Herbrechtingen Skaterpark: Wo bereitgestelltes Geld nicht abgerufen wird

Fünf Freunde, ein Ziel: Luca (ganz rechts), Noah (ganz links), Lisa, Benjamin (der andere große) und Fabio (auch sitzend) wollen mit ihren Eltern mithelfen, den Skatepark im Vohenstein auf Vordermann zu bringen.
Fünf Freunde, ein Ziel: Luca (ganz rechts), Noah (ganz links), Lisa, Benjamin (der andere große) und Fabio (auch sitzend) wollen mit ihren Eltern mithelfen, den Skatepark im Vohenstein auf Vordermann zu bringen. © Foto: Manuela Wolf
Herbrechtingen / Manuela Wolf 07.06.2018
Die Stadt Herbrechtignen hat im Laufe der letzten Jahre 25.000 Euro für die Sanierung des Skateparks Vohenstein bereitgestellt. Bisher wurde das Geld aber nicht angefordert.

Was wäre, wenn? Luca Krause und Benjamin Schäffer haben sich dies schon zigmal gefragt. Und deshalb wissen sie ganz genau, welche Wünsche sie sich erfüllen würden, wenn sie, sagen wir mal, 15000 Euro hätten. Zuallererst würden sie einen alten Container anschaffen für den Skatepark im Vohenstein und einen Besen und einen Mülleimer. Denn bevor sie loslegen können, müssen sie aufräumen.

Verwahrlostes Gelände

Jedes Mal. Chaoten toben sich regelmäßig auf dem verwahrlosten Gelände am Ortsrand aus. Sie zerschmettern Glasflaschen, werfen Steine auf die Fahrbahn. Überall liegt Müll. Mit den Füßen muss halbstundenweise alles zur Seite gekickt werden. Voll ätzend! „Ja und dann brauchen wir noch eine Spine-Rampe, eine Quarter-Pipe, auf jeden Fall eine Olli-Box und eine Rail-Stange. Dann hätten wir für alle was: für die Scooter, die BMXler und die Skater.“

Neuer Belag schon aufgebracht

Was die Jungs nicht wissen: Das Geld ist da – und es ist viel mehr als sie hoffen. 25 000 Euro hält die Stadt parat. Vergangenen Herbst wurde bereits der Belag der im Jahr 2002 gebauten Anlage erneuert. Für dieses Jahr war die Anschaffung einer Sitzgelegenheit angedacht, eines Unterstandes vielleicht, eventuell einiger neuer Elemente. Geschehen ist bisher aber nichts. Dieter Frank, der Fachbereichsleiter Bau weiß auch warum: „Wir würden gerne was machen, aber dazu müssen wir wissen, was genau. Gemeinsam mit dem Jugendhaus wird nun ein Konzept erarbeitet. Im Moment ist noch alles offen.“

Viele Ideen im Kopf

Luca, Benjamin und all die anderen jungen Leute, die hier am Stadtrand ihre Freizeit verbringen, überschlagen sich fast vor Ideen und diskutieren sachlich und überraschend bescheiden. Mit ein bisschen Farbe würde die in die Jahre gekommene Halfpipe gleich wieder wie neu aussehen. Vielleicht könnte man einen kleinen Teil der Wiese asphaltieren? Die vorhandene Fläche erlaubt keine höheren Geschwindigkeiten, bestimmte Tricks sind schlichtweg nicht möglich. „Cool wäre auch, wenn die Straßenlaternen funktionieren würden“, sagt Lucas Bruder Noah. „Und mir würde eine Lagerfeuerstelle gut gefallen“, sagt sein Papa Michael. „Dann könnten die Jugendlichen hier abends noch ein bisschen zusammensitzen. Ich fände es schön, wenn sie einen Treffpunkt hätten hier in Herbrechtingen und bin gerne bereit, mich dafür zu engagieren.“

Enttäuscht von Verwaltung

Es ist nicht so, dass die Clique noch nie darüber nachgedacht hat, im Rathaus um Unterstützung in Sachen Skateanlage zu bitten. Die Träume von einer Oli-Box, einem Besen und einem alten Container, haben sie nicht erst seit gestern. Luca und Benjamin haben in der Vergangenheit eher schlechte Erfahrungen gemacht. Vom Rathaus waren sie ins Jugendhaus geschickt worden und dort hat keiner reagiert. „Da hatten wir dann auch keinen Bock mehr.“ Ein andermal ging es um den Müll auf der Bahn. Das Rathaus hat angeboten, jederzeit den Bauhof vorbei zu schicken. Luca: „Aber das dauert dann natürlich, bis die kommen. Mit einem Besen und robusten Mülleimern aus Metall, die nicht so schnell kaputt gemacht werden können, wäre uns mehr geholfen.“

Eltern wollen mithelfen

Schon vor ein paar Jahren wurden 17 000 Euro für die Erneuerung des Skateparks bereitgestellt, nicht abgerufen und schließlich für andere Zwecke ausgegeben. Dass das nicht nochmal passieren soll, darüber ist sich die Vohenstein-Clique einig. Mit vereinten Kräften, so die Hoffnung, kann nun viel erreicht werden. Papa Michael Krause hofft außerdem auf die tatkräftige Unterstützung Herbrechtinger Unternehmer. Er selbst würde seinen Bagger zur Verfügung zu stellen, „vielleicht findet sich jemand, der mit Material, Arbeitskraft oder in Form von Sponsoring helfen könnte“. Auch andere Eltern wären gerne bereit, mit anzupacken. Ellen Futi, Fabios Mama, findet es ohnehin „sehr schade, dass so wenig investiert wird in Kinder und Jugendliche hier in Herbrechtingen. Wir sind auf jeden Fall mit dabei. “

Geburtstag an jedem Tag

Benjamin plant derweil einen Spendenaufruf im Internet. Und Luca? Der strahlt über beide Ohren. Bisher musste er mit seinen Jungs immer nach Heidenheim oder Giengen fahren, wenn er ein bisschen mehr machen wollte als Standard-Tricks. „Aber das geht ins Geld und das nervt, besonders im Sommer. Da muss man immer schauen, wann der letzte Bus fährt oder man muss sich von seinen Eltern abholen lassen. Eine gute Bahn dort zu haben, wo man zuhause ist, das wäre wie Geburtstag haben jeden Tag.“

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