Bauen Wohngebiet soll einheitlich bleiben

Passt ein Wohnhaus mit zwei Vollgeschossen ins Baugebiet südlich von Zoeppritz? Der Bauausschuss hat eine Bauvoranfrage abgelehnt und dabei vor allem an die Nachbarn gedacht, welche sich an die Vorgaben des Bebauungsplans gehalten haben.
Passt ein Wohnhaus mit zwei Vollgeschossen ins Baugebiet südlich von Zoeppritz? Der Bauausschuss hat eine Bauvoranfrage abgelehnt und dabei vor allem an die Nachbarn gedacht, welche sich an die Vorgaben des Bebauungsplans gehalten haben. © Foto: Foto: Rudi Weber
Bolheim / günter trittner 21.02.2014
Einen Preis für ein einheitliches Erscheinungsbild wird das Baugebiet südlich des Zoeppritz-Areals in Neubolheim nicht mehr gewinnen können. Der unterschiedliche Zuschnitt der Einfamilienhäuser bedeutet aber nicht, dass hier alles möglich ist. Eine Bauvoranfrage wurde nun zurückgewiesen.

„Wir sollten ablehnen“ stimmte Beigeordneter Thomas Diem die Stadträte bei der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bauwesen und Verkehrsangelegenheiten ein und wusste seine Haltung auch mit den Vorgaben des Bebauungsplans zu begründen. Ein Vollgeschoss plus ein Dachgeschoss ist demnach für dieses Baugebiet vorgesehen. Vorgesehen vom Bauherren ist an der Karl-Götz-Straße hingegen ein Haus mit zwei Vollgeschossen und wahlweise einem Pultdach oder flachem Walmdach im Stile der sogenannten Toskana-Häuser.

„Das ist nicht zulässig“, bekundete auch Dieter Frank, der Leiter des Fachbereichs Bau in der Stadtverwaltung. Und so sah es auch die Mehrheit der Stadträte, die schließlich die Bauvoranfrage auch zurückwiesen.

Doch der Sachverhalt ist knifflig, wie die Diskussion zeigte. Flachdächer finden sich bereits in unmittelbarer Umgebung beim Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt und auf dem Zoeppritzareal. Mit zwei Vollgeschossen bliebe der Neubau weit unter der zulässigen Firsthöhe von 10,7 Metern und es findet sich bereits ein Haus mit deutlich höher gebautes Haus in diesem Wohngebiet, das direkt an Heidenheimer Straße gelegen ist. Hier sieht man freilich bei der Stadtverwaltung einen Unterschied. Baugesuche direkt an der Durchgangsstraße seien Einzelfallentscheidungen, meinte Frank. Wegen des Lärmschutzes für die dahinter liegenden Häuser seien sogar zwei Geschosse hier durchaus in Ordnung, so die Aussage von Thomas Diem.

Für Frank ist auch nicht die Firsthöhe eines Hauses entscheidend, sondern die Traufhöhe. Und für diese Stelle, in der die Außenseite der Hausmauer auf die Dachkonstruktion trifft, gelte ein Maximum von 3,8 Meter. „Ein Haus mit zwei Geschossen wirkt viel wuchtiger“, so Diem.

Die Stadträte Robert Smejkal (CDU), Rudolf Häußler und Helmut Pfleiderer (beide Freie Wähler) wollten den Stab über die Bauvoranfrage nicht so rasch brechen. „Ich könnte mir das Haus vorstellen, wenn der Nachbar zustimmt“, meinte Pfleiderer. Andererseits war der beruflich als Architekt tätige Stadtrat aber auch skeptisch. „Ich weiß nicht, welches Fass wir aufmachen, wenn hier eine Befreiung erteilen.“ Und noch eine dritte Sichtweise brachte Pfleiderer ein. Es gehe nicht mehr so rechts vorwärts mit diesem Baugebiet. Insofern wären neue Bauwillige eigentlich willkommen.

Für Walter Fuchslocher (SPD) war ein anderer Punkt entscheidend: die Fairness gegenüber den bisherigen Bauherren, die sich an die Vorgaben gehalten hätten. Und letztlich war es auch das räumliche Verhältnis zur Nachbarschaft, welche die Bauvoranfrage an sechs Neinstimmen (bei einer Jastimme) scheitern ließ. „Der Nachbar hat nur noch Schatten“, stellte Dieter Mathes (CDU) anhand eines von der Stadtverwaltung projizierten Fotos fest.

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