an der Technischen Schule will der Landkreis eine Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE) etablieren. Diese soll Schülern mit geistiger Behinderung und nicht ausbildungsreifen Förderschülern den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen.

Landkreisweit ist dieser für das nächste Schuljahr vorgesehene und von den Kreisräten im Kultur- und Sozialausschuss des Kreistags einstimmig befürwortete Schulversuch über vier Jahre eine Premiere. Mit einer für Kämmerer Roland Fuchs aber durchaus verheißungsvollen Perspektive für die Schüler, trotz ihrer wesentlichen Behinderung.

Erfahrungen aus anderen Landkreisen mit einer berufsvorbereitenden Einrichtung hätten gezeigt, dass bei potenziellen Arbeitgebern die Kompetenz dieser Sonder- und Förderschüler vielfach unterschätzt werde. Schüler und Betriebe miteinander vertraut zu machen, dies hat sich die BVE aber gerade zum Ziel gesetzt. Neben dem theoretischen Unterricht gibt es in den zwei bis drei Jahren BVE viele Praktika, die bis zu sechs Monate dauern und „Berührungsängste auf beiden Seiten abbauen“ können.

Kinder gehen in Heidenheim zur Schule

Die BVE baut auf der Berufsschulstufe der Sonderschule für Geistigbehinderte auf. Für die Aufnahme müssen etliche Anforderungen erfüllt werden. Verlangt wird von den Schülern eine hohe Eigenmotivation, der erfolgreiche Abschluss eines Vorpraktikums und dass sie sicher öffentliche Verkehrsmittel nutzen können. Über die Aufnahme in die BVE entscheidet ein Fachgremium im Dialog mit den Eltern.

Holztechnik, Metalltechnik, Farbe, Gastronomie und Hauswirtschaft sind die Bereiche in denen der Praxisunterricht erteilt wird. Die Wahl der Technischen Schule als BVE-Standort hat sich für die Landkreisverwaltung deswegen empfohlen, weil in unmittelbarer Nachbarschaft die Evangelische Gesellschaft in ihrer Karl-Döttinger-Sonderberufs- und Sonderberufsfachschule bereits vier dieser Arbeitsfelder pädagogisch bestellt und dafür ausgestattet ist. Die Technische Schule braucht neben den erforderlichen Räumen nur noch ihre Kompetenz in der Metallbearbeitung einbringen. Die pädagogische Gesamtleitung bleibt bei der Pistoriusschule, welche ihrerseits den Einsatz von 35 Lehrerwochenstunden garantiert.

"Wichtiger Schritt in Richtung Inklusion"

„Es ist ein wichtiger Schritt in Richtung Inklusion“ unterstrich Kreiskämmerer Roland Fuchs die Bedeutung der BVE. 16 Schüler erwarte man im Herbst für die erste Klasse, 14 kommen aus der Schule für Geistigbehinderte, zwei aus Förderschulen. „Der Bedarf wird weiter steigen“, war sich Fuchs sicher. „Die Zielsetzung ist richtig, wir können nichts Besseres tun“, bemerkte CDU-Kreisrat Franz Heger und sprach damit die Meinung aller Ausschussmitglieder aus.

Das BVE ruht im Landkreis aus einem breiten Fundament. Es beteiligen sich als Förder- und Sonderschulen neben der Pistoriusschule in Herbrechtingen die Buchfeldschule Bolheim, die  Christophorusschule Heidenheim, die Jakob-Herbrandt-Schulen Giengen und die Karl-Döttinger-Schule in Heidenheim.

Kooperationspartner sind weiter neben dem Landkreis Heidenheim und der Technischen Schule der Kommunalverband für Jugend und Soziales in Ravensburg, der Integrationsfachdienst in Heidenheim und die Agentur für Arbeit in Aalen.
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